Italien feiert die Squadra Azzurra

SID
Italiens Alberto Aquilani (r.) feiert seinen Siegtreffer gegen Spanien
© Getty

Nach vielen Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit hat Italien am Mittwoch mit einem 2:1 gegen Welt- und Europameister Spanien ein Achtungszeichen gesetzt. Für die Iberer sind Testspiele gegen große Nationen seit längerem kein Vergnügen mehr.

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Italien feiert seine Nationalmannschaft hemmungslos und träumt schon von einer erfolgreichen Zukunft, für Spanien setzt sich eine Negativserie fort: Nach dem 2:1 (1:0) der Azzurri am Mittwoch gegen eine stark ersatzgeschwächte Auswahl des Welt- und Europameisters schwelgte die italienische Presse in Titelfantasien.

"Weltmeister für eine Nacht!", schrieb etwa "Tuttosport". Trainer Cesare Prandelli blieb indes realistischer. "Wir müssen dieses Resultat richtig einzuschätzen wissen und noch hart arbeiten", sagte er.

Für die Iberer war es erneut eine Testspielpleite gegen eine der großen Nationen. Schon im vergangenen September (1:4 in Argentinien) und November (0:4 in Portugal) hatte es derbe Schlappen gesetzt. "Freundschaftsspiele, nein Danke", titelte die Sporttageszeitung "AS". "Wieder ein Freundschaftsspiel zum Vergessen", schrieb die Konkurrenz von "Marca".

Spanien zeigt sich unbeeindruckt

Die Spieler blieben unbeeindruckt und sahen keine übermächtige Squadra Azzurra. "Sie haben den Sieg nicht verdient, ein Unentschieden wäre fairer gewesen. Wir haben viel mehr getan in der zweiten Halbzeit, sie haben ein Glückstor geschossen", sagte Torhüter Iker Casillas: "Gerade gegen uns will jed0,er sein Bestes geben. Darauf müssen wir künftig vorbereitet sein".

Nicht zuletzt die deutsche Mannschaft will die Spanier unbedingt vom Thron drängen. So richtete Philipp Lahm nach dem 3:2 gegen Brasilien gleich noch eine Kampfansage an die Selección. "Spanien ist immer noch das Maß aller Dinge, aber wir wollen auch sie endlich stürzen", sagte der Münchner.

Ein Grund für die Niederlage dürften die personellen Probleme der Iberer gewesen sein. Carles Puyol, Cesc Fabregas, Xavi und Sergio Ramos standen in Bari gar nicht zur Verfügung. Stürmer Fernando Torres musste früh mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden, auch Verteidiger Pique schied später verletzt aus. Im WM-Finale standen sieben Spieler von Champions-League-Sieger FC Barcelona in der Startelf, diesmal waren es nur zwei.

Trainer Vicente del Bosque meinte, dass man "viele Widrigkeiten" zu überwinden gehabt habe. "Wir haben das Schlimmste verhindert", sagte er. Als verdient empfand auch del Bosque das Ergebnis keineswegs: "Es ist paradox, wir haben dominiert und hatten mehr Chancen." Große Schwächen zeigte Spanien in der Anfangsphase, als die Italiener sie in manche Verlegenheit brachten. "Wir hatten einen schlechten Start", resümierte del Bosque: "Das war aber das Einzige, was mir nicht gefallen hat."

Die italienischen Medien interessierte dies kaum. Nach großen Siegen dürstend und scheinbar benebelt vom Erfolg hoben sie Prandellis Elf in den Himmel. "Schade, dass die EM nicht schon morgen beginnt, denn Italien könnte jetzt eine Hauptrolle spielen", schrieb Corriere dello Sport. Die Torschützen Riccardo Montolivo (11.) und Alberto Aquilani (84.), der mit einem abgefälschten Fernschuss traf, wurden als Hauptakteure bejubelt. Xabi Alonso (37.) erzielte per Foulelfmeter den Treffer der Spanier.

Franzosen verspielen Sieg gegen Chile

Indes verpassten die Franzosen in Montpellier einen Sieg gegen Chile. Ohne Bayern Münchens Star Franck Ribery, der nach seiner Sprunggelenkverletzung geschont wurde, kam die Elf von Laurent Blanc nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus. Der Treffer von Loic Remy (20.), an dem Ex-Bundesligaprofi Arturo Vidal eine Mitschuld trug, genügte nicht.

Nicolas Cordova sorgte für das Remis (76.). Blanc sieht sein Team dennoch auf einem guten Weg. "Für so einen frühen Zeitpunkt habe ich viel Qualität gesehen", resümierte er.

In Norwegen sorgte derweil ein Bundesligaprofi für Glanzlichter. Mohammed Abdellaoue von Hannover 96 hatte mit zwei Toren (22., 88., Elfmeter) entscheidenden Anteil am überraschend deutlichen 3:0 (1:0) der Wikinger gegen Tschechien. Seine Qualität hatte sich zumindest noch nicht bis zum Ex-Dortmunder Tomas Rosicky herumgesprochen.

"Er hat mich während des Spiels gefragt, wo Moa spielt. Er hat ihm sehr imponiert", sagte John Arne Riise, der in der 72. Minute das 2:0 markierte.

Coach Egil Olsen sagte: "Er hat das getan, was wir erwartet haben. Beim ersten Tor hat er große Klasse gezeigt, das war etwas ganz Besonderes." Hannover darf sich wohl auf weitere Großtaten des Stürmers freuen. "Form und Selbstvertrauen sind im Moment sehr gut", kommentierte Abdellaoue.

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