Beckham: Größer als Woods und Jordan

Von Tim Habicht
Sonntag, 20.11.2011 | 16:00 Uhr
Seine Zeit in Los Angeles ist abgelaufen: David Beckham (l.)
© Getty
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2007 für 250 Millionen US-Dollar von Real Madrid nach Los Angeles geholt, sollte David Beckham den Fußball und die Major League Soccer revolutionieren: Sportlich und vor allem in der Außendarstellung. Beckham war Botschafter und Sinnbild für den erhofften Aufschwung. War er erfolgreich? Und was gelang Becks noch auf dem Fußballplatz? Seine Zeit in Los Angeles im Rückblick.

Nach fast fünf Jahren Major League Soccer ist wohl Schluss für David Beckham. Sein Vertrag läuft aus, es ist Zeit zu gehen. Seinen letzten großen Auftritt feiert Beckham in der Nacht auf Montag. Dann steht er zum ersten Mal im Finale der MLS-Playoffs und kann in seinem letzten Spiel gegen Houston Dynamo (Mo., 3.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sportdigital) seinen einzigen Titel in den USA holen.

Doch was hat der Engländer wirklich in Übersee bewegt? Er war schließlich als Heilsbringer, Botschafter und Zeichen für einen Aufschwung der amerikanischen Fußballliga verpflichtet worden. Konnte Becks die Erwartungen erfüllen? Sportlich wie auch neben dem Platz als Zuschauermagnet und Messiahs in einer Person. Die Erwartungen waren riesig.

Mehr Strahlkraft als Tiger Woods oder Michael Jordan

Die 1993 gegründete Major League Soccer hat es schwer in den Vereinigten Staaten. Baseball, Football oder Basketball sind weitaus populärer als das Spiel mit dem runden Lederball. Im Jahr 2007 wollte man dies ändern und die Popularität des Fußballs in den USA schlagartig steigern: Man verpflichtete David Beckham von Real Madrid. Kostenpunkt: 250 Millionen Euro für fünf Jahre. Eine unglaubliche Summe, die die Fußballwelt tatsächich kurz aufhorchen ließ.

Der ehemalige englische Nationalspieler sollte der trägen Liga nicht nur fußballerisch weiterhelfen. Größeres Augenmerk lag auf der Rolle Beckhams als Vermittler. "Unser Land hatte noch nie einen Sportler, der eine solch große internationale Strahlkraft verbreitet. Bei allem Respekt vor Tiger Woods oder auch Michael Jordan, Beckham ist eine andere Kategorie", sagte Alexi Lalas, ehemaliger Präsident von Galaxy.

2004 wurde Beckham im Nachrichtenmagazin "Time" zu den 100 weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten gezählt. Wer konnte der MLS auf die Sprünge helfen, wenn nicht David Beckham?

"Ich will den Unterschied ausmachen"

Zu Beginn lief es aber alles andere als rund für den Popstar unter den Fußballern - zumindest sportlich gesehen. Zuerst plagte er sich mit Knöchelbeschwerden herum, dann erlitt er eine schwere Innenbandblessur.

Zehn Spiele verpasste er zum Saisonstart und in den Stadien wurden schon Poster mit der Aufschrift "Bench it like Beckham" hochgehalten. Los Angeles Galaxy hatte in den ersten Wochen nicht viel Freude am Spieler Beckham.

Als Vermarkter hatte Beckham mehr Erfolg: Los Angeles Galaxy verkaufte über 1000 neue Dauerkarten bei Bekanntgabe der Beckham-Verpflichtung und Tausende Trikots. Das war erst der Anfang. Und die Erwartungen an ihn waren äußerst hoch: "Er wird garantiert eine Zuschauerbasis, ein Zielpublikum und eine neue Intensität in unseren Sport bringen, wie wir es noch niemals hatten", so Tim Leiweke, Chef der Anschutz Entertainment Group, dem Betreiber von LA Galaxy.

Beckham selbst hatte ebenfalls gehobene Ansprüche: "Ich will den Unterschied ausmachen." Beckham weiter: "Mein Wechsel könnte etwas entstehen lassen, dass wir alle zuvor hier noch nicht gesehen haben."

"Ohne Beckham wäre die MLS nicht das, was sie jetzt ist"

Konnte Becks wirklich den Unterschied ausmachen und Fußball in den Staaten auf ein neues Level heben? Ja, konnte er. Seitdem Beckham in der MLS spielt sind sechs neue Klubs der Liga beigetreten, acht neue Stadien wurden erbaut, ein 10-Millionen-Dollar-Deal mit Fernsehsender "NBC" und ein 200 Millionen schwerer Vertrag mit "adidas" geschlossen.

Außerdem folgten dem Engländer weitere Superstars wie Thierry Henry (2010), Rafael Marquez (2010) und Robbie Keane (2011). Die Qualität der Liga hat sich verbessert. Die Matches sind attraktiver geworden, das zeigt sich auch an den Zuschauerzahlen.

Es gehen mehr Besucher (derzeitiger Zuschauerschnitt der MLS: rund 18.000) in die modernen Stadien. Zum Vergleich: Die französische Ligue 1 liegt mit rund 20.000 Zuschauern nur knapp vor der MLS.

Dass dies nicht alleine Beckham zu verdanken ist, sollte klar sein. Einen großen Anteil am Fußball-Boom in den USA hat er aber zweifelsohne. Don Garber, der frühere NFL International Chief, der als MLS-Kommissionar tätig war, sagt: "Ohne David Beckham wäre die MLS nicht die Liga, die sie heute ist."

Und weiter: "Ich denke, dass die Ankunft von David 2007 ein Schlüsselmoment in der Entwicklung zur MLS 2.0 ist."

Beckhams Teamkollege und Galaxy-Kapitän Landon Donovan fasst den Einfluss des Engländers ebenfalls positiv zusammen: "Er war damals ein Spieler, der in seinen besten Fußballerjahren war und mehrere Optionen hatte. Aber er wollte die MLS nach vorne bringen. Ich glaube nicht, dass ein anderer Spieler auf der Welt diesen Einfluss für die Liga gehabt hätte. Jetzt wären das eventuell Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi. Wer weiß, wie die Liga ohne ihn aussehen würde."

Für die Verantwortlichen der MLS ist klar: Die Liga wird jetzt erst richtig boomen: "Eines Tages wird die MLS eine der besten Ligen weltweit sein, das steht für mich völlig außer Frage", so Bruce Arena, ehemaliger Nationaltrainer der USA.

Und sportlich?

In seiner gesamten Zeit bei Los Angeles Galaxy bestritt Beckham nur 45 Spiele. Aber augerechnet seine vermutlich letzte Saison könnte der perfekte sportliche Abschluss seiner US-Tour sein. Er steht mit Galaxy im Finale der Playoffs. Der Gegner heißt Houston Dynamo.

Ein Sieg in dieser Partie und er würde sich den ersehnten Titel holen: "Ich will unbedingt den Titel", sagt er im Vorfeld des Spiels. Und bei seinem Antritt anno 2007 sagte Beckham: "Ich komme nicht nach Los Angeles, um ein Superstar zu sein. Ich komme, um Teil des Teams zu sein, hart zu arbeiten und hoffentlich um Titel zu gewinnen."

Ein gutes Omen ist, dass er auch bei Real Madrid seine einzige Meisterschaft im letzten Spiel für die Königlichen geholt hat.

Dazu könnte Becks selbst viel beitragen. Er ist der bisher überragende Mann in den Playoffs. In der regulären Saison gab er 15 Vorlagen und erzielte selber zwei Tore. Von seinen Teamkollegen wurde er deshalb auch in das MLS-All-Star-Team berufen sowie als Comeback-Spieler des Jahres ausgezeichnet .

Das Finale der MLS ist für Beckham auch die Chance, sich erneut für Vereine in Europa zu empfehlen. Paris Saint Germain oder Tottenham Hotspur sollen am inzwischen 36-Jährigen interessiert sein. Das letzte große sportliche Ziel von Beckham ist es, entweder an der kommenden EM 2012 oder an den Olympischen Spielen im eigenen Land teilzunehmen.

Sollte er bei einem Verein in einer europäischen Topliga spielen, würden die Chancen für den Mann mit dem rechten Zauberfuß sicher besser stehen.

Wie sieht die Zukunft von Becks und der MLS aus?

Ob Beckham seinen Vertrag in Los Angeles um ein weiteres Jahr verlängert oder ob es ihn zurück nach Europa führt ist noch ungewiss.

Tim Leiweke ist sich sicher: "David wird das nächste Jahr hier sein. Andere können ein Angebot vorlegen, so hoch sie wollen. Seine Loyalität zu diesem Klub ist riesig, weil wir ihn außerordentlich behandelt haben. Wenn wir mit David weitermachen wollen, bleibt er hier."

Beckham selbst äußert sich zu Galaxy ebenfalls sehr positiv: "Alle haben sich mir gegenüber großartig verhalten. Von Anfang an. Ich fühle mich hier wohl. Galaxy ist wie eine Familie für mich."

David Beckham im Steckbrief

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