Blitzlichter aus Europa

Doggy-Style in Manchester

Von SPOX
Montag, 12.12.2011 | 13:30 Uhr
Wie viele Hunde-Welpen dürfen es sein? Anderson nimmt David Silvas Bestellung auf
© Imago
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Manchester Uniteds Anderson ist mehr auf den Hund gekommen, als ihm lieb ist. Italien schwört dagegen auf ein orakelndes Kater-Frühstück und bei Real muss Cristiano Ronaldo für die Clasico-Pleite herhalten. Unsere Korrespondenten vor Ort berichten.

Serie A

von Oliver Birkner

Wir sind alle (un-)fehlbar: Man muss Schiedsrichtern Fehler zugestehen. Enormes Tempo und Spieler, die bei geringstem Lufthauch wie vom LKW getroffen niedersinken, machen es den Referees häufig nicht einfach. Was man Schiedsrichtern allerdings zu Recht vorwirft, ist die oft unerhört arrogante Aura der Unantastbarkeit. Demnach war Gianluca Rocchis eigentlich normale Geste am Sonntagnachmittag etwas Besonderes: Nach der Partie zwischen Bologna und Milan ging der Unparteiische zu Bologna-Trainer Stefano Pioli und sagte: "Wenn ich heute Fehlentscheidungen getroffen habe, bitte ich euch um Entschuldigung." Er hatte ein glasklares Handspiel im eigenen Strafraum von Clarence Seedorf übersehen, zudem zwei andere Strafstöße für den AC, Zlatan Ibrahimovic hingegen einen unberechtigten Elfmeter zugestanden. Seine Entschuldigung verfehlte jedoch nicht die Wirkung. Statt wie üblich in Armageddon-Diskussionen zu verfallen, sagte Milan-Coach Massimiliano Allegri erfrischend: "Die Szene mit Seedorf war ein klarer Elfmeter, die mit Ibra nicht - da lässt er sich fallen. Dafür hätten wir einen anderen Strafstoß erhalten müssen. Aber Fehler gibt es eben." Pioli ergänzte: "Rocchi hat einen schlechten Tag erwischt, wie es auch Trainern und Spielern passieren kann." Nur Seedorf besaß eine ganz eigene Sicht der Dinge: "Ich stand vor dem Ball, der einen gehörigen Drall hatte - deshalb sieht es im TV wie Hand aus, es war jedoch meine Schulter." Zweifelsohne eine Schulterdimension, die einen sofortigen Eintrag im Guinness-Buch verdient.

Katzen-Orakel: Hatte Paul während der letzten WM Berühmtheit erlangt, heißt sein legitimer Erbe in Italien "Fastidious Cat". Der weiße Kater Ciccio delektiert sich seit Wochen darin, das korrekte Ergebnis von Udinese anhand der Näpfe 1, X oder 2 vorherzufressen. Am Wochenende wählte er vor dem 2:1 der Norditaliener zum vierten Mal in Serie die korrekte Futterschale. Wer übrigens gerade nichts Besseres zu erledigen hat, darf dem Livestream von Ciccio frönen. Als "very fastidious" erweist sich in diesem Jahr auch Udine, das im gesamten 2011 aktuell zweitbeste Mannschaft Italiens ist, und mit 73 Punkten lediglich einen Zähler weniger einspielte als das erfolgreichste Team von Milan. Da machen sie es Ciccio natürlich wirklich einfach.

Was erlaube...? Und auf 2012 vorausblickend, darf man sich bereits jetzt auf das Duell von Italien bei der EM gegen Trapattonis Iren freuen. Trap wird im Vorfeld manch legendären Spruch raushauen, wie zum Beispiel nach der Auslosung: "Träume sind Träume und keine Sünden. Aber die Realität ist etwas Anderes - mit Wenn und Aber kommt man nicht weit und statt Weihwasser bedarf es eher ein paar Heiliger." So sieht's mal aus. Nebenher ist er sicher froh, dass sich Litauen nicht für die Endrunde qualifizierte - denn wie sagte er einmal: "Auch die Litauer haben mittlerweile Spieler über ganz Europa verstreut. Es ist ja nicht mehr wie früher, als sie mit Schuhen aus Rentieren gekickt haben." Hach, das waren noch Zeiten...

Premier League

von Raphael Honigstein

Ist denn schon Vollmond? Das größte Spiel des Wochenendes war gar nicht am Wochenende, aber Chelsea gegen Man City (Montagabend, Stamford Bridge) bestimmt natürlich trotzdem die Berichterstattung. Chelsea-Coach Andre Villas-Boas attackierte zur allgemeinen Verwunderung noch einmal "SKY"-Experte Gary Neville, der mit seinem "David Luiz bewegt sich wie jemand, der ein von einem Zehnjährigen auf der PlayStation gesteuert wird"-Kommentar einen Nerv getroffen zu haben scheint. Sieben geschlagene Minuten lang echauffierte sich der in einigen Boulevard-Medien spöttisch als "Teenwolf" bezeichnete Portugiese am Freitag über "lächerliche Kritiken von Leuten, die nicht einmal wissen, wo Cobham ist oder wie man hier hinkommt". Doch damit nicht genug: Die Kicker von Reservemannschaft könnten auch bald nicht mehr wissen, wo (das Trainingszentrum) Cobham ist oder wie man dort hin kommt, denn Villas-Boas untersagte ihnen, die Einrichtungen der ersten Mannschaft zu benützen. Die beste, gruppendynamischste Maßnahme aber betrifft eine neue Regel für sachgemäßen Torjubel. Nach Treffern müssen die Spieler - kein Witz - ab sofort zur Bank schauen, damit sich alle gemeinsam freuen können. "Der Trainer hat die Spieler angewiesen, ihn und seine Mitarbeiter nach Toren zu berücksichtigen", bestätigte ein Klubsprecher. "Wenn alle zusammen feiern, zeigt das, dass wir alle zusammen gehören." Alle bis auf die Reserve-Spieler, um genau zu sein.

Altenstift Shenhua: Nicolas Anelka darf leider am Montag unabhängig von blauen Torerfolgen nicht mitfeiern. Der Franzose muss privat trainieren, ist sich aber mit dem chinesischen Klub Schanghai Shenhua einig und soll im Januar wechseln. "Die Details des Vertrages sind mehr oder minder ausgearbeitet", sagte ein Shenhua-Sprecher. Die Chinesen haben laut Medienberichten auch ein Auge of Kollege Didier Drogba geworfen. Man kann sich das zwar kaum vorstellen, doch der Berater des Ivorers sprach erfrischenden Klartext. "Didier wird da hingehen, wo er das meiste Geld angeboten bekommt", sagte Thierno Seydi. "Das könnten die USA sein, Russland, Katar oder ein anderes Land in Asien. Wenn man über 30 ist, muss man zu einem Verein gehen, wo man sicher sein kann, dass man seine Rechnungen bezahlen kann." Klar: die Lebenshaltungskosten für ältere Leute nehmen ja ständig zu.

Auf den Hund gekommen: Auch Sportskamerad Anderson vom frisch gebackenen Europa-League-Teilnehmer Manchester United (4:1 gegen das orangefarbene Fallobst aus Wolverhampton) weiß mittlerweile nur zu gut, welche enormen, unerwarteten Kosten auf einen Fußballprofi zukommen können. Der derzeit am Knie verletzte Brasilianer kaufte in einem Tierladen in Salford zwei Berner Sennenhunde, vergaß dabei aber, auf ein gleichgeschlechtliches Pärchen zu bestehen. Die Folge: Doggy-Style - und acht Welpen. Der linguistisch begabte Spieler ("I no speak English very very good, mate", sagte er einst zum Vereinssender "MUTV"), versucht nun, Teamkollegen und wildfremden Menschen in Parks die Köter aufzuschwatzen, bisher aber ohne Erfolg. Thierno Seydi, bitte melden: vielleicht könnte sich die Geschichte ja mit einem Wechsel nach Fernost elegant und kostengünstig lösen lassen.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Armer Cristiano: Eigentlich konnte Cristiano Ronaldo ja froh sein, dass er bei der 1:3-Niederlage gegen Barcelona nicht getroffen hat - so hielt wenigstens die schönste seiner Serien, die besagt, dass Real noch nie verloren hat, wenn Ronaldo in der Liga für die Königlichen traf. Die Art und Weise, wie Ronaldo gegen Barcelona auftrat - eigensinnig, arrogant, fahrlässig - machte die Real-Fans aber gelinde gesagt stutzig. "Immer dasselbe gegen Barca!", musste sich der Stürmer von der Tribüne anhören. Das Spiel lässt auch die spanische Fachpresse einmal mehr an den Clutch-Time-Qualitäten des Portugiesen zweifeln. Die "AS" rechnete am Montag prompt aus, dass CR7 in den Clasicos statistisch gesehen nur alle 301 Minuten trifft (zehn Spiele, drei Tore), während ein gewisser Bundesliga-Spieler mit dem Namen Raul ja alle 196 Minuten getroffen hat (37 Spiele, 15 Tore). Rekordtorschütze gegen die Blaugrana ist natürlich Legende Alfredo di Stefano (18 Tore).

Visca Barcelona: Ein ManUtd-Fan fand es in der vergangenen Woche ganz passend, das eigene CL-Aus mit folgenden Worten zu bedenken: "Solange ManCity auch raus ist, bin ich glücklich." Vielleicht finden Real-Fans nun auch Trost beim Gedanken an den Stadtrivalen Atletico, der weiter mit Schlagseite durch die Primera Division schlingert. Halbwegs überzeugende Auftritte wechseln sich in so schöner Regelmäßigkeit mit handfesten Blamagen ab, dass Trainer Gregorio Manzano (zu deutsch: Apfelbaum) wohl bald abgesägt wird. Im anderen "Clasico", dem zwischen Atletico und Espanyol, lagen die Madrider am Sonntagabend schon nach 19 Minuten mit 0:3 hinten und verloren am Ende mit 2:4. Game, Set, Match Barcelona, könnte man sagen. Atletico hat durch die Niederlage nun schon zehn Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz und mehr Gegentore hat sich nur Liga-Schlusslicht Saragossa gefangen. Nicht die besten Argumente für Senor Apfelbaum...

Ach, ich bin ja Torjäger! Aufsteiger Real Betis war bekanntlich mit vier Siegen in die Saison gestartet. So mancher träumte schon überschwänglich von einer Rückkehr in die Champions League, doch da Fixplätze für die Königsklasse selten schon im September vergeben werden, hätte Betis nachlegen müssen - verlor aber von den folgenden zehn Spielen ganze neun (ein Remis). Auch gegen Valencia sah am Samstag alles nach einer Pleite aus, bis die Nachspielzeit beim Stand von 0:1 hereinbrach und sich Stürmer Ruben Castro doch noch daran erinnerte, wozu er eigentlich da ist: zum Toreschießen. Erst fälschte Mehmet Topal eine Juanma-Flanke mit seinem Gesicht genau auf Castros Stirn ab (90.+1), dann nahm der 30-Jährige einen rotzfrechen Außenristlupfer von Juanma schulbuchmäßig mit der Brust mit und verstaute den Ball humorlos unter der Latte (90.+4). Die Betis-Fans träumen so zumindest wieder vom Liga-Verbleib, während Valencia der eigentliche Verlierer des Spieltags ist - immerhin hätte man den Rückstand auf Real auf vier Punkte verkürzen können.

Alle Daten und Fakten zum internationalen Fußball

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