Jürgen Klinsmann im Interview

"Ich mag das Risiko"

Von Interview: Stefan Rommel
Mittwoch, 14.09.2011 | 10:44 Uhr
Jürgen Klinsmann ist seit 1. August Trainer der amerikanischen Nationalmannschaft
© Getty
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Jürgen Klinsmann vermittelt seine Erfahrungen aus 30 Jahren Profi-Fußball: Im Interview mit SPOX erklärt der Ex-Bundestrainer den Profi im Wandel der Zeit, erteilt der jungen Generation ein paar wichtige Ratschläge und erzählt, wie das damals wirklich war mit seinem Alter Ego Jay Goppingen.

Jürgen Klinsmann war mal wieder auf Stippvisite in Deutschland. Auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt/Main war der ehemalige Bundestrainer für seinen Partner Hyundai im Einsatz.

SPOX traf einen bestens gelaunten Klinsmann zum Gespräch, bevor sich der 47-Jährige wieder zurück in seine kalifonische Heimat gemacht hat.

SPOX: Herr Klinsmann, wie geht es eigentlich Jay Goppingen?

Jürgen Klinsmann (lacht): Von dem habe ich lange Zeit nichts mehr gehört, da müsste ich erst Mal nachfragen... Nein, der existiert schon lange nicht mehr. Die kleine Amateurliga in den Staaten hatte das damals von sich aus gemacht, ich hatte damit gar nichts zu tun.

SPOX: Dabei hieß es immer, Sie hätten sich das Pseudonym selbst verpasst.

Klinsmann: Nein, ich habe davon erst nach dem ersten Spiel aus der Zeitung erfahren. Die Premier Development League, bei uns vergleichbar mit der vierten oder fünften Liga, hat das eigenständig so lanciert. Einer der Spielleiter wollte mir damit einen Gefallen tun, damit mein Name nicht so publik wird. Die wollten alles auf ganz kleiner Flamme halten, wahrscheinlich haben sie nur schnell gegoogled und herausgefunden, dass mein Geburtsort Göppingen ist. So könnte es gewesen sein. Ich habe mit dem Verantwortlichen aber nie gesprochen. Im Spielbericht stand dann Jay Goppingen drin, ein Redakteur von der "San Diego Tribune" hat mich aber erkannt. Deshalb kam das alles raus.

SPOX: Im Zeitalter von Smartphones, Facebook und Twitter wäre es womöglich gleich an Ort und Stelle und weltweit publik geworden.

Klinsmann: Mit Sicherheit. Ich spiele heute nur noch in kleinen Privat-Ligen mit zehn, zwölf Mannschaften. Manchmal will ein Spieler vom Gegner vielleicht noch eben ein Foto mit mir machen, das war's dann aber. Das ist das Schöne an den USA: Alles ist entspannter, der Fußball hat nicht den hohen Stellenwert wie bei uns.

SPOX: Sie sind jetzt seit 30 Jahren im Profigeschäft. Wie hat sich der Fußballzirkus in den drei Dekaden verändert?

Klinsmann: Der Geschäftszweig ist auf manchen Ebenen förmlich explodiert. Alles hat sich enorm entwickelt: Das Sponsoring, das Marketing, die Entwicklung der Stadien. Das Fernsehen hat gigantisch am Rad gekurbelt. Die Gegebenheiten für die Spieler sind ganz andere als noch vor 20 oder 30 Jahren. Da konnte man mit einem Journalisten auch noch ein Bier trinken und plaudern, ohne dass es am nächsten Tag in der Zeitung stand. Heute hat jeder so viel Druck, dass es auf diese Art gar nicht mehr machbar ist.

SPOX: Früher war alles besser.

Klinsmann: Es ist heute auch eine faszinierende Zeit. Es gibt mehr Extreme, neue Herausforderungen. Für die Spielergeneration von heute ist es viel schwieriger und komplexer, mit all den Dingen umzugehen. Für uns war es einfacher, langsam in das Geschäft hineinzuwachsen. Wir haben damals noch genügend Zeit bekommen. Heute steht ein 20-Jähriger nach ein paar guten Spielen schon derart im Rampenlicht, so dass er sofort lernen muss, damit umzugehen. Das ist nicht einfach.

SPOX: Würden Sie heute nochmal am Anfang Ihrer Karriere stehen wollen?

Klinsmann: Wer würde das nicht wollen? Denn trotz aller Entwicklungen, auch negativer Natur, bleibt ja: Wir wollen alle Kicken. Der Faktor Spaß ist für jeden Profi immer noch die treibende Kraft. Da ist es auch egal, ob man jetzt im Vergleich zu früher das 20- oder 30-fache verdienen kann. Die Begleiterscheinungen und dass sich das Business so entwickelt hat, hat kein Spieler zu verantworten. In erster Linie zählt immer noch das Spiel. Wenn man dann auf dem Platz steht, spielt das große Ganze drumherum keine Rolle mehr.

SPOX: Wie bereitet man einen 20-Jährigen darauf vor, diesen Druck und die Erwartungshaltung Woche für Woche für 90 Minuten auszublenden?

Klinsmann: Das war eines der großen Themen seit 2004: Die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler. Sie müssen lernen, mit diesem Beruf umzugehen. Dem Spieler müssen die Augen geöffnet werden, er muss jeden Tag als Lern-Tag begreifen. Die Weiterbildung außerhalb des Platzes ist enorm wichtig - aber sie ist nur umsetzbar in den Vereinen. Die Verbände haben da so gut wie keinen Einfluss darauf. Der Spieler muss die Anstöße annehmen und sich selbst im Klaren darüber werden, welche Rolle er in dem ganzen Zirkus eigentlich spielt.

SPOX: Wie eigenverantwortlich darf ein Spieler heute sein?

Klinsmann: Ein Fußballspieler macht wie jeder andere Mensch auch Fehler. Wenn einer etwas Falsches über Twitter oder Facebook raushaut, muss er seine Lektion dafür bekommen. Das ist im wahren Leben auch nicht anders. Keiner kann jeden Tag 50 Dinge anpacken und 50-mal alles richtig machen. Einige Dinge fallen dann halt unter den Tisch. Erst durch die unglaubliche mediale Transparenz ergeben sich ja die ganzen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Wer bekommt schon die fünf Fehler mit, wenn man jeden Tag im Büro sitzt und um 17 Uhr Feierabend macht? Die bekommt ja niemand da draußen mit.

SPOX: Albert Camus sagt: Im Fußball habe ich alles über das Leben erfahren. Sie auch?

Klinsmann: Ganz bestimmt nicht alles, um Gottes Willen. Aber der Fußball lehrt einen sehr viele Lektionen im Leben. Ohne den Fußball säße ich jetzt nicht hier, würde nicht Leute aus aller Welt kennenlernen. Ich habe den Fußball schon immer als Türöffner verstanden, der mir andere Welten aufmacht. Ich wollte schon als sehr junger Spieler aus Stuttgart weg, wollte Erfahrungen sammeln und auf Wanderschaft gehen. Der AS Monaco und Arsene Wenger wollten mich mit 22 Jahren verpflichten, der VfB und Gerhard Mayer-Vorfelder haben mich aber nicht ziehen lassen. MV meinte, es wäre noch zu früh für mich - und er hatte Recht. Erst zwei Jahre später bin ich dann zu Inter Mailand gewechselt. Dann begann meine Uni außerhalb der Spielfelder: Eine neue Sprache lernen, die Mentalität verstehen, sich eingliedern in die Gesellschaft. Dann weiter nach Frankreich, später England, und so weiter. Wir alle befinden uns in einem Wettlauf um Wissen. Keiner will im Alter erkennen, dass er früher nicht alles ausgeschöpft hat. Innerhalb bestimmter persönlicher Grenzen sollte jeder versuchen, das Maximale zu erreichen.

SPOX: Neben einem sehr üppigen Gehalt bietet der Fußball also Lebenserfahrung gratis.

Klinsmann: Na klar. Wann kommt man denn sonst schon mal nach Rumänien oder Moldawien? Oder wer erlebt fünf Wochen Südafrika? Dann lernt man erst die Unterschiede kennen. Und diese Erfahrungen kann einem hinterher niemand mehr nehmen.

SPOX: Können Sie Spieler verstehen, die freiwillig auf die Erfahrungen im Ausland verzichten?

Klinsmann: Selbstverständlich. Jeder muss entscheiden, wo er sich am wohlsten fühlt. In der Gemeinschaft, in einem Klub, in einer Stadt. Wenn einem das Lebensgefühl die notwendige Sicherheit gibt, um Leistung zu bringen: Dann bleib' da! Ein Schritt ins Ausland ist immer auch ein Schritt ins Ungewisse. Da gibt es viele Fragezeichen und Risiken.

SPOX: Die Sie aber immer gerne in Kauf genommen haben.

Klinsmann: Ich mag das Risiko.

SPOX: Warum können in den USA Studierende durch ein Sportstipendium eine gezielte Förderung erfahren, in Deutschland aber abgesehen von speziellen Sportfördergruppen der Bundeswehr oder Bundesgrenzschutz nicht?

Klinsmann: Dort bietet der Sport noch größere Möglichkeiten. In den Universitäten können Begabte durch ihren Sport ein Stipendium erlangen, das ist ein anderer Ansatz als im Rest der Welt. Hier haben wir in Deutschland noch längst nicht alle Potenziale ausgeschöpft. Ein Grundsatz liegt aber auch im jeweiligen Umfeld des Athleten: Ist es eine Art Lernumfeld, das sich immer weiter bilden will? Oder ein Umfeld der Ja-Sager und Schulterklopfer? Wann bin ich mit dem Erreichten zufrieden? Will ich noch weiter oder den Moment genießen?

SPOX: Haben Sie mit der Routine von 30 Jahren Profigeschäft so etwas wie ein Leitmotiv, das man als Ratschlag oder Tipp auch an junge Spieler weitergeben könnte?

Klinsmann: Jeder Tag soll ein Lern-Tag sein! Nur Spieler, die permanent dazulernen wollen, kommen auch voran. In dem Moment, wo man sich selbst als angekommen betrachtet, ist die Karriere heimlich schon auf dem Weg nach unten. Der Sport lebt nur in der Gegenwart oder in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht interessant - auch wenn wir immer gerne darüber erzählen. Denn: Es steht immer schon die nächste Aufgabe bevor. Der Weg ist das Ziel.

SPOX: Die Nationalmannschaft sieht sich auf einem guten Weg...

Klinsmann: ...aber sie ist noch nicht da! Sie spielt auf sehr hohem Niveau und macht unglaublich viel Spaß. Aber sie wird im kommenden Jahr hoffentlich Europameister werden - dann ist sie angekommen am Ziel. Alles andere ist unwichtig.

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