Adrianos Karriere in der Sackgasse

Der Sturz des Imperators

SID
Mittwoch, 14.03.2012 | 14:59 Uhr
Adriano bestritt von 2001 bis 2009 123 Spiele für Inter Mailand und ist jetzt arbeitslos
© Getty
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In Brasilien nennen sie ihn ehrfurchtsvoll den Imperator, den Kaiser: Adriano, ehemaliger brasilianischer Nationalspieler bis zum Wochenanfang in Diensten von Corinthians Sao Paulo.

Von kaiserlichem Glanz ist wenig geblieben. Nach einer schweren Verletzung musste der Mittelstürmer monatelang pausieren, absolvierte seit seiner Rückkehr im Oktober ein Spiel über 90 Minuten und hat mehr mit seinem Gewicht als mit gegnerischen Verteidigern zu kämpfen.

Seit Montag ist er arbeitslos, sein Vertrag wurde von Präsident Mario Gobbi aufgelöst. Die Zukunft des ehemaligen Torjägers der Nationalmannschaft ist ungewisser als je zuvor.

"Ich habe es nicht nötig, mich wiegen zu lassen"

Am vergangenen Freitag hatte er es sich endgültig auch mit dem Trainerstab verdorben. "Ich bin Adriano und habe es nicht nötig, mich wiegen zu lassen", soll er gesagt haben.

Cheftrainer Tite reagierte sofort und legte den bulligen Stürmer für zwei Spiele auf Eis.

"Sein Engagement passt einfach nicht, ich erwarte nach einer so langen Rehabilitation einfach mehr von ihm", forderte der Trainer, um gleich hinzuzufügen, dass er ab sofort keine Fragen mehr zu seinem Sorgenkind beantworten werde.

Depressionen und Selbstmordgedanken

Adriano - die Geschichte eines Weltstars, der das Opfer seines Lebensstils wurde. 2005 noch als einer der weltbesten Stürmer gefeiert, geriet Adriano nach der WM 2006 beim AC Parma in Italien immer mehr ins Abseits.

Introvertiert und weit weg von seinen engsten Freunden aus den Favelas Rio de Janeiros geriet der Torjäger in eine persönliche Krise, er sprach von Depressionen und Selbstmordgedanken. Nach einem erfolgreichen Comeback 2008 beim FC Sao Paulo kehrte er ein Jahr später in seine Heimatstadt zurück und wurde mit Flamengo Rio brasilianischer Meister.

Für die WM 2010 galt er als gesetzt, doch sein undiszipliniertes Verhalten ließ Nationalcoach Dunga in letzter Minute umdenken. Adriano blieb zu Hause.

Auch die Rückkehr nach Italien zum AS Rom wurde zum Fiasko: Fünf Einsätze und kein Tor. Zu Beginn des Jahres 2011 holte ihn schließlich sein ehemaliger Mannschaftskollege Ronaldo zu Corinthians Sao Paulo. Der Neustart wurde nach wenigen Wochen unterbrochen, als sich Adriano an der Achillessehne verletzte.

Gewichtsreduzierung als Schlüsselfrage

Ein schwerer Schlag auch für Mano Menezes, dem Trainer der Nationalmannschaft, der dringend nach einem Mittelstürmer gesucht hatte. Bei der geplanten Rückkehr auf das Spielfeld wurde die Gewichtsreduzierung des Stürmers zur Schlüsselfrage. Sein ehemaliges Kampfgewicht von 98 Kilogramm erreichte Adriano nicht mehr.

Schwänzen von physiotherapeutischen Einheiten, falsche Ernährung, übermäßiger Alkoholgenuss, Eskapaden außerhalb des Spielfeldes machten das Maß voll. "Der größte Gegner Adrianos ist er selbst", schrieben die Medien. Er sei kein Profi.

Über die Zukunft Adrianos, dessen Vertrag in Sao Paulo im Juni ausgelaufen wäre, wird nun spekuliert. Kandidat Nummer eins als neuer Arbeitgeber ist Flamengo Rio de Janeiro, jener Verein, wo seine große Karriere einst begann.

Adriano im Steckbrief

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