Mittwoch, 01.02.2012

Tragödie bei einem Fußballspiel in Ägypten

Blatter: "Ein schwarzer Tag für den Fußball"

Dramatische Jagdszenen, überforderte Sicherheitskräfte und Tausende Menschen in Panik: Bei Krawallen nach einem Fußballspiel in Nordägypten sind am Mittwoch mindestens 74 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Auch einige Sicherheitsbeamte starben.

Bei einem Spiel in Ägypten sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen
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Bei einem Spiel in Ägypten sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen

Es ist die schlimmste Fußball-Tragödie seit dem 16. Oktober 1996, als bei einem WM-Qualifikationsspiel zwischen Guatemala und Costa Rica in Guatemala City bei Krawalle 78 Menschen ums Leben kamen. "Das ist ein schwarzer Tag für den Fußball", sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Er sei schockiert und traurig.

Der Abpfiff kurz vor 17 Uhr war gerade ertönt, als im Stadion von Port Said eine Massenpanik ausbrach. Fans des heimischen Teams Al-Masri stürmten nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer und Erzrivalen der ägyptischen Premier League Al-Ahli den Platz.

Sie warfen Steine und Flaschen in Richtung der Gäste-Fans und beschossen diese mit Feuerwerkskörpern. Spieler rannten um ihr Leben. Wüste Schlägereiszenen spielten sich auf dem Feld ab.

"Das ist Krieg"

"Das ist Krieg, der geplant war", wurde der Mannschaftsarzt von Al-Ahli auf der Internetseite "Egypt Independent" zitiert. Auch einige Spieler seien verletzt worden, obwohl sie von Polizisten geschützt und die Mannschaften schnell in die Kabinen in Sicherheit gebracht wurden.

"Das war eine Terror-Atmosphäre", sagte Sayed Hamdi, ein Spieler von Al-Ahly. Aufnahmen des ägyptischen Staatsfernsehens zeigen den Sturm der Al-Masri-Fans in Richtung Gästeblock, während die Einsatzkräfte dem Gewaltausbruch scheinbar hilflos gegenüberzustehen.

"Die Menschen sterben hier, und niemand tut etwas. Es ist wie im Krieg", sagte Mohammed Abi Trika und fügte hinzu: "Ist ein Leben so wenig wert?"

Stadion in Flammen

Die unfassbare Tragödie spielte sich 220 Kilometer nordöstlich von Kairo ab. Minütlich stiegen am Abend die gemeldeten Opferzahlen. Zeugen zufolge wurden zahlreiche Opfer erstochen, während andere auf der Flucht in einem schmalen Korridor erstickten.

Dorthin hätten sie sich vor rivalisierenden Fans geflüchtet, die mit Messern, Knüppeln und Steinen bewaffnet waren, hieß es. Im Inneren des langen Korridors seien sie stecken geblieben und erstickt, berichtete Ahmed Ghaffar, einer der Fans des Kairoer Fußballvereins Al-Ahly.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ausschreitungen wurde auch das Spiel zwischen Al-Ismailiya und Zamalek in Kairo abgebrochen. Daraufhin legten wütende Fans Brände im Stadion.

Militär und Polizei zurückhaltend

Ein Mitglied der islamistischen Muslimbruderschaft machte währenddessen die Sicherheitskräfte für die Gewalt in Port Said verantwortlich. Polizei und Streitkräfte hätten nicht eingegriffen, um Kritiker des Ausnahmezustands ruhigzustellen, sagte Essam el Erian.

Die Notstandsgesetze räumen den Sicherheitskräften weitreichende Befugnisse ein, sollen jedoch bald aufgehoben werden. "Diese Tragödie ist das Ergebnis der absichtlichen Zurückhaltung von Militär und Polizei", sagte El Erian.

Wegen der dramatischen Ausschreitungen in Port Said sind mittlerweile bis auf weiteres alle Fußballspiele in Ägypten abgesagt. Der Staatsanwalt ordnete an, mit den Ermittlungen sofort zu beginnen. Zudem wird sich das Parlament am Donnerstag auf einer Sondersitzung mit den Krawallen befassen.

Al-Ahly-Spieler: Nie mehr Fußball

Derweil erklärten die Spieler von Al Ahly, sich künftig aus dem Profisport zurückziehen zu wollen. "Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie mehr wieder Fußball spielen werden", sagte Torwart Scharif Ikrami dem privaten Fernsehsender "ONTV".

Tote und Verwundete seien am Mittwochabend in die Umkleidekabine getragen worden. "Da sind Leute vor unseren Augen gestorben", sagte Ikrami, der selbst bei den Krawallen verletzt wurde. Wie könne es möglich sein, da wieder Fußball zu spielen. "Wir können überhaupt nicht daran denken."


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