So ging es den Ex-Bundesliga-Spielern im Ausland

Missionare, Rohrkrepierer und Wandervögel

Von SPOX
Mittwoch, 25.05.2011 | 18:13 Uhr
Einige ehemalige Bundesligastars verdienen mittlerweile ihr Geld in ausländischen Ligen
© spox
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Im vergangenen Jahr kehrten sie der Bundesliga den Rücken - doch was machten die Deutschen, Ex-Stars und Sternchen aus ihren Chancen bei ihren neuen Vereinen im Ausland? SPOX hat den Werdegang von 28 Spielern unter die Lupe genommen.

Teil 1) Die Deutschen im Ausland

Kevin Kuranyi (Dynamo Moskau/Russland): 16+10 Spiele, 9+1 Tor

Bilanz: Dynamo startete im März schlecht in die 44 Spieltage dauernde Mammutsaison (Russland gleicht sich Europa an), seit der Entlassung von Trainer Miodrag Bozovic läuft's besser. Im Herbst noch bester Dynamo-Torschütze der Rückrunde, hat Kuranyi in dieser Saison erst ein Tor erzielt. Dafür glänzte er mit fünf Torvorlagen.

Standing: Kuranyi ist unangefochtener Stammspieler bei Dynamo und harmoniert immer besser mit den anderen Ex-Bundesligisten Woronin und Misimovic (siehe zweite Seite).

SPOX meint: Moskau ist für den SPOX-Kolumnisten aufgrund seines Standings und üppigen Gehalts sicher kein Karriere-Knick, die sportliche Perpektive ist allerdings wackelig. Dynamo muss es in der regulären Saison in die Top 8 schaffen, sonst ist das internationale Geschäft passe. Zuletzt verpasste man Europa deutlich.

 

Mesut Özil (Real Madrid/Spanien): 36 Spiele, 6 Tore

Rückrundenbilanz: Der Ex-Bremer und -Schalker konnte in der zweiten Saisonhälfte nicht ganz das Niveau halten, war aber mit insgesamt 19 Assists hinter Messi der zweitbeste Vorbereiter der Liga. In den Duellen gegen Barcelona merkte man dem 22-Jährigen an, dass er noch einen Schritt von der Weltklasse entfernt ist.

Standing: Sein Vorsprung auf den Konkurrenten Kaka ist in der Rückrunde kleiner geworden - Özil spielte in der Liga-Rückrunde "nur" 12-mal von Beginn an und hielt damit nicht die Marke der Hinrunde (18-mal). Gegen Barca war er Mourinhos erstes Bauernopfer für eine defensivere Aufstellung. Dennoch darf sich Özil weiter als Stammspieler sehen.

SPOX meint: Ist auf einem guten Weg zum Weltstar. Die Konkurrenz bei Real schläft allerdings nicht, mit Freund Sahin kommt nun ein Rivale mehr. Özil muss vor allem weiter an seiner körperlichen Verfassung arbeiten: Er stand in dieser Saison zwar in 53 Pflichtspielen für Real auf dem Platz, spielte aber nur 13-mal durch.

Sami Khedira (Real Madrid/Spanien): 25 Spiele, 0 Tore

Rückrundenbilanz: Spielte in der Rückrunde nur sieben Liga-Spiele, weil ihn Verletzungen immer wieder zurückwarfen. Dafür im Pokal-Finale gegen Barcelona einer der Besten. Fiel am Saisonende wegen eines Muskelbündelrisses aus und muss in der Saisonvorbereitung aufpassen, dass er nicht den Anschluss verliert. Wartet auch nach 41 Pflichtspielen für Real noch auf sein erstes Tor.

Standing: Konnte die spanische Presse mit soliden Leistungen nicht restlos von sich überzeugen, dafür aber Trainer Mourinho, der nach wie vor große Stücke auf ihn hält. In wichtigen Spielen baute er meist auf Khedira. Der muss allerdings wie Özil physisch zulegen oder besser dosieren, um weniger verletzungsanfällig zu sein.

SPOX meint: Gutes erstes Jahr, aber kein sehr gutes. Khedira stand oft auf der Kippe und wird in der kommenden Saison nun auch von Sahin und Altintop unter Druck gesetzt. Muss noch ein wenig sein Phlegma ablegen, kommuniziert auf dem Platz aber schon sehr ordentlich.

 

Jerome Boateng (Manchester City/England): 16 Spiele, 0 Tore

Rückrundenbilanz: Schaffte es bei ManCity wegen vieler Verletzungspausen nicht zum Stammspieler. Fünf Liga-Startelfeinsätze in der Rückrunde sind wenig befriedigend, zumal Trainer Mancini andere Spieler auf Boatengs Lieblingsposition in der Innenverteidigung vorzog. Seit März am Knie verletzt.

Standing: Bei ManCity aufgrund der großen Konkurrenz und der eigenen Verletzungsmisere abkömmlich. Mancini setzte zuletzt (notgedrungen) auf andere.

SPOX meint: Kam nie über den Mitläufer-Status hinaus. Die Frage ist nun: Kapitel beenden oder nochmal angreifen? Bayern München soll angeblich bereits als neuer Arbeitgeber feststehen. Dort hätte er jedenfalls in der Innenverteidigung bessere Karten.

 

Thomas Broich (Brisbane Roar/Australien): 32 Spiele, 6 Tore

Bilanz: Glänzte Down Under als Brisbanes Mittelfeldhirn mit Vorbereiterqualitäten. Stand in allen 32 Spielen in der Startelf und hatte damit maßgeblichen Anteil an Roars erstem Meistertitel. Irre: Im Finale lag Roar in der 117. Minute noch 0:2 gegen die Central Coast Mariners zurück, glich dann aber noch aus und gewann im Elfmeterschießen. Broich bereitete einen Treffer vor.

Standing: Nicht mehr aus Brisbanes Mannschaft wegzudenken. Von seinen Mitspielern angesichts seiner Erfahrung und seiner Professionalität hoch angesehen.

SPOX meint: Broich hat sein Glück gefunden! Verzichtet zwar auf großes Geld, ist in der drittklassigen Liga dafür aber ein Star. Sein missionarischer Auftrag als eines der Aushängeschilder der Liga: Fußball in Australien Stück für Stück salonfähiger machen.

 

Roberto Hilbert (Besiktas/Türkei): 25 Spiele, 1 Tor

Rückrundenbilanz: 44 Pflichtspieleinsätze zählte Hilbert am Ende der Saison: Eine beachtliche Anzahl für einen Neuzugang, der im Schatten der Star-Neuzugänge Guti und Quaresma verpflichtet wurde. In der Süper Lig und in der Europa League traf Hilbert je ein Mal.

Standing: Auf der offensiven rechten Außenbahn war für den SPOX-Kolumnisten kein Platz, daher spielte Hilbert zumeist hinten rechts und das sehr ordentlich. Die Fans schätzen ohnehin die aufopferungsvolle Einstellung ihres "Panzers". Der Trainerwechsel von Bernd Schuster zu Tayfurt Havutcu spielte ihm allerdings nicht gerade in die Karten. Unter Havutcu saß Hilbert fast nur auf der Bank - auch weil die Ausländerbegrenzung oft die Mannschaft von alleine aufstellt. Die vier Portugiesen, Guti und Sivok sind in der Regel gesetzt - und mehr als sechs Ausländer dürfen nicht spielen.

SPOX meint: Auch wenn er am Ende nicht mehr ganz so oft spielte, war das erste Jahr Türkei ein voller Erfolg. Hilbert bestritt mit die meisten Pflichtspiele, hat einen guten Ruf bei den Fans und auch von Seiten des Vereins gibt es Signale, dass man mit dem Deutschen sehr zufrieden ist.

Timo Hildebrand (Sporting CP/Portugal): 0 Spiele

Rückrundenbilanz: Hatte nach drei soliden Hinrunden-Einsätzen (zweimal Europa League, einmal Pokal) in der Rückrunde nur Bank- und Tribünen-Einsätze.

Standing: War von Lissabon sowieso nur als Backup bis Saisonende verpflichtet worden. An Portugals Nationalkeeper Rui Patricio gab es für den 32-Jährigen kein Vorbeikommen. Sucht nun einen neuen Verein - am liebsten in Deutschland. Immerhin reichte es bei ihm zuletzt zu der Einsicht: "Ich hätte Stuttgart nie verlassen dürfen."

SPOX meint: Unwürdig. Hildebrand ist auch mit 32 Jahren und trotz einiger Stationen des Scheiterns noch gut genug, um erster Torwart eines anständigen Erstligisten zu sein. Muss nun aber erstmal zusehen, dass er überhaupt nochmal irgendwo unterkommt.

 

Thomas Hitzlsperger (West Ham United/England): 11 Spiele, 2 Tore

Rückrundenbilanz: Der 29-Jährige spielte nach ewig langer Verletzungspause eine ordentliche Restsaison, konnte den Abstieg aber mit zwei Toren und vier Assists in den letzten elf Saisonspielen auch nicht mehr verhindern. Immerhin: Hitzlsperger stand jedes Mal über 90 Minuten auf dem Platz.

Standing: War bei West Ham eine Stütze im Mittelfeld und fühlt sich auf der Insel wohl, wird aber wohl kaum den Gang in die knochenharte Championship mitmachen. Besitzt angeblich auch eine Vertragsklausel, die es ihm trotz Vertrags bis 2013 möglich macht, ablösefrei zu wechseln. Wer schlägt zu?

SPOX meint: Hat in der Saisonschlussphase bewiesen, dass er es noch drauf hat. Stünde einigen Bundesligisten trotz der bekannten Geschwindigkeitsdefizite gut zu Gesicht.

 

Selim Teber (Kayserispor/Türkei): 32 Spiele, 2 Tore

Rückrundenbilanz: Absolvierte fast alle Spiele über die komplette Distanz. Hat als Denker und Lenker im Mittelfeld gleich in seiner ersten Saison eine zentrale Rolle eingenommen und gehört auch schon zu den drei Kapitänen der Mannschaft. Hielt in der Rückrunde allerdings nicht ganz das Niveau.

Standing: Trainer Arweladse nennt ihn "meinen wichtigsten Spieler". Teber ist nicht nur Taktgeber der Mannschaft, sondern auch wichtiger Ratgeber der überwiegend jungen Mitspieler.

SPOX meint: Alles richtig gemacht. Teber blüht in Kayseris ruhigem Umfeld voll auf. Auch wenn es Transfergerüchte um seine Person gibt, ist Teber gut beraten, dem entwicklungsstarken Kayserispor die Treue zu halten.

 

Cenk Tosun (Gaziantepspor/Türkei): 14 Spiele, 10 Tore

Rückrundenbilanz: Kam erst in der Winterpause von Eintracht Frankfurt und legte beeindruckende Leistungen und Zahlen hin: zehn Tore und sechs Assists in 14 Spielen waren schlicht überragend. Kein Wunder, das nun die halbe Liga hinter ihm her ist.

Standing: Machte sich bereits vor seinem Wechsel einen Namen, weil Galatasaray großes Interesse zeigte. Wurde dann in kürzester Zeit zum Star, weil er mit Toren und großartigen Auftritten die Liga rockte. Nationaltrainer Hiddink ist bereits Tosuns größter Fan.

SPOX meint: Alles falsch gemacht, Eintracht! Seine zehn Tore hätte Frankfurt wohl mit Kusshand genommen. Tosun machte alles richtig: Er sagte Galatasaray ab, weil er dort keine Einsatzchancen sah und ging stattdessen zu Trainer Kafkas, der seit Jahren dafür bekannt ist, junge Spieler groß rauszubringen.

 

Teil 2: Von Dzeko bis Bance

Teil 3: Von Mondragon bis Valdez

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