International: Blitzlichter aus Europa

"Hängen oder auf den elektrischen Stuhl"

Von SPOX
Montag, 28.02.2011 | 14:45 Uhr
Au Backe! Wigans James McCarthy (l.) reibt sich nach einem Foul von Wayne Rooney die Wange
© Imago
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In Italien bahnt sich eine unheilige Allianz zwischen Palermo-Zampano Maurizio Zamparini und Porno-Coach Serse Cosmi an. In England tritt Sir Alex Ferguson nach einem Ellenbogenschlag von Wayne Rooney die Flucht nach vorne an. Thomas Hitzlsperger darf hingegen als erster Deutscher ungestraft Bomben ins East End setzen. Spaniens Spieltag bestimmten mal wieder Jose Mourinhos Nörgeleien.

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Serie A

von Oliver Birkner

Zamparini feuert Nichtsnutz: Es war ja beinahe schon unheimlich, dass Maurizio Zamparini seit dem 14. Spieltag der vergangenen Saison keinen Coach mehr entlassen hatte. Nun ist die Welt wieder in Ordnung, denn Delio Rossi wurde von US Palermo beurlaubt. Für Patron Zamparini bedeutete es die 28. Trainer-Entlassung, seit er sich vor 24 Jahren mit Venedig ins Abenteuerland des Calcio stürzte. 2002 übernahm er Palermo und beschäftigte seither zwölf Übungsleiter. Die Idee, Rossi vor die Tür zu setzen, kam Zamparini am Sonntag bereits in der Halbzeit. Da kontaktierte er auf der Tribüne per Handy so ziemlich jeden arbeitslosen Coach der Halbinsel. Zwischendurch rief er den Journalisten zu: "Ich hätte Rossi schon an Weihnachten rauswerfen sollen, diesen Nichtsnutz, der mein Palermo zerstört hat!" Sein Palermo lag daheim gegen Udinese Calcio nach 45 Minuten 0:5 hinten - am Ende verlor man 0:7. Es war nicht nur die höchste Niederlage der fast 111-jährigen Vereinsgeschichte, sondern auch der zweithöchste Auswärtssieg der Serie A seit 1929 (Rekord: Venezia vs. Padua 1949 und Genua vs. Milan 1955, je 0:8). Immerhin fand Udine-Coach Francesco Guidolin tröstende Worte für den Kollegen, schließlich war er selbst bereits drei Mal von Zamparini beurlaubt worden, einst mit den famosen Worten: "Da setze ich lieber meine Frau auf die Bank. Die versteht mal gar nichts von Fußball, würde aber besser aufstellen als Guidolin."

Duo infernale in Palermo? Nächstes Trainer-Opfer in Palermo soll übrigens Serse Cosmi werden - Zamparini und Cosmi, das könnte ganz großes Kino werden. Bei seiner ersten Station im Amateurbereich, ließ Cosmi auf jeder Auswährtsfahrt einen Pornofilm im Teambus einlegen, um den Zusammenhalt zu stärken. Er führte den Klub von der Kreisklasse in die Oberliga. Später trainierte er Perugia unter dem wahnwitzigen Patron Luciano Gaucci. Der trieb den Verein mit dunklen Geschäften zwar in den Bankrott und setzte sich flugs in die Dominikanische Republik ab, kam zuvor aber stets auf findige Ideen, so dass Cosmi einmal sagte: "Hier habe ich fast alles trainiert, Spieler aus Neuguinea und Tibet, mir fehlt nur noch einer aus Sibirien." Gaucci schaute 2003 jedoch nach Deutschland und wollte Birgit Prinz als erste Frau für den Männerfußball verpflichten. Auch damit besaß Cosmi keinerlei Problem und kommentierte: "Dann spiele ich statt 4-3-3 eben 90-60-90."

Der 75-Minuten-Titelanwärter: Cosmi ist übrigens brennender Fan der AS Roma und Verehrer von Francesco Totti, von dem er seit Jahren ein Panini-Bild im Portemonnaie trägt. Totti feierte am Sonntag seinen 600. Einsatz mit dem 252. Treffer für die Giallorossi. Doch selbst ein zwischenzeitliches 2:0 gegen Parma reichte wieder mal nicht für drei Punkte - am Ende stand es 2:2 und die Roma hatte zum sechsten Mal eine Führung verspielt. 24 der 38 Gegentreffer kassierte man in dieser Saison in der letzten halben Stunde und Trainer Vincenzo Montella klagte: "Würden die Spiele 75 Minuten dauern, wären wir im Titelrennen dabei." Vielleicht sollte er sich mal ein paar Filmchen bei Serse Cosmi ausborgen, die schweißen bekanntlich zusammen.

Premier League

von Raphael Honigstein

Hängt ihn höher! Neben dem katastrophalen Last-Minute-Fehler von Wojciech Szczesny und Laurent Koscielny im League-Cup-Finale bestimmte am Wochenende vor allem die Diskussion um Wayne Rooneys Ellbogenschlag gegen James McCarthy die Debatten. Der 25-Jährige will, falls es vor dem Spiel gegen Chelsea am Dienstagabend noch zu einem Disziplinverfahren durch die FA kommt, angeblich auf Selbstverteidigung plädieren. Ja, so kann man das natürlich sehen. Ähnlich plausibel war auch die Argumentation von Sir Alex Ferguson. "Das war gar nichts", sagte der Schotte, "aber die Presse wird eine Kampagne starten, damit sie ihn bis Dienstag hängen oder auf den elektischen Stuhl setzen. Unglaublich." Man muss diese Aussage wohl als aggressive Vorwärtsverteidigung verstehen: Fergie spekuliert darauf, dass der Verband sich ungern als von den Medien beeinflusst zeigen will. Rooney kommt nun auch aus anderem Grund noch einmal um den elektrischen Stuhl herum - da Schiedsrichter Mark Clattenburg die Szene äußerst verständnisvoll mit einem einfachen Foul (ohne Gelb) bewertete, wollte die FA nicht einschreiten.

Ashley "Sniper" Cole: "Wayne Rooney wird zur Strafe fusiliert - von Ashley Cole". Klar, dass dieser Witz am Sonntag die Runde machte. Chelseas Linksverteidigers hat vor zehn Tagen tatsächlich den Vogel bzw. einen Praktikanten abgeschossen. Mit einem Luftdruckgewehr soll der Nationalspieler laut der "News of the World" den Sportwissenschaft-Studenten Tom Cowan auf dem Trainingsgelände versehentlich erwischt haben. Angeblich habe Cole nicht gewusst, dass die Wumme geladen war. Nun, das kann ja jedem Mal passieren. Chelsea versucht den Fall kleinzuhalten, aber die Polizei versteht blöderweise keinen Spaß. Gegen den Schützen wurde ein Verfahren eingeleitet.

Willkommene Bomben im East End: Der und die Hammer sind wieder da! Thomas Hitzlsperger war nach dem 3:1-Sieg gegen Liverpool zum zweiten Mal binnen einer Woche der gefeierte Mann. "Du kannst unser Erlöser sein!", hatte ihm ein Fan nach dem 5:1-Pokalsieg gegen Burnley am vergangenen Montag zugerufen. Nicht weniger als fünf Fotos des 28-Jährigen zierten am Sonntag das Stadion-Heft, Klub-Präsident David Sullivan bezeichnete den ehemaligen Stuttgarter sogar als "Schlüsselspieler" für die Saison. Hitz spielte gegen die Reds stark und bereitete das sehenswerte 1:0 von Scott Parker (Bauernspitz-Schlenzer!) mit einem präzisen Doppelpass vor. In der Halbzeitpause war der ehemalige West-Ham-Spieler Martin Allen begeistert. "Das ist das erste Mal, dass ein Deutscher im East End für seine Bomben gefeiert wird", sagte der früher als "Mad Dog" bekannte 45-Jährige. Das Stadtbild im Osten Londons hat sich bis heute nicht von den Angriffen der deutschen Luftwaffe erholt. Immerhin sieht die (Tabellen-)Lage wieder etwas besser aus.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Hab' ich nicht - hast Du doch! Athletic Bilbao zockte in der letzten Woche gegen den FC Barcelona im Camp Nou ordentlich auf, verlor aber 1:2. Auch das nächste Spiel ging in die Hose. Wieder gegen ein Spitzenteam, wieder 1:2 - der FC Valencia gewann das Verfolgerduell im San Mames. Bilbaos Star Fernando Llorente war aber wegen ganz anderen Dingen angepisst. Che-Kapitän David Navarro hatte ihm Anfang der zweiten Halbzeit im Luftkampf den Ellbogen ins Gesicht gerammt und dafür nicht einmal die Gelbe Karte gesehen. Llorente war außer sich: "Die ganze Welt weiß, das Navarro ein Spieler ist, der andere verletzen will. Was er gemacht, ist eine Sauerei - höchst peinlich!" Der Gescholtene sah das freilich anders. "Man kann mir nicht unterstellen, dass das Absicht war. Ich wollte niemanden verletzen", so Navarro. Papperlapapp, meinte Llorente: "Es ist unerträglich, dass diese Spieler solche Dinge tun und dafür von den Schiedsrichtern nicht einmal bestraft werden." Vielleicht klären die beiden das ja demnächst mit einem Luftgewehr-Duell.

Merken: Wenn eine Mannschaft von Jose Mourinho nicht gewinnt, sind immer die anderen schuld. Zu dumm nur, dass Mourinhos Lieblingssündenbock (der Schiedsrichter) sich beim 0:0 in La Coruna keinen gravierenden Fehler leistete. Also wurde mal wieder auf die Offiziellen geschimpft: "Meine Spieler hatten nicht genug Pause nach dem Spiel in Lyon, es wäre fairer gewesen, wenn wir erst am Sonntag hätten spielen dürfen." Stimmt, vier Tage Pause sind auch wirklich kurz. "Der Spielplan wird von Leuten gemacht, die genau wissen, was sie tun", mäkelte der Portugiese und deutete einen Vorsatz zum Nachteil seines Teams an: "Sie machen, was sie wollen und sie werden genauso weitermachen." Das nächste Mal beschwert sich Mou wahrscheinlich über die späte Anstoßzeit in Spanien...

Bruder Miguel, schläfst Du noch? In Valencia warteten sie am Freitag lange Zeit vergeblich auf Abwehrspieler Miguel. Für 10.30 Uhr war eine Trainingseinheit anberaumt (Treffpunkt: 10 Uhr), doch erst gegen 12 Uhr schlurfte der Portugiese daher. Offenkundig hatte der 31-Jährige die Nacht zuvor gezecht, was erklärte, warum er seinen Wagen fern des Trainingsgeländes parkte und das Vereinsgelände über eine Hintertür betrat. Konsequenz: Trainer Unai Emery suspendierte den ehemaligen Seleccao-Spieler umgehend vom Trainings- und Spielbetrieb. Miguel ist in Valencias Nachtleben übrigens kein unbeschriebenes Blatt: 2009 war er bei einer Schießerei in einer Diskothek zugegen und muss deswegen noch vor Gericht aussagen. In der letzten Saison war Miguel auch schon mal zu spät zum Training gekommen: ausgerechnet beim offiziellen Foto-Termin.

DIASHOWDie umsatzstärksten Klubs Europas 2011

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