Platini wird nicht kandidieren

FIFA: Bin-Hammam zieht seine Kandidatur zurück

SID
Sonntag, 29.05.2011 | 12:38 Uhr
Zieht sich enttäuscht zurück: Mohamed Bin Hammam will das Ansehen der FIFA schützen
© Getty
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Mohamed Bin Hammam hat seine Kandidatur gegen Joseph S. Blatter für die anstehende Wahl des FIFA-Präsidenten wegen der Bestechungsvorwürfe gegen seine Person zurückgezogen. Auch Michel Platini wird auf keinen Fall kandidieren.

Das Chaos bei der FIFA wird immer größer, der Bestechungsskandal erschüttert den mächtigen Fußball-Weltverband endgültig in seinen Grundfesten. Vier Tage vor der Präsidentschaftswahl in Zürich warf Herausforderer Mohamed Bin Hammam wegen der gegen ihn gerichteten Bestechungsvorwürfe das Handtuch und verschärfte damit abermals die wohl größte Krise in der 107-jährigen Geschichte des Verbandes.

Der Rückzug seiner Kandidatur erfolgte nur wenige Stunden vor einer Anhörung vor dem Ethik-Komitee der FIFA, zu der auch Amtsinhaber Joseph S. Blatter und Vizepräsident Jack Warner vorgeladen sind. Das Votum der Kommission wird wohl entscheiden, ob auch Blatter stürzt und ob am kommenden Mittwoch überhaupt noch eine Wahl zustande kommt. Das Gremium will am Sonntagabend eine Stellungnahme abgeben.

Rückzug, aber kein Schuldeingeständnis

"Die jüngsten Vorfälle haben mich in offizieller und privater Hinsicht verletzt und enttäuscht", heißt es in einem Statement des Katarers Bin Hammam: "Ich kann es nicht zulassen, dass das Ansehen der FIFA mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird. Deshalb habe ich beschlossen, meine Kandidatur zurückzuziehen."

Als Schuldeingeständnis will er seinen Rückzug nicht verstanden wissen. "Ich bete, dass mein Rücktritt nicht mit der Untersuchung der FIFA-Ethikkommission verknüpft wird, wo ich erscheinen werde, um mit den grundlosen Anschuldigungen, die gegen mich erhoben worden sind, aufzuräumen", schrieb der 62 Jahre alte Geschäftsmann.

Sollte auch noch Blatter über die Affäre stolpern, gäbe es am kommenden Mittwoch beim offiziellen Wahltermin keinen Kandidaten. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), steht auf keinen Fall zur Verfügung.

Eine Kandidatur sei "ausgeschlossen", sagte Platini, der auch FIFA-Vizepräsident und Mitglied der FIFA-Exekutive ist, der "BBC" am Rande des Champions-League-Endspiels in London. Er werde seine vierjährige Amtszeit als UEFA-Präsident, die er im März dieses Jahres angetreten hatte, erfüllen.

"Die FIFA muss sauber sein"

Die Ethik-Komitee-Anhörung und deren Folgen scheinen auch für Platini völlig offen zu sein. "Wenn es eine Wahl gibt, wird der neue Präsident für vier Jahre gewählt. Wenn es keine Wahl gibt, wird es kompliziert, aber ich weiß nicht, was dann passiert", sagte Platini und fügte hinzu: "Die FIFA muss sauber sein, gut sein und an die Werte des Fußballs denken."

Schon seit langen kursieren Gerüchte, dass Blatter im Falle einer Wahl nur noch zwei Jahre im Amt bleiben wird und dann für Platini den Weg frei macht. Die UEFA hatte Blatter im Wahlkampf unterstützt.

Theo Zwanziger, DFB-Präsident und FIFA-Exekutivmitglied, hatte vor dem Rückzug Bin Hammams der Bild am Sonntag gesagt: "Wir werden selbstverständlich wie alle anderen die Ergebnisse der Ethik-Kommission abwarten und in enger Abstimmung mit der UEFA bewerten. Unabhängig davon bleibe ich bei meiner Auffassung, dass bei aller Kritik, die die FIFA derzeit einstecken muss, die Fußball-Entwicklung weltweit gerade auch unter der Führung von Sepp Blatter gut vorangekommen ist."

Zwanziger: FIFA hat ein Imageproblem

Unabhängig attestierte Zwanziger der FIFA in der "Welt am Sonntag" "ein Imageproblem" und brachte die Installierung einer externen FIFA-Untersuchungskommission ins Spiel: "Es ist wichtig, dass man bei bestimmten Entscheidungen die Verantwortung auslagern kann. Es braucht eine sichtbare Gewaltenteilung innerhalb der Organisation und, in schweren Fällen, eine unabhängige Kommission außerhalb der FIFA."

Bei der Anhörung, die am Sonntagmorgen begann, muss und will auch FIFA-Vize Warner aussagen. Der Vertraute Bin Hammams kündigte einen "Fußball-Tsunami" an, der "die FIFA und die Welt treffen und schockieren wird".

Warner wird vorgeworfen, dass es im Zuge der anstehenden Präsidentschaftswahl bei einem von ihm organisierten Treffen des Fußball-Verbandes der Karibik (CFU) am 10. und 11. Mai in Trinidad zu Bestechungsabsprachen zugunsten des Katari bin Hammam gekommen sei. Warner erklärte, dass die Vorwürfe auf Neid beruhen: "Ich bin seit 29 Jahren ununterbrochen für die FIFA tätig. Ich bin der erste Farbige, der es jemals so weit im Weltverband gebracht hat."

Durch dick und dünn mit Jack Warner

Bin Hammam hatte wiederum Blatter vorgeworfen, von den Zahlungen, die auch ihm zum Verhängnis wurden, gewusst und diese toleriert zu haben. Eine Passage in Bin Hammams Stellungnahme nach seinem Rückzug dürfte Blatter wohl als Drohung aufgefasst haben: "Ein besonderer Dank geht an meinen Freund und Kollegen Jack Warner für seine uneingeschränkte Unterstützung. Es tut mir leid mitanzusehen, dass er wegen mir leiden muss, aber ich verspreche ihm, dass ich mit ihm den ganzen Weg durch dick und dünn gehen werde."

Unterstützung erhielt Blatter von Franz Beckenbauer. "Blatter macht einen wunderbaren Job. Die FIFA ist wie die Vereinten Nationen. Wir haben 208 Mitglieder, das ist nicht einfach zu handhaben", sagte der Kaiser in London zu "Radio 5 Live".

"Desaster für den Fußball"

Beckenbauer, der sich aus der FIFA-Exekutive zurückgezogen hat, hält die jüngste Korruptionsaffäre allerdings für ein "Desaster für den Fußball". Er hoffe, dass mit der Wahl alle Diskussionen über Korruption beendet seien und die FIFA zur Tagesordnung übergehen könne: "Ich weiß nicht, was noch alles passieren wird. Aber schon jetzt ist es aus meiner Sicht sehr, sehr schlecht".

Neue Vorwürfe gegen Bin Hammam und Warner kamen am Sonntag aus England. Der "Telegraph" berichtet, dass beide insgesamt 25 FIFA-Vertretern aus der Karibik insgesamt eine Million Dollar angeboten haben sollen, damit diese bei der Wahl Bin Hammam unterstützen.

FIFA-Vize droht mit Enthüllungen

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