Hassobjekt, Zaubermaus und der nette Javi

Von Jochen Rabe
Hulk, Martinez, Oscar und Modric (v.l.): Vier der teuersten Transfers des Sommers
© Getty
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Lucas Moura (20, Paris Saint-Germain, 40 Millionen Euro)

Streng genommen ist Lucas Moura gar kein Sommertransfer. Der Brasilianer ist noch gar nicht an der Seine angekommen. Bis zum Januar schnürt er seine Kickschuhe noch für den FC Sao Paolo. Der Wechsel des 20-Jährigen wurde aber im Sommer fixiert und zählt somit zum 130-Millionen-Euro-Paket, das Scheich Nasser Ghanim Al-Khelaifi schnürte, um PSG noch einmal so richtig zu pushen.

Paris war nicht die einzige Option für den brasilianischen Nationalspieler. Auch Manchester United soll seine Fühler nach dem Talent ausgestreckt haben. Lange Gespräche mit Kaka und vor allem seinem künftigen Teamkollegen Thiago Silva haben jedoch letztlich den Ausschlag für Paris gegeben: "Thiago hat mir das Projekt des Vereins beschrieben und klar gemacht, dass die Klubführung große Erfolge feiern will", begründete Lucas Moura seine Entscheidung.

Doch wie ist der Transfer von Vereinsseite zu bewerten? Ist der Brasilianer überhaupt eine Verstärkung oder nur ein Muskelspiel des Scheichs? Für den ehemaligen PSG-Spielmacher Rai, der aktuell für den Klub in Brasilien als Scout tätig ist, ist die Antwort klar: "Die Besitzer wollen attraktiven Angriffsfußball und Lucas passt perfekt in ein solches System. Er ist extrem schnell mit dem Ball am Fuß und ich denke, wir werden ihn sehr schnell in der Startelf sehen."

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Oscar (21, FC Chelsea, 32 Millionen Euro)

Ashley Cole spielt an die Strafraumgrenze. Oscar steht mit dem Rücken zum Tor und nimmt den Ball an. Er ist Andrea Pirlo einen Schritt voraus, dreht sich um die eigene Achse und drischt das Leder dann passgenau in den rechten Knick. Ein Traumtor, Marke Tor des Monats. Und bereits der zweite Treffer des Brasilianers innerhalb von drei Minuten.

An diesem Champions-League-Abend gegen Juventus geht Oscars Stern an der Stamford Bridge auf. Der Titelverteidiger verspielt die 2:0-Führung gegen den italienischen Meister zwar noch. Der gelungene Auftritt des Neuzugangs von Porto Alegre stimmt Chelsea-Trainer Roberto Di Matteo dennoch zufrieden: "Es war ein großartiges Debüt für Oscar. Es war genau der richtige Moment für ihn, in die Champions League zu starten."

Seitdem stand der 21-Jährige bei jedem Pflichtspiel in der Startelf der Blues und harmoniert gut mit Juan Mata, Eden Hazard und Fernando Torres. Torhüter Petr Cech lobt den neu formierten Angriff: "Man sieht, dass unsere Offensivspieler sich alle schon aneinander gewöhnt haben. Sie sind gut aufeinander abgestimmt, auch wenn sie zum ersten Mal miteinander spielen. Eden hat eine großartige Technik und zusammen mit Oscar bildet er ein gefährliches Duo."

Bislang ist der offensive Mittelfeldspieler eine Bereicherung für die Blues. Und: Er könnte seinen Anteil an einem Megadeal für die Zukunft haben: "Oscar sagt mir immer wieder, was für ein großer Klub Chelsea ist und wie großartig London ist", sagte sein Nationalmannschaftskollege Neymar der "Sun".

Robin van Persie (29, Manchester United, 30,7 Millionen Euro)

Was für ein Deal: Manchester United verpflichtet den Torschützenkönig der Premier League vom FC Arsenal und hat damit die beiden treffsichersten Angreifer der Vorsaison in seinen Reihen (van Persie 30 Treffer, Rooney 27).

Immer klar war es für den Niederländer nicht, dass er bei den Red Devils unterschreiben würde. Ein Gespräch mit Torwart-Legende Edwin van der Saar hat letztlich den Ausschlag gegeben. "Er hat mich angerufen und mir mitgeteilt, dass andere Klubs an ihm interessiert sind. Weil ich für Manchester United und Juventus Turin gespielt habe, wollte er meine Meinung hören", so van der Saar. Die Meinung: Van Persie muss zu United.

Dort schlug der 29-Jährige auch sofort ein: In den ersten neun Pflichtspielen erzielte er sieben Treffer für den Vizemeister und liegt derzeit mit fünf Treffern auf Platz zwei der Torjägerliste (hinter Demba Ba). Und dass auch das Zusammenspiel mit Rooney funktioniert, zeigte die Champions-League-Partie gegen Cluj, als dieser dem Niederländer zwei Treffer auflegte.

So ganz zufrieden ist van Persie mit seinem Start trotzdem nicht: "Ich würde gerne mehr Vorlagen geben. Ich stehe zwar bei sieben Toren, aber für mich - und das habe ich schon oft betont - geht es nicht nur um Tore." Auch Sir Alex Ferguson stellt hohe Ansprüche an den Angreifer. Er will von ihm die gleiche Tor-Quote wie in der letzten Saison bei Arsenal sehen. Und: "Ich hoffe, seine Fitness wird sich auch weiterhin verbessern."

Luka Modric (27, Real Madrid, 30 Millionen Euro)

Die Posse um den Kroaten Luka Modric und einen eventuellen Wechsel von Tottenham zu Real Madrid war gefühlt endlos. Fast jeden Tag gab es neue Wasserstandsmeldungen. Kurz bevor sich das Transferfenster schloss, klappte der Wechsel schließlich. Die Konditionen: Vertrag bis 2017, 30 Millionen Euro flossen an die White Hart Lane.

Eigentlich ist eine solche Ablösesumme bei den meisten Klubs Grund genug dafür, dass ein Spieler erst einmal unumschränkt gesetzt ist. Nicht so bei den Königlichen. Denn das Team von Jose Mourinho hat gerade auf Modric' Position - der des Spielmachers - ein Überangebot an Hochkarätern. Immerhin ist Kaka Topverdiener im Kader und ehemaliger Weltfußballer. Und dann gibt es ja auch noch Mesut Özil, der in dieser Saison zwar vermehrt in der Kritik stand, auf den Jose Mourinho aber bekanntermaßen große Stücke hält.

So kommt es, dass Modric in den wichtigen Spielen bislang kaum ran durfte. In der Champions League kam er in den ersten beiden Spielen erst auf 18 Einsatzminuten, beim Clasico gegen den FC Barcelona saß der Kroate sogar 90 Minuten auf der Bank.

Aussagen von Mourinho hören sich noch nicht danach an, als sei Modric bislang die Verstärkung, die er sich von ihm erhofft hatte: "Ihm fehlen noch viele Dinge. Er muss sich noch einleben, seine Kollegen richtig kennen lernen, Selbstvertrauen gewinnen und die Ideen seines Trainers verstehen. Es wird noch eine Zeit brauchen, bis Luka voll integriert ist", so der Portugiese.

Ezequiel Lavezzi (27, Paris Saint-Germain, 26 Millionen Euro)

"Das Projekt PSG reizt mich. Hier kann ich bei einem aufstrebenden Klub weiter wachsen." So begründete Ezequiel Lavezzi im Sommer seinen Wechsel vom SSC Neapel zu Paris Saint-Germain.

Nur wenige Wochen später hören sich die Aussagen des Außenstürmers allerdings schon ganz anders an. Gegenüber "Sky Sport Italia" gab Lavezzi an, die Fans im Stadio San Paolo zu vermissen - und äußerte bereits erste Zweifel an der Richtigkeit seines Schrittes nach Frankreich: "Man muss ein bisschen abwarten, bevor man sagen kann, ob es ein Fehler war oder nicht."

Unglücklicher hätte Lavezzis Einstand bei PSG aber auch kaum laufen können: In seinem zweiten Ligue-1-Einsatz sah der Italo-Argentinier für ein überhartes Einsteigen die Rote Karte. Und auch in der Champions League gab der Außenstürmer zuletzt Rätsel auf. Gegen Porto wurde er erst in der zweiten Hälfte eingewechselt, nach nur acht Minuten musste er aber auch schon wieder runter. Der offizielle Grund: Adduktorenprobleme. Komisch erscheint dann aber Lavezzis Reaktion: Der Stürmer war nach seiner Auswechslung derart angefressen, dass er vor der Bank eine Wasserbox auseinandertrat.

Ist die Verletzung also nur Alibi? Wohl nicht, Lavezzi muss drei Wochen pausieren. Trotzdem braucht der Neuzugang Anlaufzeit bei seinem neuen Klub. Trainer Carlo Ancelotti widerspricht jedoch Gerüchten, wonach Lavezzi bereits plant, nach Neapel zurückzukehren. Und in der Fan-Thematik stimmt er seinem Stürmer sogar zu: "Ich muss zugeben, dass die Atmosphäre im Stadio San Paolo mit nichts zu vergleichen ist."

Der Kader von Paris Saint-Germain im Überblick