Stefan Wessels im Interview

Auf der Harley durchs Bengalo-Spalier

Von Interview: Florian Bogner
Donnerstag, 24.02.2011 | 12:38 Uhr
Stefan Wessels steht zur Rückrunde beim dänischen Vize-Meister Odense BK zwischen den Pfosten
© Imago
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Stefan Wessels is back: Der 31-Jährige steht zur Rückrunde beim dänischen Vize-Meister Odense BK im Tor. Im Interview spricht der Ex-Bundesliga-Torhüter über das Abenteuer Dänemark, über Meisterpartys, die besser sind als beim FC Bayern, und über eine mögliche Zukunft als Torwarttrainer.

SPOX: Stefan Wessels, Everton, Osnabrück, Basel - jetzt Odense BK. Sie werden ja langsam zum Weltenbummler.

Stefan Wessels: Ja, scheint so! Schon komisch, denn eigentlich ist es nicht mein Ding, von Verein zu Verein zu springen - und das von meiner Familie natürlich auch nicht. Deswegen bin ich jetzt umso glücklicher, einen etwas längerfristigen Vertrag bis 2012 zu haben.

SPOX: Wieso Odense?

Stefan Wessels: Es war von Anfang an klar, dass mein Gastspiel in Basel nur auf eine Saison begrenzt ist. Es gab dann zwar einige Angebote, aber die haben aus verschiedensten Gründen nicht gepasst. Deswegen hat es solange gedauert. Als dann das Angebot aus Odense kam, war sofort für mich klar, dass das eine interessante Aufgabe ist.

SPOX: Den dänischen Fußball hat man in Deutschland aber nicht unbedingt auf dem Radar.

Wessels: Trotzdem ist die dänische Liga für mich sehr reizvoll. Kopenhagen hat es ja jetzt auch bis ins Champions-League-Achtelfinale geschafft. Odense ist derzeit in der Liga Zweiter - und der Zweite darf in die Champions-League-Qualifikation. Das hört sich sehr spannend an.

SPOX: Wie sieht das sportlich für Sie aus?

Wessels: OB hatte mit Roy Carroll einen guten Mann zwischen den Pfosten - der hat immerhin mal bei Manchester United gespielt. Irgendwie hat das aber nicht mehr gepasst und sie haben im Winter einen Nachfolger gesucht. So sind wir zusammen gekommen.

SPOX: Klingt nach einer glücklichen Fügung.

Wessels: Klar. Die haben dort aber auch klar gesagt: 'Moment mal, Du bist ein halbes Jahr ohne Verein, da wollen wir schon sehen, wie Du drauf bist.' Ich musste vier Tage ins Probetraining, was aber perfekt war, weil ich dadurch bereits erste Eindrücke von den Trainingsbedingungen, der Mannschaft und der Stadt bekommen habe. Es hat alles gut geklappt und so sind wir uns einig geworden. Mitte Januar bin ich dann ins Trainingslager nach Portugal nachgereist.

SPOX: Sagt Ihnen eigentlich der Name Lars Hoegh etwas?

Wessels: Nein, auf Anhieb nicht.

SPOX: 817 Spiele für Odense, Torhüterlegende und jetzt Torwarttrainer der dänischen Nationalmannschaft.

Wessels: Ah, doch, jetzt fällt es mir wieder ein! Da hat mich schon mal jemand drauf angesprochen. 817 Spiele? Werde ich mir merken, mit dem Wissen kann ich angeben (lacht).

SPOX: Noch was zum Angeben: Odense hat mal Real Madrid im Bernabeu geschlagen, 1994, im UEFA-Cup.

Wessels: Stark. Ich muss öfter mit Euch sprechen! Auch davon hatte ich bis jetzt noch nichts mitbekommen, aber ich bring' die Geschichte mal an den Mann.

SPOX: Sie sagen, dass sie froh sind, nun für mindestens eineinhalb Jahre Sicherheit zu haben.

Wessels: Das war für mich ein wesentlicher Punkt und der Hauptgrund dafür, dass ich vielen anderen abgesagt habe. Ein Jahr wäre mir zu kurz gewesen. Ich hatte im August ein Angebot aus Österreich, was sportlich sehr interessant war. Aus Vietnam und Indonesien hatte ich auch Anfragen. Spannend, keine Frage, aber das wäre familiär für mich nicht drin gewesen.

SPOX: Also Familie an erster Stelle, die Karriere an Nummer zwei.

Wessels: Nein, so ist es jetzt auch nicht. Wenn nur die Familie zählen würde, wäre ich in Osnabrück geblieben. Es muss beides passen, aber ich kann und will beides nicht mehr voneinander trennen.

SPOX: Was haben Sie denn schon von der Stadt gesehen?

Wessels: Leider noch nicht so viel, ich war erst ein paar Tage dort. Ein bisschen vergleichbar mit Osnabrück. Fahrradstadt. Gleiche Größe. Überschaubar. Ideal für die Familie. Wenn mein erster Eindruck stimmt, dann werden wir uns hier sehr wohl fühlen.

SPOX: Bevor Sie bei Odense gelandet sind, haben Sie sich bei den Sportfreunden Lotte fit gehalten und nebenbei das Torwarttraining geleitet. Eine Option für Sie nach der aktiven Karriere?

Wessels: Ich hatte das bisher eigentlich kategorisch ausgeschlossen, weil ich das Vagabundentum des Profi-Fußballs anschließend nicht mehr mitmachen wollte. Aber das hat mir jetzt sehr viel Spaß gemacht und ich könnte mir das schon vorstellen. In welcher Funktion, ob in der Jugend oder woanders, weiß ich nicht. Aber ich habe gesehen, dass es für mich in diese Richtung gehen könnte und ich etwas vermitteln kann.

SPOX: Obwohl Sie in Basel zuvor nur Back-Up waren und nur drei Spiele gemacht haben, scheint Ihnen die Zeit in der Schweiz sehr gut getan zu haben.

Wessels: Absolut! Das war ein ganz tolles Jahr und hat viel Spaß gemacht, nachdem ich zuvor ein bisschen den Spaß am Fußball verloren hatte. Die Spiele, die ich gemacht habe, waren alle gut. Alle waren zufrieden. Ich habe in der kurzen Zeit viele neue Freunde gewonnen und einen guten Eindruck hinterlassen. Wir sind nebenbei Meister und Pokalsieger geworden - ich möchte die Zeit nicht missen.

SPOX: Auf Ihrer Homepage haben Sie über Ihren Europa-League-Einsatz gegen AS Rom geschrieben: 'Ich denke Totti wird mich so schnell nicht vergessen.'

Wessels: Das war nur ein kleiner Scherz. (lacht) Ich habe in dem Spiel ganz gut gehalten und beinahe einen Elfmeter von Totti pariert, das war es letztlich. Es war wirklich ein schönes Jahr in der Schweiz. Das und die Zeit in England zuvor haben meinen Horizont erweitert. Dänemark wird mich noch ein Stück weiter bringen.

SPOX: Erzählen Sie von der Meisterfeier in Basel.

Wessels: Das war krass. Den Pokal hatten wir schon in der Tasche und dann haben wir das Meisterschaftsfinale in Bern für uns entschieden. Wir sind freudetrunken mit dem Zug am Bahnhof angekommen und plötzlich standen da dreißig Harleys, auf denen wir mit Schrittgeschwindigkeit durch die Menschenmenge zum Barfüßerplatz - dem Marienplatz von Basel - gefahren wurden. Also 'gefahren' ist fast schon übertrieben.

SPOX: Klingt atemberaubend.

Wessels: Absolut. Als wir dann dort ankamen, standen da 25.000 bis 30.000 Leute und haben Bengalos abgebrannt. Du hast nichts mehr gesehen. Alles voller Rauch. Gigantisch. Von der Atmosphäre her sogar noch ein bisschen besser als mit Bayern auf dem Marienplatz. Wow.

SPOX: Letztes Jahr gab es bei SPOX ja eine Online-Petition, in der User einen neuen Verein für Sie finden wollten. Sind Sie noch ab und zu auf der Seite?

Wessels: Die Aktion habe ich natürlich nicht vergessen! Und klar, wenn ich im Internet unterwegs bin, dann lande ich auch immer wieder auf SPOX. Ich habe neulich erst Kontakt mit einem der Initiatoren der Petition gehabt, allerdings über Facebook (lacht).

SPOX: Verfolgen Sie eigentlich noch die Torwartszene in Deutschland?

Wessels: Klar.

SPOX: Rückkehr also nicht ausgeschlossen.

Wessels: Man weiß nie, was passiert. Doofer Spruch, ich weiß, aber so ist es nun mal. Aktuell freue ich mich erst einmal auf eine erfolgreiche Zeit mit OB.

Stefan Wessels im Steckbrief

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