Montag, 27.08.2012

Blitzlichter aus Europa

Die Putzkolonne rückt an

Nachdem in Italien wieder gekickt wird, rollt der Ball nun in allen Top-Ligen Europas. Auch zur neuen Saison liefern die SPOX-Korrespondenten aus Italien, England und Spanien wieder die "Blitzlichter aus Europa". Dieses Mal mit dabei: Putzfrauen aus dem Großraum Mailand, Bruce Springsteen und spanische Pyjama-Träger.

In Mailand könnten solche Bilder bald wieder zum Alltag gehören
© Getty
In Mailand könnten solche Bilder bald wieder zum Alltag gehören

Serie A

von Oliver Birkner

Spiel des Spieltages: "31. August - wir warten voller Hoffnung!" Mit diesem Plakat verdeutlichten die Tifosi des AC Milan, dass bis zum Ende der Transferperiode noch einiges zu erledigen ist. Damit lagen sie verdammt richtig wie der sterile Auftritt beim 0:1 gegen Sampdoria bewies. Man verlor den ersten Saisonauftakt seit 26 Jahren ohne selbst zu treffen. Natürlich sind die zwölf Abgänge schwer zu kompensieren, doch ein wenig mehr Persönlichkeit hätte man anstelle des latenten Identitätsvakuums schon erwarten dürfen. Die Krone setzte sich Robinho auf, der sich mit verzerrtem Gesicht an den Oberschenkel griff, dem Trainer aber versicherte, alles sei in Ordnung. Max Allegri brachte daraufhin Pazzini für El Shaarawy, wenige Minuten später signalisierte Robinho: Ich muss doch raus. "Eine fantastische Aktion - damit habe ich eine Auswechslung vergeudet", wetterte Allegri. Es passte irgendwie ins Bild, dass der AC inflationär das Produkt eines neuen Sponsoren bewarb - es handelt sich dabei um ein Mittel gegen Gastritis. Vielleicht hilft ja der Scoop von TV-Kommentator Carlo Pellegatti: "Wir haben erfahren, dass die Putzfrau gerade mit Hochdruck Kakas Mailänder Wohnung sauber macht." Bis zum 31. kann sie sich noch Zeit lassen.

Mann des Spieltages: Von wegen Technologie. Die braucht ja kein Mensch, wenn man Maurizio Ciampi hat, den pfiffigen Steuerberater aus Rom. Das alte Falkenauge sah in seiner Funktion als Torrichter richtig, als er einen Freistoß von Andrea Pirlo wenige Zentimeter hinter der Linie einschätzte und dem Referee den Torentscheid suggerierte. Etliche Kamera-Einstellungen benötigten hinterher Stunden um festzustellen, dass Parma-Keeper Antonio Mirante die Kugel tatsächlich erst hinter der Linie pariert hatte. Ein Kompliment an die so oft zerfleischte Schiedsrichter-Garde Italiens. Gleich bei der Premiere verhinderte der in der Serie A neu eingeführte Torrichter, der jedwede Entscheidungsbefugnis besitzt, einen Phantomtreffer. Das nutzt jedoch alles wenig, wenn andere aus dem mittlerweile sechsköpfigen Unparteiischen-Rudel nicht so recht mitspielen wollen. In der ersten Hälfte derselben Partie zwischen Juventus und Parma übersah der Fahnenschwenker an der Seitenlinie eine deutliche Abseitsstellung, die dann zu einem Elfmeter führte. Nun ja, man soll ja nicht gleich allzu viel verlangen.

Und sonst? Nur noch 19. Mit seinem Assist machte sich Inters Antonio Cassano an die Arbeit, sich am Saisonende einen hübschen Bonus einzustreichen. Denn der Angreifer erhält 200.000 Euro, wenn ihm 20 Scorerpunkte gelingen. Nach dem Grummeln bei Milan scheint es ihm nun bei Inter prächtig zu gehen. "Ist ja auch super einfach, mit Kalibern wie Sneijder und Milito zu kicken", sagte Cassano und verriet dann, wie er die Stunden im neuen Klub am liebsten verbringt: "Wenn ich Langeweile habe oder die Zeit totschlagen will, gehe ich zu Nagatomo aufs Zimmer und massakriere ihn." Was er damit exakt meint, lassen wir mal getrost hinter der verschlossenen Tür der Bari-Japan-Connection.

 

Premier League

von Raphael Honigstein

Premier League, 8. Spieltag

Spiel des Spieltags: Liverpool gegen ManCity (2:2). Im Anfield-Stadion erwischte der Meister mit seiner merkwürdigen 3-5-2-Formation einen schwachen Tag, rettete aber dank Martin Skrtels Blackout (Rückpass auf Tevez) einen Punkt. Roberto Mancini, so hatte man den Eindruck, war ebenso wenig bei der Sache wie der irrlichternde Stürmer Mario Balotelli: Seit Wochen beschwert sich der Trainer, dass ihm die Scheichs keine neuen Stars spendieren. "Wir müssen Spieler dazu bekommen, wir haben noch fünf Tage Zeit", sagte er, und fügte hinzu, dass die Aktivitäten auf dem Transfermarkt den weiteren Verlauf der Saison bestimmen würden. Warum City nun ausgerechnet Swanseas Scott Sinclair verpflichten will, nachdem man gerade den mindestens gleich guten Adam Johnson wegen mangelnder Einsatzzeiten an Sunderland verkauft hat, bleibt allerdings schleierhaft. Die Reds konnten mit dem Punktgewinn letztlich zufrieden sein; sowohl Neuling Joe Allen als auch Youngster Raheem Sterling hatten ihre Sache sehr gut gemacht. Und mit Nuri Sahin, der das Match von der Tribüne und mit offizieller Klub-Krawatte verfolgte, steht ab sofort ja noch ein weiterer guter Kicker für Brendan Rodgers' Neuaufbau zur Verfügung.

Mann des Spieltags: Wayne "Ewald" Rooney, leider. Der 26-Jährige erlitt beim 3:2-Sieg gegen Fulham einen schweren Cut am linken Oberschenkel - Hugo Rodallega hatte ihn unglücklich erwischt - und fällt geschätzte acht Wochen aus. Der Muskel war laut "Daily Mail" auch eingerissen, mehrere Stiche waren nötig, um ihn wieder halbwegs zusammen zu flicken. Die Blessur kommt, das macht es noch schlimmer, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Alex Ferguson hatte Rooney nach dessen schwacher Vorstellung beim 0:1 in Everton demonstrativ draußen gelassen, der Stürmer sei mehrere Kilo zu schwer aus dem Urlaub zurückgekommen, wird im Trainingszentrum Carrington getuschelt. Und so lange Robin van Persie (sensationelles Halbvolley-Tor) und Shinji Kagawa (Abstauber, "Ich verstehe leider kein Wort von dem, was der Trainer sagt") weiter so brillieren, wird der Weg zurück ins Team für den armen Roo sehr beschwerlich.

Und sonst? In Sunderland wurde das Match gegen Reading 80 Minuten vor Anpfiff wegen Unbespielbarkeit des Platzes nach starken Regenfällen abgesagt - das kriegen im August auch nur die Briten hin. Schuld war aber nicht nur das miese Wetter im Nordosten der Insel, sondern vor allem Bruce Springsteen. Der "Boss" hatte zusammen mit den Red Hot Chili Peppers im Sommer ein Konzert im Stadium of Light gegeben, danach war der Rasen neu verlegt worden - in der wasserdichten Variante, wie es scheint. "Wir können uns das nicht erklären", sagte Sunderland-Coach Martin O'Neill am Samstag.

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Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Spiel des Spieltags: Malaga gegen Mallorca (1:1). So richtig einordnen kann man Malaga in dieser Spielzeit noch nicht, nachdem der eine oder andere Leistungsträger (Cazorla, Mathijsen) den Klub verlassen und der Scheich den Geldhahn zugedreht hat. Bislang sah das aber ganz gut aus, was die Andalusier zeigten. Zum Saisonstart gab's ebenso einen Sieg wie im CL-Playoff-Spiel gegen Panathinaikos. Und ganz nebenbei hat man seit dem ersten Spieltag mit dem erst 16-jährigen Fabrice Olinga den jüngsten Liga-Torschützen aller Zeiten in seinen Reihen. Der junge Kameruner fehlte gegen Mallorca allerdings. Und dennoch war die Partie wieder ein Hingucker. Nicht wegen der Ereignisse auf dem Platz (Malaga musste sich trotz klarer Überlegenheit mit einem 1:1 begnügen), sondern aufgrund einiger Fans. Die waren nämlich aus Protest gegen die neue, späte Anstoßzeit (23 Uhr) im Pyjama erschienen. Langweilig wird es in Malaga also wohl auch ohne das Scheich-Geld nicht.

Mann des Spieltags: Imanol Aggiretxe. Der 25-Jährige weiß einfach, wie man in eine Saison startet. Gegen Celta Vigo stand der Angreifer von Real Sociedad erstmals in dieser Spielzeit auf dem Platz, machte gleich zwei Treffer und war damit beim 2:1-Sieg der Matchwinner. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Denn: Schon in der letzten Saison traf Aggiretxe in seinem ersten Saisonspiel doppelt. Damals in Gijon. Auch damals gewann Real mit 2:1. Auch Barcas Gerard Pique fühlte sich daran erinnerte und gratulierte dem Doppelpack via Twitter. Besonders angetan hatte es dem Barca-Star allerdings die Vorarbeit von Antoine Griezmann, der das 2:1 mit "hakenschlagend wie Messi" vorbereitete.

Und sonst? Die Posse um Ahtletic Bilbao, Javi Martinez und dessen Wunsch, zum FC Bayern zu gehen, nervt ja schon ziemlich. Noch nerviger war allerdings das Theater um den Wechsel von Luka Modric von den Tottenham Hotspur zu Real Madrid. Seit Monaten ist der Kroate der erklärte Wunschspieler von Jose Mourinho, schon vor Wochen schien der Transfer eingetütet, doch Tag für Tag versuchten die Spurs noch ein paar Pfund mehr rauszuschlagen. Nun ist der Deckel allerdings endgültig drauf. 42 Millionen Euro überweisen die Königlichen nach London. "Wir freuen uns, Luka willkommen zu heißen", sagte Präsident Florentino Perez. Modric ist nun also endlich da, die Frage ist nur, wo er spielen soll. Am wohlsten fühlt sich der 26-Jährige auf Zehnerposition, wo bislang Mesut Özil gesetzt war.

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