Ethik-Komitee entlastet Joseph S. Blatter

SID
Sonntag, 29.05.2011 | 21:02 Uhr
Wurde nach all den Vorwürfen entlastet: FIFA-Präsident Joseph S. Blatter
© Getty
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Der Wiederwahl von FIFA-Präsident Sepp Blatter steht nach dem Freibrief durch das hauseigene Ethik-Komitee und dem Rückzug seines Herausforderers Mohamed Bin Hammam jetzt nichts mehr im Wege.

Die FIFA entging damit in der wohl größten Krise in ihrer 107-jährigen Geschichte dem Super-GAU. Der wäre eingetreten, wenn die Sittenwächter auch Blatter als möglicherweise korrupt eingestuft hätten und damit kein Kandidat mehr zur Verfügung gestanden hätte. Blatter aber wurde von allen Vorwürfen entlastet, Bin Hammam und Vizepräsident Jack Warner dagegen vorläufig suspendiert.

"Das Komitee hat seine Entscheidung getroffen, die ich nicht im Detail kommentieren will. Aber ich bedauere, was in den letzten Tagen und Wochen passiert ist. Das Image der FIFA hat dadurch großen Schaden genommen", sagte der 75 Jahre alte Blatter.

Bestechungsvorwürfe gegen Bin Hammam

Der Katari Bin Hammam hatte wegen der gegen ihn gerichteten Bestechungsvorwürfe am Sonntag schon wenige Stunden vor der Anhörung vor dem Ethik-Komitee das Handtuch geworfen.

Zu der Anhörung waren Blatter, Bin Hammam und Warner erschienen, dazu zwei Vertreter des karibischen Verbandes, die ebenfalls suspendiert wurden. Unmittelbar nach dem Spruch des Komitees bestätigte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, dass die Präsidentenwahl am 1. Juni in Zürich wie geplant stattfinden werde und Blatter einziger Kandidat sei.

Bin Hammam: "Verletzt und enttäuscht"

"Die jüngsten Vorfälle haben mich in offizieller und privater Hinsicht verletzt und enttäuscht", heißt es in einem Statement des Katarers Bin Hammam zu seinem Verzicht auf die Kandidatur: "Ich kann es nicht zulassen, dass das Ansehen der FIFA mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird. Deshalb habe ich beschlossen, meine Kandidatur zurückzuziehen."

Als Schuldeingeständnis will er seinen Rückzug nicht verstanden wissen. "Ich bete, dass mein Rücktritt nicht mit der Untersuchung der FIFA-Ethikkommission verknüpft wird, wo ich erscheinen werde, um mit den grundlosen Anschuldigungen, die gegen mich erhoben worden sind, aufzuräumen", schrieb der 62 Jahre alte Geschäftsmann.

Michel Platini wäre kein Kandidat gewesen

Wäre auch noch Blatter über die Affäre gestolpert, hätte es am kommenden Mittwoch beim offiziellen Wahltermin keinen Kandidaten gegeben. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), hätte auf keinen Fall zur Verfügung gestanden.

Eine Kandidatur sei "ausgeschlossen", sagte Platini, der auch FIFA-Vizepräsident und Mitglied der FIFA-Exekutive ist, der "BBC" am Rande des Champions-League-Endspiels in London. Er werde seine vierjährige Amtszeit als UEFA-Präsident, die er im März dieses Jahres angetreten hatte, erfüllen. Schon seit langem kursieren Gerüchte, dass Blatter im Falle einer Wahl nur noch zwei Jahre im Amt bleiben wird und dann für Platini den Weg frei macht. Die UEFA hatte Blatter im Wahlkampf unterstützt.

Theo Zwanziger, DFB-Präsident und FIFA-Exekutivmitglied, meinte, dass die FIFA durch die Affäre an Vertrauen und Ansehen verloren habe, lobte aber die Arbeit des Ethik-Komitees. "Einem Vertrauensverlust kann man nur durch Offenheit begegnen", sagte Zwanziger am Samstagabend vor dem Länderspiel gegen Uruguay in Sinsheim dem "ZDF": "Offenheit, Transparenz und offene Verfahrenswege sind der Feind der Korruption."

Theo Zwanziger will FIFA-Untersuchungskommission

Unabhängig attestierte Zwanziger der FIFA in der "Welt am Sonntag" "ein Imageproblem" und brachte die Installierung einer externen FIFA-Untersuchungskommission ins Spiel: "Es ist wichtig, dass man bei bestimmten Entscheidungen die Verantwortung auslagern kann. Es braucht eine sichtbare Gewaltenteilung innerhalb der Organisation und, in schweren Fällen, eine unabhängige Kommission außerhalb der FIFA."

Für die Anhörung hatte Warner, ein Vertrauter Bin Hammams, einen "Fußball-Tsunami" angekündigt, der "die FIFA und die Welt treffen und schockieren wird". Das Komitee zog dennoch ihn und Bin Hammam bis zum Abschluss einer weiteren Untersuchung verbandsintern aus dem Verkehr, betonte aber, dass sie bis zum Beweis einer Schuld als unschuldig angesehen würden.

Warner wird vorgeworfen, dass es im Zuge der anstehenden Präsidentschaftswahl bei einem von ihm organisierten Treffen des Fußball-Verbandes der Karibik (CFU) am 10. und 11. Mai in Trinidad zu Bestechungsabsprachen zugunsten von Bin Hammam gekommen sei. Warner erklärte, dass die Vorwürfe auf Neid beruhen: "Ich bin seit 29 Jahren ununterbrochen für die FIFA tätig. Ich bin der erste Farbige, der es jemals so weit im Weltverband gebracht hat."

Bin Hammam: Blatter wusste von Zahlungen

Bin Hammam hatte wiederum Blatter vorgeworfen, von den Zahlungen, die auch ihm zum Verhängnis wurden, gewusst und diese toleriert zu haben.

Eine Passage in Bin Hammams Stellungnahme nach seinem Rückzug dürfte Blatter wohl als Drohung aufgefasst haben: "Ein besonderer Dank geht an meinen Freund und Kollegen Jack Warner für seine uneingeschränkte Unterstützung. Es tut mir leid mitanzusehen, dass er wegen mir leiden muss, aber ich verspreche ihm, dass ich mit ihm den ganzen Weg durch dick und dünn gehen werde."

Beckenbauer unterstützt Blatter

Unterstützung erhielt Blatter von Franz Beckenbauer. "Blatter macht einen wunderbaren Job. Die FIFA ist wie die Vereinten Nationen. Wir haben 208 Mitglieder, das ist nicht einfach zu handhaben", sagte der "Kaiser" in London zu "Radio 5 Live".

Beckenbauer, der sich aus der FIFA-Exekutive zurückgezogen hat, hält die jüngste Korruptionsaffäre allerdings für ein "Desaster für den Fußball". Er hoffe, dass mit der Wahl alle Diskussionen über Korruption beendet seien und die FIFA zur Tagesordnung übergehen könne: "Ich weiß nicht, was noch alles passieren wird. Aber schon jetzt ist es aus meiner Sicht sehr, sehr schlecht".

Neue Vorwürfe gegen Bin Hammam und Warner kamen am Sonntag aus England. Der Telegraph berichtet, dass beide insgesamt 25 FIFA-Vertretern aus der Karibik insgesamt eine Million Dollar angeboten haben sollen, damit diese bei der Wahl Bin Hammam unterstützen.

Bin Hammam zieht Kandidatur zurück

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