Nahziel ist die Europa League

Suleiman Kerimow will mit Anschi hoch hinaus

SID
Dienstag, 28.02.2012 | 16:28 Uhr
Samuel Eto'o ist nur einer der namhaften Protagonisten, die Anschi Machatschkala zuletzt geholt hat
© Getty
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Die Ziele für die laufende Saison sind bescheiden geworden. "Meine Aufgabe wird sein, Anschi für den Kampf um die Qualifikation für die Plätze in der Europa League zu rüsten", sagte Anschi Machatschkalas neuer Trainer Guus Hiddink vor Beginn der Frühjahrsrunde der Meisterschaft.

Am 3. März soll die Aufholjagd in den Playoffs der russischen Premjer Liga beginnen. Das Gastspiel bei Dynamo Moskau steht an. Drei Punkte beträgt der Abstand auf Platz fünf, der zur Qualifikation berechtigt. Zwölf Saisonspiele hat Anschi noch, den Rückstand aufzuholen.

Doch langfristig hat Klubmäzen Suleiman Kerimow ganz andere Ziele. "Ich möchte Herrn Kerimow meinen Dank aussprechen. Ich bin sicher, dass wir mit seiner Hilfe einen Topklub formen können", sagte der dagestanische Präsident Magomedsalam Magomedow Anfang 2011, als Kerimow Anschi übernahm.

In den nächsten Jahren soll Machatschkala russischer Meister werden, so bald wie möglich in der Champions League spielen. Schon jetzt ist der Klub ein schillernder Exot unter Europas Größen: Wegen der unsicheren Verhältnisse in der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan lebt und trainiert das Team im 1600 Kilometer entfernten Moskau und fliegt nur zu Heimspielen in den Kaukasus, in die Stadt der Ölraffinerien am Kaspischen Meer.

Weltstars wie Roberto Carlos und Eto'o verpflichtet

Der Klub wurde dem Investor ohne Kaufpreis überlassen. Allerdings verpflichtete sich Kerimow, in den Kader, ein neues Stadion und die sonstige Infrastruktur Millionensummen zu investieren. Etwa 200 Millionen Euro sind inzwischen in den Verein geflossen. Große Namen des Weltfußballs wie Roberto Carlos oder Samuel Eto'o sind 2011 nach Machatschkala gewechselt.

Geld ist für Kerimow kein Problem. Laut Forbes wurde sein Vermögen 2011 auf rund 7,8 Milliarden Dollar oder 5,87 Milliarden Euro geschätzt, es stammt aus verschiedenen Finanzgeschäften. Über die Investmentfirma Nafta Moskau hält er bedeutende Anteile an mehreren Großbanken. Nicht nur bei UBS, Morgan Stanley und Credit Suisse gehört er zu den Aktionären, schon Ende 2007 soll er drei Prozent an der Deutschen Bank gehalten haben. Zudem gilt er als Großaktionär von Polymetal, des fünftgrößten Silberproduzenten der Welt.

Das Geschäftsgebaren des studierten Wirtschaftswissenschaftlers ist eher undurchsichtig, das unterscheidet ihn nicht von anderen russischen Oligarchen. Dazu sucht Kerimow, 46, auffällig oft die Nähe schöner Frauen. 2006 war die russische TV-Moderatorin Tina Kondelaki seine Beifahrerin, als er in einem Ferrari in Nizza schwere Unfall-Verletzungen erlitt. Auch seinen Reichtum stellt er als Besitzer dreier Privatflugzeuge und zweier Yachten gerne zur Schau.

Geht es Kerimow eigentlich im politische Macht?

Weniger als seine privaten Eskapaden halten ihm Kritiker politische Ambitionen vor. Beobachter mutmaßen, Kerimow gehe es mit seinem Engagement bei Anschi um politische Macht. Manche behaupten gar, er strebe die Nachfolge Magomedows als dagestanischer Präsident an.

Fakt ist, dass sich der Mulitmilliardär auch in der Vergangenheit schon politisch engagiert hat. Kerimow nahm vor Jahren ein Mandat für die Ultranationalisten LDPR unter Waldimir Schirinowski wahr, später bekannte er sich zur Kremlpartei Einiges Russland. Zunächst gehörte er dem Unterhaus an, dann wechselte er ins Oberhaus.

Doch bis zum ersten Champions-League-Spiel des Klubs aus seiner Heimat Dagestan muss sich Kerimow wohl noch gedulden. "Beim dem großen Rückstand können wir wohl kaum ins Rennen um die Champions League eingreifen", prognostiziert Hiddink im Hinblick aufs Frühjahr.

Die Saison der Premjer-Liga im Überblick

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