Das Land der Trainerschleudersitze

Von Aufgezeichnet von Jochen Tittmar
Donnerstag, 06.01.2011 | 20:26 Uhr
Der MSK Zilina wurde 2010 Meister in der slowakischen Corgon Liga
© Imago
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Premier League, Primera Division, Serie A - das Geschehen steht in der Sportberichterstattung fast täglich im Fokus. Weniger Beachtung hierzulande findet der Fußball aus anderen Ländern. SPOX hat sich in Europa umgesehen und zieht in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Experten ein Hinrundenfazit einiger ausgewählter Ligen. Heute: Die slowakische Corgon Liga.

Von Ladislav Harsanyi, Redakteur bei der Tageszeitung "SME" (www.sme.sk)

Die Hinrunde kompakt

Der amtierende Meister MSK Zilina war in der Hinrunde das deutlich stärkste Team und hat sechs Punkte Vorsprung auf den FK Senica.

Das Team von Ex-Bundesligaspieler Pavel Hapal spielt sehr offensiv und markierte bereits 38 Tore in 18 Spielen - Ligabestwert.

Die einzige Niederlage setzte es am 16. Spieltag beim 1:2 in Senica. Diese Pleite beendete Zilinas Serie von 25 ungeschlagenen Spielen.

Zilina hat auch die beiden besten Torschützen in ihren Reihen: Tomas Oravec traf zehnmal, Tomas Matjan neunmal.

Positive Überraschung

FK Senica. Vor der Saison übernahm Trainer Stanislav Griga das Ruder bei dem Klub, der erst seine zweite Saison in der Corgon Liga spielt. Griga setzt zumeist auf Konter und hat damit Erfolg. Senica profitierte von zwei Leihspielern, die im Sommer vom tschechischen Klub Slovan Liberec kamen: Ondrej Smetana und Jaroslav Divis schossen beide sieben Tore, was beinahe zwei Drittel aller Treffer der Mannschaft ausmacht.

Spartak Trnava mit der besten Defensive der Liga (nur neun Gegentore) und Dukla Banska Bystrica spielten eine gute Halbserie. Aufsteiger FC Zlate Moravce (Platz 6) hatte keine Probleme, sich an die Liga zu gewöhnen.

Die slowakische Corgon Liga

Negative Überraschung

Von Slovan Bratislava erwartete man, dass sie mit Zilina um die Tabellenspitze kämpfen. Heraus kamen viele enttäuschende Leistungen und nur Platz fünf.

Trainer Jozef Jankech wurde nach elf Spieltagen durch den Tschechen Karol Jarolim, den Vater von HSV-Kicker David Jarolim, ersetzt. Doch der Ex-Coach von Slavia Prag fuhr in sieben Spielen bislang nur einen Sieg und insgesamt acht Punkte ein.

Players to watch

Journalisten und Experten sehen in Zilinas Spielmacher Robert Jez den besten Spieler der Liga. Ich persönlich finde auch Zilinas Innenverteidiger Mario Pecalka stark. Der Nationalspieler ist sehr robust, hat ein gutes Positionsspiel und eine ordentliche Spieleröffnung. Ich denke, dass er auch in der Bundesliga spielen könnte, allerdings nicht bei einem Top-Team.

Auch einige junge Profis spielten sich in den Fokus. Robert Pillar (19) ist Stammspieler in Senicas Innenverteidigung. Roman Gergel (22) beeindruckte bei Zilina auf der Linksverteidigerposition. Im letzten Hinrundenspiel von Slovan Bratislava debütierte der 17-jährige Boris Turcak für 45 Minuten und erledigte seine Aufgabe souverän.

Das internationale Abschneiden

Zilina qualifizierte sich erstmals für die Gruppenphase der Champions League. Dies gelang zuvor nur dem 1. FC Kosice und Artmedia Petrzalka. Nach sechs Spielen ist das Team allerdings ohne Punktgewinn ausgeschieden. Besonders die 0:7-Heimniederlage gegen Olympique Marseille war ein Desaster. Im darauffolgenden Spiel schnupperte man an der Stamford Bridge zwar an der Sensation, doch Chelsea traf in der 86. Minute doch noch zum 2:1.

Slovan Bratislava scheiterte knapp an der Qualifikation zur EL-Gruppenphase. Im Rückspiel beim VfB Stuttgart führte Slovan schon 2:0, kassierte dann aber noch zwei Treffer und schied aus. Der FC Nitra (gegen Györ) und Duklas Banska Bystrica (gegen FC Sestaponi) schieden in der ersten bzw. zweiten Qualifikationsrunde aus.

Sonstiges

Sechs Vereine ersetzten ihren Trainer während der Hinrunde - das ist die Hälfte aller Erstligateams. Es kommen kaum Fans in die Stadien, der Zuschauerschnitt liegt bei unter 2500 Besuchern. Dies liegt nicht nur am bescheidenen sportlichen Niveau, sondern auch an den schlechten Stadien. Selbst wenn sich die Bedingungen in den letzten Jahren ein wenig verbessert haben, liegt die Infrastruktur der slowakischen Stadien unterhalb europäischer Standards. Der neue Verbandspräsident Jan Kovacik will diese Bedingungen verbessern und zudem ein neues Stadion für die Nationalmannschaft bauen, das UEFA-Standards erfüllt.

Die Corgon Liga im Überblick

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