Slawisch fluchen mit Zlatan

Von SPOX
Montag, 11.04.2011 | 12:55 Uhr
Zlatan Ibrahimovic sah in Florenz schon wieder glatt Rot - so hilft er Milan im Meisterkampf nicht
© Getty
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Peter Crouch bemühte sich nach seinem Platzverweis in Madrid nichts Dummes zu machen. Auch Jens Lehmann schaffte es fast ohne Dummheiten auszukommen und gab sein Comeback in der Premier League. Dies ist Zlatan Ibrahimovic nicht ganz gelungen. Dazu: Neapolitanische Müllberge und fluchende Polizeipräsidenten.

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Serie A

von Oliver Birkner

Die ersten heißen Tage: Was Italien traditionell ab Ende März befürchtet, ist nun eingetreten. "I primi caldi" sind da - die ersten heißen Tage. Und die Temperaturen auf den meisten Plätzen über 30 Grad hinterließen ihre Spuren am Geisteszustand bei einigen Beteiligten. Beispielsweise in Palermo, das es in Überzahl tatsächlich fertigbrachte, gegen den Drittletzten Cesena einen 2:0-Vorsprung zu verbaseln - und das in der Nachspielzeit. Die dezimierten Gäste trafen in der 92. und 96. Minute, was Cesenas Ersatzkeeper dazu veranlasste, wild vor der Palermo-Bank herumzutanzen. Das zog ein prächtiges Handgemenge zwischen Betreuern und Spielern auf dem Feld und später im Kabinengang nach sich. In Genua waren die Fans ob des 1:2 ihrer Sampdoria gegen Lecce verständlicherweise wenig amused, was sie jedoch kaum berechtigte, die Spieler-Autos nach Schlusspfiff per Spucke und Fußtritten umzugestalten. Als Krönung schwadronierte Lazio-Präsident Claudio Lotito nach dem 2:0 über Parma, er habe eine Task Force gegründet, um zu überwachen, ob die letzten sechs Spieltage regulär verlaufen. Wer genau in dieser Lazio-Force sitzt, wurde nicht bekannt (vielleicht Angestellte aus seinem Reinigungsunternehmen?). Aber in Italien muss eben auf alles gefasst sein, bei den "primi caldi".

Slawische Flüche aus Schweden: Am Abend hatten sich die Temperaturen in Florenz zwar leicht beruhigt, manch Anwesender schien aber immer noch überhitzt. Der florentinische Polizeipräsident schrie dem Referee nach einem ausgebliebenen Elfmeterpfiff minutenlang zu, wie er en Detail Eltern, Geschwister und überhaupt alle Verwandten des Unparteiischen einschätzte. Da ließ sich Milans Zlatan Ibrahimovic natürlich nicht lumpen und diffamierte aufs Übelste den Linienrichter, der es gewagt hatte, nicht ihm, sondern der Fiorentina einen Einwurf zuzuwinken. "Ich war unzufrieden und habe auf Slawisch und Italienisch gegen mich selbst geflucht", erklärte Ibra entschuldigend. Der Mann an der Linie hatte scheinbar das wichtigste slawische Vokabular drauf und Ibrahimovic sah glatt Rot. Er wäre für die nächste Aufgabe ohnehin Gelb-gesperrt gewesen, doch nun drohen ihm zwei bis drei Partien Zwangspause. Der Schwede war übrigens gerade erst von einer Rot-Sperre zurückgekommen und erweist sich im Titel-Endspurt somit als intelligente Hilfe für sein Team.

Scudetto-Träume und heiße Müllbergzonen: Neapel ließ sich hingegen nichts zuschulden kommen und brilliert derzeit in puncto Euphorie und schwarzem Humor. Seit kurzem hat sich ein Lokal-TV vom Wetterbericht verabschiedet und präsentiert dafür täglich die heißen Müllbergzonen der Region, dargeboten von einer Signora in Plastik-Müllsack gekleidet. Alles halb so wild mit dem Abfall, wenn Napoli den ersten Scudetto seit 1990 erringen könnte. "Ich lasse die Stadt mit Kino und Fußball träumen", sagte Filmproduzent und Klubeigner Aurelio De Laurentiis. Napoli auf Maradonas Spuren, und den Müll kann man ja jetzt dank Vorhersage auch umkurven.

Premier League

von Raphael Honigstein

Mad Jens is back! 11 Monate nach seinem letzten Bundesligaspiel kam der 41-Jährige am Sonntag unverhofft gegen Blackpool zum Einsatz. Der Ex-Nationaltorwart zeigte bis auf die ersten 15 Minuten eine recht souveräne Leistung, wenn man von seiner Notbremse gegen DJ Campbell absieht. (Hätte Lee Mason nicht Vorteil gegeben, wäre Lehmann wohl vom Platz geflogen. Und da Manuel Almunia nicht spielen konnte, hätte Robin van Persie ins Tor gemusst). Arsene Wenger wollte das Comeback des Deutschen hinterher nicht überbewerten: "Ich war nicht beunruhigt, weil ich einen guten Torwart für einen guten Torwart bringen konnte." Das sahen manche anders. "Lehmann war in etwa so zuverlässig, wie die gleichnamige Bank aus Amerika", ätzte die "Times" am Montag.

Crouch findet seine Hose wieder: Eine Art Comeback legte auch Peter Crouch an. Der Lange erzielte beim 3:2-Sieg gegen Stoke City zwei Treffer und machte damit immerhin einen Teil des Schadens gut, den er mit seiner selten dämlichen roten Karte gegen Real Madrid am vergangenen Dienstag angerichtet hatte. "Ich wollte unbedingt spielen und hatte mir vorgenommen, nichts Dummes zu machen", sagte der Stürmer nach dem Match. Der Platzverweis im Bernabeu sei ein "Tiefpunkt" seiner Karriere gewesen, sagte er, dabei hatte er ja in der spanischen Hauptstadt bereits im vergangenen August buchstäblich daneben gelegen. Ein Junggesellenabend endete damals mit einer ähem, "interessanten" Taxi-Fahrt und einer 800 Euro teuren Nacht mit einer gewissen Monica Mint. So etwas vergisst der englische Boulevard natürlich nicht. "Crouch wird schon wieder ohne Hose erwischt", titelte die "Sun" nach dem 0:4-Debakel letzte Woche.

Feindliche Übernahme reloaded: Während der US-Millionär Stank Kroenke die nächste Übernahme eines Premier-League-Klubs anstrebt - im Laufe des Montags dürfte er die Mehrheit der Aktien beim FC Arsenal übernommen haben - erzählte Rafa Benitez Befremdliches von seiner Liverpool-Zeit unter den zwei Alten aus der Muppet Show alias Hicks und Gillett. "Irgendwann fingen sie an, Worte wie 'Draft' zu benützen, 'wir müssen Spieler im Draft kaufen'", sagte der Spanier in einem Interview mit der "Times". Wahrscheinlich war das gar keine Unkenntnis auf Seiten der Amerikaner, sondern ein perfider Trick, und die Konversation lief danach so ab. Benitez: "Es gibt doch gar keinen Draft in der Premier League!". Eigentümer: "Ach so? Tja, dann können wir leider auch keine Spieler kaufen". Benitez: "Aber..." etc etc.

 

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Die Welt nach Cruyff: 16. April, 20. April, 27. April und 4. Mai. Das sind die Termine für die clasicos zwischen Barca und Real. Mehr geht nicht. Auch Johan Cruyff wird ganz schwummerig vor Augen, wenn er in seinen Kalender schaut. Und um nicht den Überblick zu verlieren, empfiehlt er, Prioritäten zu setzen. Vermutlich aus Höflichkeit bemerkt der heimliche Real-Fan, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass ein Team - also nicht einmal Barca - alle vier Spiele gewinnen könne. Wichtig sei in dieser Angelegenheit, dass man - also Barca - die richtigen Spiele gewinne. Die richtigen Spiel, die es - für Barca - zu gewinnen gelte, sind, so Cruyff, das Pokalfinale (20.4.) und das Rückspiel im Halbfinale der Champions League (4. Mai). Diese Spiele müsse man - also Barca - gewinnen, dann wäre am Ende alles gut. Konkret wurde der 63-Jährige bei seinen Ausführungen aber nicht.

Jetzt wird's richtig heiß: Wo wir gerade über den clasico reden... Ja, es wird langsam hitzig. Und als wäre die Gemengelage nicht ohnehin schon eine äußerst explosive, gießen zwei der Protagonisten gallonenweise Öl ins Feuer. Weiß der Teufel, welcher Geier (sic!) Real-Torsteher Iker Casillas geritten hatte, als er doch tatsächlich behauptete, dass man die Liga und damit den Meistertitel noch nicht aufgegeben habe. BATZ! Volltreffer! 1:0 für Real. Doch sein Pendant im Barca-Tor ist auch nicht auf den Mund gefallen und spielte im spanischen Fernsehen gekonnt den Amnestiker: "Der letzte Sieg von Real gegen Barcelona?", grübelte Valdes angestrengt und legte die Stirn in Falten. "War das noch schwarz-weiß oder schon in Farbe?" Brüller. Am 7. Mai 2008 gewann Real übrigens das letzte Mal gegen Barca. Mit 4:1. Die Bundesliga-Gang Raul, Robben, van Nistelrooy traf damals für die Königlichen, die am Ende mit 18 Punkten Vorsprung auf den Erzrivalen Meister wurden.

"La otra liga": Ein ganz großer Glückwunsch geht an den FC Valencia. Das Team von Trainer Unai Emery steht seit Sonntagnacht als Meister der anderen Liga fest. Die andere Liga ist das in Spanien, was nach Barca und Real kommt. Da die Primera Division ja so groß ist, reicht das auch: 18 Teams wie in der Bundesliga und Valencia ist Champion. Vor den Champagnerrausch hatte der Herrgott, beziehungsweise der Spielplan, aber noch ein hartes Stück Arbeit gestellt. Verfolger Villarreal hatte sich im Mestalla vorgestellt. Klares Ziel: Mit Vize geben wir uns nicht zufrieden. Und das Ding hätte durchaus noch kippen können. Irgendein Sieg hätte den Gästen schon gereicht und sie wären an die Tabellenspitze gesprungen, doch dagegen hatten die Hausherren verständlicherweise etwas einzuwenden. Am Ende mussten Soldado, Mata und Banega aber schon fünf Tore schießen, um den Widerstand der Gäste zu brechen. Denen war zwar kein eigener Treffer gelungen, der Spannung tat das aber keinen Abbruch. Klare Erkenntnis: "La otra liga" ist der Hit. Barca und Real braucht kein Mensch.

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