Fussball

Ruud van Nistelrooy: Abschied auf leisen Sohlen

Von Frederik Büll
Ruud van Nistelrooy (hier gegen Reals Marcelo) verlässt die Fußballbühne nach 19 Jahren
© Getty

Zum Abschied gab es 15 Minuten Einsatzzeit für den FC Malaga: Ruud van Nistelrooy hat am Montag nach 19 aktiven Fußballerjahren sein Karriereende verkündet. Es ist der leise Abschied eines Weltklassestürmers.

In seinem letzten Spiel am 38. Spieltag der Primera Division durfte er noch einmal rund 15 Minuten mitwirken: "Van the Man" wurde in der 75. Spielminute des FC Malaga gegen Sporting Gijon für den 1:0-Siegtorschützen José Rondon eingewechselt.

Ein Abschied auf leisen Sohlen, denn der ehemalige Weltklasse-Torjäger kam bei seinem letzten Arbeitgeber nur noch in Kurzarbeit zum Einsatz. In seinen 28 Liga-Spielen, bei denen er meist eingewechselt wurde, erzielte der Holländer vier Tore. Dazu einen Treffer in der Copa del Rey. Für einen Stürmer seines Formats ist das viel zu wenig. Der Zahn der Zeit macht eben auch nicht vor professionellen Fußballspielern halt.

"Das war mein letztes Spiel als professioneller Fußballer", sagte van Nistelrooy einen Tag nach dem Saisonende der "La Liga" und ließ sogleich eine Erklärung für seinen Abschied folgen: "Ich bin an meinem körperlichen Limit angekommen." Die Karriere von Ruud van Nistelrooy war nicht nur von Titeln und Toren geprägt, sondern leider auch immer wieder von Verletzungen. Meist bereiteten ihm seine Knie Probleme.

Kein Platz im EM-Kader

Noch im Dezember vergangenen Jahres hatte sich der im holländischen Oss geborene Angreifer Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft im Hinblick auf die anstehende Europameisterschaft gemacht. Im März 2011 hatte der Stürmer im EM-Qualifikationsspiel gegen Ungarn beim 5:3-Sieg der Elftal seinen letzten Einsatz und erzielte seinen letzten Treffer im orangenen Trikot.

Doch die Ernüchterung folgte im April 2012, als Bondscoach Bert van Marwijk das Gespräch mit ihm suchte: "Ich habe ihn angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht Teil des Kaders sein wird". Eine Entscheidung, die der Welttorjäger von 2002 akzeptierte. "Er hat sich sehr anständig verhalten", sagte van Nistelrooy über den Nationaltrainer.

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Auch im Vereinsfußball wollte es nicht mehr so recht laufen für den Holländer.

Erst vor dieser Saison war Ruud van Nistelrooy zum FC Malaga gewechselt. Kurz bevor der Wechsel perfekt gemacht wurde sagte er im Mai 2011: "Ich habe tolle Jahre bei Real Madrid verbracht, liebe das Land und es wäre toll, wenn ich dort mal wieder Fußball spielen könnte."

In der Winterpause zuvor war er als Ersatz für den verletzten Gonzalo Higuain bei seinem Ex-Klub Real Madrid im Gespräch, doch sein damaliger Arbeitgeber, der Hamburger SV, stellte sich quer und ließ den Holländer nicht ziehen. In insgesamt 44 Spielen für die Rothosen traf der Angreifer 17 Mal ins gegnerische Netz. Doch schon bei dieser Station deutete sich an, dass van Nistelrooys Torriecher ebenfalls in die Jahre gekommen war.

Dabei muss man dem ehemaligen holländischen Nationalspieler zu Gute halten, dass ihm die Spielweise der Hamburger überhaupt nicht lag. An der Elbe sollte er sich die Bälle im Mittelfeld abholen und das Spiel mitgestalten. Doch van Nistelrooy war immer ein Strafraumstürmer, der auf Flanken angewiesen war und in der Box eiskalt vollstreckte. Es schien, als ob im modernen Fußball, bei dem der Stürmer gleichzeitig der erste Verteidiger ist, kein Platz mehr für den lauernden Strafraumstürmer ist.

Ruud van Nistelrooy - der Titelsammler

Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij, so sein bürgerlicher Name, kann auf eine beeindruckende Karriere mit vielen Titeln und Pokalsiegen zurückblicken. Mit dem PSV Eindhoven wurde er zweimal in Folge holländischer Meister (1999/2000 und 2000/2001).

In seiner Zeit bei Manchester United holte er 2003 die englische Meisterschaft. Auch im Trikot von Real Madrid konnte van Nistelrooy in den Spielzeiten 2006/2007 und 07/08 zwei Titel feiern. Ein internationaler Titel, sowohl auf Vereinsebene, als auch in der Nationalelf blieb ihm jedoch verwehrt. Obwohl der Torjäger Massen an Treffern beisteuerte.

Insgesamt wurde der Knipser bei seinen Stationen sieben Mal Torschützenkönig, darunter drei Mal in der Champions League. In 457 Spielen traf er 269 Mal ins gegnerische Gehäuse. Er liebte das Geräusch, wenn der Ball im Netz zappelte. Als "Tschouuuu" umschrieb van Nistelrooy es einst. Am 9. April machte es im Ligaspiel bei seinem Treffer beim 3:0-Sieg gegen Santander ein letztes Mal "Tschouuuu" für den Angreifer.

Erneuter Wechsel ausgeschlossen - Zeit für die Familie

In seinen letzten 15 Karriere-Minuten war ihm kein Tor mehr vergönnt. Dennoch erreichte der FC Malaga durch den 1:0-Erfolg den vierten Tabellenplatz, der zur Qualifikationsrunde zur Champions League berechtigt. Diese wird ohne den Torjäger stattfinden. "Es gibt für mich keinen schöneren Moment, als in dieser Euphorie in Málaga aufzuhören", meinte van Nistelrooy, der nun mehr Zeit mit seiner Familie und seinen Freunden verbringen möchte. Mit seiner Frau Leontien Slaats hat der Holländer eine fünfjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn.

Sein nach dieser Spielzeit auslaufender Vertrag beinhaltete die Option auf ein Jahr Verlängerung, doch "Ruuuuuuuuuud", wie ihn die Fans oft riefen, hört lieber ganz mit dem Fußball auf.

Die Karriere in einer petrodollarstarken Region ausklingen zu lassen, wie es sein ehemaliger Real-Sturmkollege Raul nun in Katar macht, kommt für "Van the Man" nicht in Frage: "Es gab zwar Möglichkeiten, aber ich wollte mich in einer wichtigen Liga verabschieden." Ein Abschied auf leisen Sohlen ist eben immer noch besser, als ein Abschied durch die Hintertür.

Ruud van Nistelrooy im Steckbrief

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