Fussball

Benayoun: Der ungeliebte Capitano

SID
Yossi Benaoyun ist in der israelischen Nationalmannschaft umstritten
© Getty

Yossi Benayoun ist das Herz der israelischen Nationalmannschaft, mit Abstand der beste Spieler und der Kapitän des Teams. Folglich ruft es Staunen und Kopfschütteln hervor, dass in Israel ernsthaft debattiert wird, ob Benayoun überhaupt in die Nationalmannschaft gehört. Am Donnerstagabend (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) trifft er auf die deutsche Nationalmannschaft.

"Das ist überraschend, nicht wahr?", fragt Benayoun und kann sich selbst ein Grinsen nicht verkneifen: "Aber in Israel darf man von gar nichts überrascht sein. Da mangelt es oft schlicht und ergreifend am nötigen Respekt." In der Mannschaft selbst, die der Profi vom FC Arsenal auch im Spiel gegen Deutschland als Kapitän anführt, ist Benayoun unumstritten.

Warum nicht in seiner Heimat? "Das liegt offenbar am Alter. Ich bin 32 und für manche Menschen in Israel ist 32 wie 42", erklärt Benayoun und meint das sogar ernst.

Dass er in der Premier League bei West Ham, Liverpool, Chelsea und Arsenal gespielt hat, zählt im Nahen Osten offenbar nicht. Die Fans fordern einen Neuaufbau der Mannschaft ohne Rücksicht auf Namen. Neben Benayoun hat im israelischen Kader nur Abwehrspieler Tal Ben Haim die 30 überschritten.

Chef auf dem Platz und in der Kabine

Dabei hätte sich Israel dank Benayoun 2006 beinahe zum zweiten Mal in seiner Geschichte für eine WM qualifiziert. Der Flügelspieler reifte in dieser Zeit zur wichtigsten Figur im israelischen Team, schoss entscheidende Tore. Am Ende verpasste die Mannschaft die WM in Deutschland nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz.

Die EM in Polen und der Ukraine verpasste Israel, weil es gegen die ärgsten Konkurrenten, Kroatien und Griechenland, jeweils zwei Niederlagen gab.

Kurz vor Beginn der EM-Qualifikation war Benayoun zum Kapitän ernannt worden. Und auch als der jetzige Trainer Eli Guttman Ende Februar sein Amt antrat, dachte er keine Sekunde daran, den schmächtigen Dribbler zu entmachten. "Yossi ist unter verschiedenen Aspekten wichtig. Auf dem Platz ist er der Kapitän und auch in der Kabine ist er der Chef", sagt Guttman: "Einen Spieler, der bei Liverpool oder Chelsea gespielt hat, haben wir sonst nicht."

Guttman verwundert die Diskussion über seinen Kapitän ebenfalls. "Mir gefällt das nicht. Ich erwarte Respekt und Anstand. Sein Wort an junge Spieler hat Gewicht. Da kann man nicht davon reden, dass er schon zu alt sei", sagt der Trainer, den sie in Israel aufgrund seiner akribischen Arbeit nur den "Deutschen" nennen. Benayoun selbst sieht die Situation mittlerweile gelassen, viel kann er eh nicht ausrichten. "Was in den Zeitungen steht, zählt für mich nicht. Bei mir zählt nur die Meinung des Trainers."

Yossi Benayoun im Steckbrief

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