Jagiellonia... wer?

Von Aufgezeichnet von Jochen Tittmar
Montag, 03.01.2011 | 18:00 Uhr
Kamil Grosicki von Herbstmeister Jagiellonia Bialystok bejubelt eines seiner Tore
© Imago
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Premier League, Primera Division, Serie A - das Geschehen steht in der Sportberichterstattung fast täglich im Fokus. Weniger Beachtung hierzulande findet der Fußball aus anderen Ländern. SPOX hat sich in Europa umgesehen und zieht in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Experten ein Hinrundenfazit einiger ausgewählter Ligen. Los geht es mit Polen und der Ekstraklasa.

Von Krystian Wozniak, Redakteur bei www.reviersport.de

Die Hinrunde kompakt

Die Hinrunde der Ekstraklasa stand im Zeichen der "umgekehrten Verhältnisse". Anstatt dass die Top-Teams Lech Posen, Legia Warschau und Wisla Krakau die Spitzenpositionen unter sich ausmachen würden, fand man einen alles andere als erwarten Saisonverlauf wieder. Nicht das hoch gehandelte Trio und die Geheimfavoriten von Polonia Warschau oder GKS Belchatow stürmten an die Spitze des Tableaus, sondern die "grauen Mäuse" Koronia Kielce, Jagiellonia Bialystok, Lechia Gdansk oder gar Aufsteiger Gornik Zabrze schienen das Meisterschaftsrennen lange unter sich ausmachen zu können. Erst zum Ende der Hinrunde konnten sich die Favoriten etwas fangen und beendeten die Halbserie dann doch noch zufriedenstellend. Demnach überwintern Wisla und Legia nur drei Zähler hinter Herbstmeister Jagiellonia auf Platz zwei und drei. Nur Vorjahresmeister Lech (Rang elf) hinkt mit elf Zählern der Spitze etwas hinterher.

Im Kampf um den Klassenerhalt ist die Ausgangslage sehr eng. Bis auf das Schlusslicht Cracovia Krakau, dass aus den 15 Hinrunden-Begegnungen nur acht Zähler holen konnte, liegen der Tabellen-Vorletzte Arka Gdynia und der Tabellen-Achte Polonia Warschau mickrige drei Punkte voneinander entfernt. Sowohl oben als auch unten ist für die Rückrunde der Ekstraklasa höchste Spannung angesagt.

Die Tabelle der polnischen Extraklasa

Positive Überraschung

Jagiellonia Bialystok. Was Jaga-Trainer Michal Probierz, ehemaliger Spieler der SG Wattenscheid 09 und von Bayer Uerdingen, nahe der russischen Grenze leistet, ist phänomenal. Niemand hätte vor Saisonbeginn einen Pfifferling auf die Gelb-Roten gesetzt. Vor allem daheim wusste das Team um Kapitän Tomasz Frankowski und Youngster Kamil Grosicki zu überzeugen. Die tadellose Bilanz: sieben Spiele, sieben Siege. Wenn Jaga die Heimstärke beibehält, wird man bis zum Schluss um den Titel kämpfen.

Negative Überraschung

Lech Posen. So sehr Lech in der Europa League für Furore sorgt, gibt es keinen Zweifel daran, dass das Team aus Wielkopolska bislang unterirdische Vorstellungen im Liga-Alltag abgeliefert hat. Nicht zuletzt deshalb tauschte man auf der Trainerbank die Übungsleiter aus: Meister-Coach Jacek Zielinksi ging, Ex-Polonia-Warschau-Coach Jose Maria Bakero kam. Der Vorjahresmeister überwintert auf einem mehr als enttäuschenden elften Rang und hat gerade einmal zwei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsrang. Trotzdem hat Bakero die Schale noch nicht abgeschrieben. Auf Rang drei, der die EL-Teilnahme sichern würde, beträgt der Rückstand acht Zähler. Man darf stark davon ausgehen, dass Posen trotz der katastrophalen Halbserie noch ein Wörtchen um die internationalen Plätze und auch die Meisterschaft mitreden wird.

Players to watch

Tomasz Frankowski (Jagiellonia Bialystok). Der 36-jährige Angreifer wurde seinem Spitznamen "Franek Lowca bramek" (dt. "Franek der Torjäger") mit acht Treffern gerecht. Doch nicht nur die wichtigen Buden, die der ehemalige polnische Nationalstürmer für Bialystok erzielte, machen ihn zum Kicker der Halbserie. Frankowski ist für das Team sowohl auf, als auch neben dem Platz nicht zu ersetzen. Der Kapitän pusht seine Mitspieler in den entscheidenden Situationen dermaßen, dass Bialystok vom Titel träumen darf. Nicht umsonst ist Frankowski in seiner Geburtsstadt der absolute Fanliebling. Die überragende Form des Oldies ist zuletzt auch Polens Nationaltrainer Franciszek Smuda aufgefallen. Dieser will Frankowski in seinen Trainerstab für die EM 2012 holen. Hier soll Frankowski den weiß-roten Angreifern als Offensivtrainer wertvolle Tipps geben.

Artjoms Rudnevs (Lech Posen). Der amtierende Meister kann sich bei seinem lettischen Stürmer bedanken, dass man nicht auf einem Abstiegsrang überwintert. Rudnevs steuerte bislang sieben Saisontore bei und war auch in der Europa League der Garant dafür, dass Lech die Hammergruppe mit Manchester City, Juventus Turin und Red Bull Salzburg erfolgreich überstand. Alleine gegen Juve erzielte der 22-jährige Angreifer beim 3:3 in Turin und 1:1 in Posen alle vier Treffer für den "Kolejorz". Die Leistungen des schlaksigen Stürmers sind auch schon diversen europäischen Spitzenvereinen aufgefallen. Zwar hat Rudnevs noch einen Vertrag bis 2014, doch laut polnischen Medien soll es schon lose Anfragen aus England und Italien gegeben haben. Rudnevs würde wohl auch nach der Saison nur in Posen bleiben, wenn Lech wiederum zumindest die Europa League erreicht.

Das internationale Abschneiden

Lech Posen hatte sich in der 2. CL-Qualifikationsrunde mit 9:8 nach Elfmeterschießen gegen Aserbaidschans Meister Inter Baku weiter gezittert. Doch die Freude über das Weiterkommen war nicht von langer Dauer. In der 3. Qualirunde war Endstation: Tschechiens Meister Sparta Prag behielt sowohl daheim als auch in Polen mit 1:0 die Oberhand. Damit ging es in die Playoffs zur EL-Gruppenphase. Hier konnte der "Kolejorz" FK Dnipro Dnipropetrowsk ausschalten. Dabei reichte ein 0:0 an der heimischen ulica Bulgarska. Zuvor hatte Lech einen 1:0-Sieg aus der Ukraine mitgebracht. Die EL-Gruppenphase hatte es zwar in sich, doch wie schon erwähnt behauptete sich das Team nahezu sensationell in der wohl schwersten Gruppe. Den Grundstein schaffte man zuhause: Sowohl Manchester, als auch Salzburg zogen in Posen den Kürzeren. Gegen Juve reichte dann im heftigen Schneetreiben ein 1:1 zum Weiterkommen. In der Runde der verbliebenen 32 Teams trifft man auf Sporting Braga. Bei einem eventuellen Weiterkommen winkt Lech ein Duell gegen den FC Liverpool.

Jagiellonia Bialystok hatte die EL-Gruppenphase nur hauchdünn gegen Aris Saloniki verpasst. In Bialystok verlor Jagiellonia 1:2, in Saloniki spielte man 2:2.

Ruch Chorzow konnte sich bis zur dritten EL-Qualifikationsrunde kämpfen. Dabei hatte man die Kasachen von Szachtjor Karaganda (2:1, 1:0), sowie den FC Valletta aus Malta (0:0, 1:1) ausgeschaltet. In Runde drei erwies sich Austria Wien (0:3, 1:3) als eine Nummer zu groß.

Die größte Blamage erlebte Wisla Krakau. Der "weiße Stern" schied nach einem ungefährdeten Weiterkommen in Runde zwei gegen den litauischen Vertreter FK Siauliai (2:0, 5:0) gegen Qarabag Agdam (0:1, 2:3) aus Aserbaidschan aus.

Lech Posens EL-Gruppe A im Überblick

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