Blitzlichter aus Europa

Forget the chocolate, Roo!

SID
Montag, 09.05.2011 | 13:10 Uhr
Wayne Rooney liegt mit Manchester United kurz vor der englischen Meisterschaft
© Getty
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Alex Ferguson verlangte von seinen Stars konsequentes Fasten vorm Chelsea-Game. Milan-Boss Galliani hat Angst um sein Herz, Hamit Altintop "verarscht" spanische Reporter. Und wo ist eigentlich der Zusammenhang zwischen Osama Bin Laden und Stoke City?

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Premier League

von Raphael Honigstein

Rooney fastet vor dem Endspiel: Gratulation an Manchester United, den Titel haben sich die Red Devils spätestens seit der souveränen Leistung gegen Chelsea am Sonntag redlich verdient. Aber gab es vorher wirklich Zweifel? Wer Wayne Rooneys Tweets verfolgte, ahnte, wie gewissenhaft und professionell sich Alex Fergusons Männer auf das Endspiel vorbereitet hatten. "Ich werde heute kein Chunky Kit Kat essen", teilte Roo am Samstagabend mit. Klar, dass Chelsea keine Chance hatte. Rooney hatte im Old Trafford übrigens noch Zeit, ein gut verstecktes "V" in Richtung der gegnerischen Fans zu gestikulieren, das englische Äquivalent zum Mittelfinger. "Stimmt nicht, er wollte dem Schiedsrichter zeigen, dass er eine bestimmte Sache nicht gesehen hatte", behauptete ein United-Sprecher, ohne dabei zu kichern. Laut Twitter zog sich Wazza nach getaner Titelarbeit zu einem Gläschen Wein oder zwei mit Gattin Coleen zurück, vielleicht auch, um seinen kleinen Kummer zu vergessen. Kollege Michael Owen hatte ihn vor dem Match wenig gewissenhaft und völlig unprofessionell hochgenommen. "Wie alt siehst du denn in dem Foto aus?", zwitscherte @themichaelowen, "Dein Gesicht ist das eines 12-Jährigen, aber dein Haar das eines 60-Jährigen". Der arme Wayne nahm es persönlich und tauschte sein Profi-Bild gegen das ManUtd-Logo aus.

Osama kann's egal sein: Arsenal muss seit kurzem ohne einen seiner berühmtesten Fans auskommen. Osama Bin Laden ging in der Saison 1993/94, das ist kein Witz, zu ein paar Spielen im Highbury und soll damals auch ein Trikot der Gunners gekauft haben. Spurs-Fans machten sich Jahre darüber lustig, müssen sich jetzt aber etwas neues einfallen lassen. Für den Judomeister und Terrorfürsten hatten die Ereignisse der letzten Tage genau genommen aber auch etwas Gutes. "Immerhin musste er nicht mehr Arsenals Leistung beim 1:3 in Stoke miterleben", schrieb der "Mirror" am Montag.

Entlarvt! Seit Wochen darf in Großbritannien wegen einer einstweiligen Verfügung nicht geschrieben werden, dass sich ein sehr berühmter Premier-League-Spieler mit einem "Seite 3"-Model namens Imogen Thomas vergnügt. Im Internet ist der Name des Mannes aber leicht zu finden - besonders jetzt, da ausgerechnet ein in Barcelona ansässiges Sport-Blatt seine Leser aufklärte und den Star bloß stellte. Bestimmt ist das Timing, wie vieles im Leben, nur Zufall.

Serie A

von Oliver Birkner

Galliani braucht Herzdoktor: Bis fast sechs Uhr morgens feierte der AC Milan in seinem Hotel in Rom ausgelassen den 18. Scudetto. Vor der Herberge hatte man per Transparent eine Nachricht für Roma-Kapitän Francesco Totti ("The King of Rome is not dead") ausgebreitet - "The Kings of Rome sind wir!" Nach diversen Schampusbädern vergnügten sich Pato, Kevin-Prince Boateng und Antonio Cassano auf dem Balkon im Werfen von Wasserbomben, während Geschäftsführer Adriano Galliani im Restaurant leicht die Knie zitterten. Als Gegenleistung für die Meisterschaft muss das Milan-Schwergewicht wie ausgemacht mit Massimiliano Allegri den beschwerlichen Fünf-Kilometer-Anstieg zu einer Wallfahrtskapelle hochmarschieren. "Zur Sicherheit nehme ich meinen Kardiologen mit", sagte Galliani, auf den in den kommenden Wochen reichlich Arbeit wartet. Zehn Verträge mit einem aktuellen Nettovolumen über 80 Millionen Euro laufen aus, unter anderem die von Gennaro Gattuso, Andrea Pirlo, Massimo Ambrosini und Clarence Seedorf, den Cassano in Feierlaune "Milans Obama" taufte. Pirlo und Obama trugen jeweils 399 Mal das Trikot der Rossoneri, doch Galliani weiß, dass ihm Einsparungen größeren finanziellen Spielraum für den Mercato eröffnen. Vielleicht sogar für Kaka, von dessen SMS ("Glückwunsch, wir sind die Campioni d'Italia!") sich Galliani besonders gerührt zeigte und schniefte: "Für eine Rückkehr von Ricky würde ich alles tun." Neben dem neuen AC-Gesicht ist auch unklar, in welchem Stadion man künftig die Heimspiele austrägt. Schließlich forderte Patron Silvio Berlusconi nach der 27. Trophäe in seinem 25. Dynastie-Jahr: "Eigentlich müsste man das San Siro deshalb nach mir benennen - Real Madrid tat das zu Ehren von Senor Santiago Bernabeu ja auch." Die Interisti werden womöglich gegen diese Forderung ein Veto einlegen.

Ex-Milan Star hat sich total im Griff: Der ehemalige AC-Keeper Sebastiano Rossi feierte die Meisterschaft auf seine ganz persönliche Weise - in Handschellen. Rossi, der in zwölf Jahren Milan u.a. fünf Scudetti und einen Landesmeisterpokal holte, genehmigte sich in einer Bar in Cesena Samstagabend eine Zigarre, während er Kaffee orderte. Die Bedienung verwies höflich aufs Rauchverbot und ging mit gutem Beispiel voran für eine Zigarette vor die Tür. "Mach mir meinen Scheiß Kaffee", polterte Rossi, schleuderte die Zigarre dabei gegen sie und räumte brüsk ein paar Gläser vom Tisch. Als ein Carabiniere in zivil bedächtig einschritt, machte dessen Mund Bekanntschaft mit Rossis Faust. Kurz darauf wurde er in Handschellen abgeführt. Dabei hatte Rossi nach dem Karriere-Ende eigentlich eine unaufgeregte Pensionierung durchlebt. 2007 wurde er in einer sentimentalen Liaison ohne Happy End wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung angezeigt - zusammen mit einem Kumpel, der sich neben Kidnapping als Bodyguard von Eros Ramazzotti auszeichnete. Im letzten Jahr überraschten die Carabinieri Rossi in Besitz illegaler Drogen. Gute Freunde kann niemand trennen.

Peinlicher Elfmeter: Von Handschellen redete kürzlich übrigens auch Lazio-Präsident Claudio Lotito. Der witterte nämlich einen fiesen Komplott gegen sein Team, dem einige Elfmeter versagt worden waren. Am Sonntag in Udine stellte sich heraus, dass die Referees sicher auf den Strafstoß-Pfiff verzichteten, um Lazio erbärmliche Figuren wie diese zu ersparen.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Riesen-Interview mit Hamit: Um die 200 Euro kostet ein Flug Madrid - München und zurück. Am Wochenende wird's ein bisschen teurer, so um die 300 Steine. Peanuts für größere Zeitungsverlage in Spanien, die ohnehin glänzende Konditionen mit Iberia ausgehandelt haben. Folglich machte sich ein Duo der Zeitung "AS", Reporter und Fotograf, am Sonntag auf nach München mit dem Ziel: Säbener Straße 51. Halb Spanien hatte am vorangegangenen Freitag gemeldet, dass Hamit Altintop ins Visier von Real-Coach Jose Mourinho geraten ist. Das wollte "AS" genauer wissen. Geduldig beobachtete das Duo am Sonntagvormittag das Auslaufen der Bayern nach der Trainingseinheit auf St. Pauli. Als Altintop anschließend das Gelände im Dienstwagen verlassen wollte, wurde er gestellt.

AS: "Sprechen Sie Englisch?"

Altintop: "Ja".

AS: "Wir kommen aus Spanien, von 'AS', um Sie zum Interesse von Real Madrid zu fragen."

Altinop fährt wortlos das Autofenster hoch und zieht davon. Dieser Ausflug hat sich mehr als rentiert für die spanischen Kollegen.

Super-Depor am Boden: Wer erinnert sich nicht an das legendäre 4:0 im Champions-League-Viertelfinale gegen den AC Milan? Wer erinnert sich nicht an den Dreierpack von Roy Makaay in der CL-Vorrunde in München? Ach ja, 2000 schnappte Depor Real und Barca den Meistertitel weg. Und jetzt? Drei Spieltage vor Saisonende steht La Coruna auf einem Abstiegsplatz, weil Gegner Gijon am Samstag beim 2:2 zwei unberechtigte Elfmeter versenkte, den zweiten in der 96. Minute. Trainer Miguel Angel Lotina war außer sich: "Ihr seid doch alles Schurken! Das waren keine Elfmeter, nie und nimmer!" Anders als z. B. in Frankfurt stehen die Fans noch hinter der Mannschaft. Bei der Rückkehr aus Gijon wurde Depor von 150 Anhängern mit aufmunterndem Applaus erwartet. "Depor-Fans geben nie auf", riefen die Fans. Noch ist auch nicht aller Tage Abend, Depor steht nur aufgrund des schlechteren Tordifferenz auf Platz 18. Doch ein Blick aufs Restprogramm verheißt nichts Gutes: Die Gegner heißen Athletic Bilbao, FC Barcelona und FC Valencia.

Pep lässt es endlich raus: Derbysieger und weiterhin acht Punkte Vorsprung auf Real Madrid. Der FC Barcelona benötigt aus den letzten drei Spielen noch einen popligen Zähler, um den Titel erfolgreich zu verteidigen. Da jubelte sogar der chronisch zurückhaltende Trainer. "Zum ersten Mal ist die Meisterschaft in greifbarer Nähe", sagte Pep Guardiola nach dem 2:0 gegen Espanyol. Doch Pep wäre nicht Pep, wenn er die Einschränkung nicht gleich mitliefern würde. "Die einzige spanische Mannschaft, die in dieser Saison bislang einen Titel gewonnen hat, ist Real Madrid." Der Erzrivale holte "nur" die Copa del Rey, Barca ist praktisch Meister und steht im CL-Finale. Und das alles so was von berechtigt, meint zumindest Spielmacher Xavi. "Bei allem, was uns in den Clasico-Wochen widerfahren ist, haben wir es den Meistertitel mehr als verdient. Die Art und Weise, wie wir von einigen Medien, die Real Madrid nahestehen, attackiert wurden, geht weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus", sagte Xavi. Man darf sich schon auf den spanischen Supercup freuen. Irgendwann im August treffen sich der designierte Meister Barca und Pokalsieger Real wieder. Und gleich wieder zwei Mal. Der Supercup wird in Spanien in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Na bravo...

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