Die Auswanderer: Drei Deutsche in der MLS

Von Jochen Rabe
Mittwoch, 31.10.2012 | 14:59 Uhr
Deutsche in der MLS - mit unterschiedlichem Erfolg: Torsten Frings, Arne Friedrich, Christian Tiffert
© Getty
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Opfer eines Umbruchs, schwere Verletzungen - in Deutschland wurden Torsten Frings, Arne Friedrich und Christian Tiffert aussortiert. Das Karriereende? Im Gegenteil: In der US-amerikanischen Major League Soccer sind die Deutschen direkt als Führungsspieler gefragt. Ihre Teams sind dabei jedoch unterschiedlich erfolgreich.

Torsten Frings (35, FC Toronto, seit Juli 2011)

Umstände des Wechsels: In Bremen war Torsten Frings eine Institution. Insgesamt spielte der Mittelfeldspieler elf Jahre für die Grün-Weißen, am Ende war er Kapitän, Identifikationsfigur und Führungsspieler.

Aber auch noch Leistungsträger? Ja, sagen die Statistiken: Frings stand noch 32 Bundesliga-Spiele für den SVW in der Saison 2010/11, erzielte sechs Treffer und bereitete einen vor. Ja, sagt auch sein damaliger Trainer Thomas Schaaf: "Er hat eine gute Spielzeit abgeliefert, er kann mit seinen Leistungen zufrieden sein."

Warum also die Trennung? Zum einen sprach die Zeit gegen den damals 33-Jährigen, außerdem hat er etwas zu lange gezögert, sich klar zu dem Klub zu bekennen. Letztlich entschied sich Werder im Sommer 2011, Frings' auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Also musste sich Frings nach Alternativen umschauen. Und da kam sein ehemaliger Förderer in der Nationalmannschaft Jürgen Klinsmann auf den Plan. Der ehemalige Bundestrainer und Frings-Förderer war beim FC Toronto als Berater tätig. Die Entscheidungsfindung selbst beschrieb Frings als nicht schwer: "Jürgen Klinsmann hat nur Gutes von dem Klub erzählt. Da war für mich schnell klar, dass ich hier sein möchte und helfen möchte, dass es schnell besser wird."

So läuft's: Besser werden musste es auch. Denn die Franchise, die seit 2007 am Spielbetrieb der MLS teilnimmt, konnte sich noch kein einziges Mal für die Playoffs qualifizieren. Außerdem waren die Zustände bei ständig wechselnden Trainern und dem unruhig werdenden Umfeld chaotisch. Also fädelte Berater Klinsmann unter anderem die Transfers der erfahrenen Europäer Danny Koevermans und eben Frings ein, um ein Zeichen zu setzen.

Bergauf ging es für die Kanadier trotzdem nicht: In der Saison 2011 schloss Toronto auf dem achten Platz in der Eastern Conference ab und verpasste die Playoffs damit klar.

Immerhin: Die Spielerpersönlichkeit Torsten Frings ist bei den Kanadiern über jeden Zweifel erhaben. Innerhalb kürzester Zeit wurde der ehemalige deutsche Nationalspieler zum Kapitän und Publikumsliebling. Im zentralen Mittelfeld ist er neben Terry Dunfield gesetzt. Allerdings konnte der mittlerweile 35-Jährige in der Endphase der Regular Season 2012 wegen einer Hüftverletzung nicht mehr mitwirken. Und so musste er mit ansehen, wie seine Teamkollegen abgeschlagen auf dem letzten Rang der Eastern Conference landeten.

Für Frings natürlich deutlich zu wenig: "Ich hatte gedacht, dass unsere Elf ein höheres Niveau hat. Wir haben eine ganz schlechte Saison gespielt", sagt Frings, der dennoch nach vorne schaut. "Ich setze auf die neue Saison." Diese soll erfolgreicher verlaufen - und die letzte in Frings' aktiver Karriere werden.

Einen Plan für die Zeit danach hat er auch schon: Er will bei Werder Bremen seine ersten Schritte als Trainer machen.

Arne Friedrich (33, Chicago Fire, seit März 2012)

Umstände des Wechsels: Südafrika 2010: Arne Friedrich steht in der Innenverteidigung der deutschen Nationalmannschaft und gilt vor der WM als Schwachpunkt. Überraschend: Er kann überzeugen und wird zum besten deutschen Abwehrspieler des Turniers. Zuvor war er mit Hertha BSC abgestiegen und hatte für die kommende Saison bei Wolfsburg unterschrieben. Die Wölfe waren überzeugt, einen guten Fang gemacht zu haben.

Nicht einmal anderthalb Jahre später: Der Vertrag wird auf Wunsch von Friedrich aufgelöst. Wegen anhaltender Bandscheibenbeschwerden stand fest, dass der Verteidiger zum zweiten Mal eine komplette Halbserie pausieren musste. Sogar ein Karriereende stand im Raum.

Lange Zeit war es ruhig um Friedrich. Im März 2012 stand dann fest: Er wechselt in die MLS zu Chicago Fire. "Nach langen Überlegungen reifte der Entschluss, mich einer neuen sportlichen Herausforderung zu stellen. Trotz attraktiver Angebote aus Europa und der Bundesliga, habe ich mich für den Sprung über den großen Teich entschieden", so Friedrich zu seinem Wechsel.

Eine neue sportliche Herausforderung? Der Innenverteidiger sieht das Niveau der MLS "nicht so schlecht, wie viele denken. Ich habe mich mit Frank Rost ausgetauscht, der ja in New York ist. Die Spieler können dort alle marschieren."

So läuft's: Für die Franchise richtig gut. Fire spielt die zweitbeste Saison der Geschichte und hatte lange sogar Chancen, die Eastern Conference zu gewinnen, am Ende setzte sich aber doch Sporting Kansas City an die Spitze, Fire rutschte sogar noch auf Platz vier ab. Nichtsdestotrotz: In Chicago ist man zufrieden mit dem Abschneiden in der Regular Season 2012.

Und mit Arne Friedrich: "Er ist der beste Verteidiger in der Liga", sagt Fire-Coach Frank Klopas. Seit dem ersten Tag ist der Deutsche Chef in der Fire-Abwehr. Er spielt auf konstant hohem Niveau und soll als Mentor bei der Entwicklung seines 24 Jahre alten Nebenmanns Austin Berry helfen.

Aufgrund seiner starken Leistungen kann sich Friedrich gute Chancen auf eine persönliche Auszeichnung nach der Saison ausrechnen. Für ihn ist das aber kein großes Thema: "So etwas bedeutet nicht viel, denn ich weiß ja, was ich kann und wie ich spiele. Letztlich muss das Team erfolgreich sein und nicht ich als Einzelner." Deswegen gibt Friedrich selbst das ambitionierte Ziel Meisterschaft aus - es wäre der zweite Titel für Chicago Fire in der Franchise-Geschichte. Dabei helfen kann dem Team auch ein Deutscher Meister von 2007: Der Ex-Stuttgarter Pavel Pardo läuft bereits seit Sommer 2011 für Fire auf.

Friedrich jedenfalls will auch nächste Saison noch in der MLS spielen: "Ich habe schon mit dem Klub gesprochen und es sieht gut aus, aber es gibt noch nichts zu verkünden. Ich liebe die Stadt, ich liebe den Verein. Ich habe einige gute Freunde hier und der Klub arbeitet sehr professionell. Alles spricht für eine Verlängerung."

Christian Tiffert (30, Seattle Sounders, seit Juli 2012)

Umstände des Wechsels: Mit 17 Vorlagen war Christian Tiffert in der Saison 2010/11 der beste Vorbereiter der Bundesliga und trug damit einen großen Anteil dazu bei, dass der 1. FC Kaiserslautern die Spielzeit auf einem überraschenden 7. Platz beendete. Nach Jahren in Salzburg und Duisburg war Tiffert wieder Leistungsträger in der Bundesliga. Im Sommer 2011 wurde er sogar zum Kapitän der Roten Teufel.

Seine Form konnte Tiffert aber in der Abstiegssaison des FCK nicht bestätigen. Zwar hatte der Kapitän seine Bereitschaft erklärt, auch nach dem Abstieg zu bleiben, allerdings fiel der 30-Jährige dem geplanten Umbruch des neuen Trainers Franco Foda zum Opfer. "Es hat sich hier so entwickelt, dass es klar ist, dass man mit mir nicht mehr weiterarbeiten möchte", sagte Tiffert über seine Situation bei den Pfälzern.

Tiffert gibt offen zu, dass ein Wechsel innerhalb der Bundesliga seine erste Option gewesen wäre: "Ich hatte viele Anfragen, auch aus der Bundesliga. Es hat sich aber leider alles zerschlagen." Also landete der 30-Jährige - im Gegensatz zu Frings und Friedrich eher unfreiwillig - in der MLS und wechselte zu den Seattle Sounders.

So läuft's: Seattles deutsch-amerikanischer Coach Sigi Schmid war vom ersten Tag an überzeugt von seinem Neuzugang: "Sein Charakter und seine Mentalität passen gut zu der Kultur, die wir hier im Klub aufgebaut haben, sowohl auf dem Platz als auch in der Kabine. Mit seine Führungsqualitäten und seiner Vielseitigkeit passt er perfekt zu uns. Wir glauben, Christian wird uns helfen, in die Playoffs einzuziehen - und vielleicht auch zu mehr."

Ersteres zumindest haben die Sounders zum vierten Mal in Folge geschafft. Und wie: Die Defensive der Rave Green war die stabilste in der Eastern Conference (33 Gegentore). In der gesamten MLS kassierte nur Sporting Kansas City weniger Treffer (27).

Und Tiffert hat seinen Anteil am Funktionieren des Defensivverbunds: Der Deutsche ist im Mittelfeld gesetzt und sorgt gemeinsam mit dem Kubaner Osvaldo Alonso für Stabilität in der Zentrale. Auch nach vorne konnte er bereits seine Akzente setzen. Drei Assist gehen bislang auf sein Konto. Trainer Schmid ist begeistert: "Er hat eine gute Übersicht. Er weiß, worauf es ankommt, wann er das Tempo anziehen und wann er mal auf den Ball treten muss. Er hilft uns dabei, in der gegnerischen Hälfte den Ball zu behaupten und im richtigen Moment den Pass in die Spitze zu spielen."

Jetzt soll Tiffert den Sounders in den Playoffs dazu verhelfen, den nächsten Schritt zu gehen. In den letzten drei Jahren war jeweils im Viertelfinale Schluss.

MLS: Die Tabellen der Regular Season 2012

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