International: Blitzlichter aus Europa

Für Rio hagelt's Ohrfeigen

Von SPOX
Montag, 13.12.2010 | 12:20 Uhr
Zeit der Zärtlichkeit: Real-Trainer Jose Mourinho (l) und Barcelonas Dani Alves
© Getty
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Rio Ferdinand macht mobil gegen Weichlinge, doch es tauchen schockierende Beweisfotos auf. Italien verleiht die goldene Mülltonne an den Imperator, außerdem wird ein Showgirl abgesetzt. Dani Alves und Jose Mourinho tragen alte koloniale Gefechte erneut aus.

Serie A

von Oliver Birkner

Boatinhovic boxt sich durch: Kevin-Prince Boateng scheint langsam Gefallen am Toreschießen und an spektakulären Jubelszenarien zu finden: Bei Milans 3:0 in Bologna traf der Berliner per Spagat zur Führung. Nach dem Ausflug ins Kunstturnen (man erinnere sich an die gesundheitsschädliche Radschlag-Salto-Kombination der letzten Woche) schlüpfte Boateng dieses Mal in die Rolle eines Boxers und versetzte aus lauter Freude der Eckfahne den K.o. - mit zwei vorbildlichen Rechts-Links-Kombinationen. Wie am letzten Spieltag trafen übrigens Boateng, Robinho und Zlatan Ibrahimovic in derselben Reihenfolge - das von der Presse kreierte Schlagwort "Boatinhovic" besitzt gute Chancen, bis zum Saisonende zu überleben.

Goldene Mülltonne: Und da sage noch jemand, Adriano habe das Siegen verlernt: Bei der Wahl zur "Goldenen Mülltone" für die größte Fußball-Niete des Jahres belegte der Brasilianer mit großem Vorsprung Platz eins vor Landsmann Amauri - dem Juve-Stürmer gelang im gesamten Jahr 2010 ein stolzes Serie-A-Tor. Die Tonne hat sich Adriano zweifelsohne redlich verdient, denn nach seinem Transfer zur Roma kam er nur 142 Minuten zum Einsatz, und man weiß immer noch nichts Genaues über sein reales Kampfgewicht. Im Sommer stellte er sich mit 115 Kilo vor, sehr viel scheint er davon noch nicht abgearbeitet zu haben. Der Imperatore soll immer noch im dreistelligen Bereich liegen. Adriano ist Italien in jedem Fall mal wieder leid und will im Januar angeblich zurück nach Brasilien. Dort sieht man das mit dem Feiern und dem Gewicht schließlich nicht so eng.

Belen wird abgesetzt: Wegen anhaltender Proteste des italienischen Familienverbandes wird Mobilfunkkonzern und Serie-A-Sponsor "Tim" seinen Spot ändern müssen. Vor den Fußball-Übertragungen und in den Werbepausen flimmert seit August das argentinische Showgirl Belen Rodriguez in äußerst knappen Höschen und einem hautengen Trikot über die Mattscheibe - in dieser Montur zimmert sie die Kugel aus rund 30 Metern ins Netz. "An meiner Schusstechnik können die Proteste nicht liegen, denn die habe ich mit Marco Borriello perfektioniert", verteidigte sich das TV- und Kinosternchen. Mit dem aktuellen Roma-Stürmer war sie lange liiert. Vielleicht mag es an dem etwas ungelenken BH-los hüpfenden Anlauf liegen. In jedem Fall ein ungemein wichtiger Disput, der das derzeit dringendste Problem des Familienverbandes und des Calcio endgültig lösen wird.

 

Premier League

von Raphael Honigstein

Apachen-Heimweh: Ein lockerer 3:1-Sieg bei den Hammers, eine exzellente Ausgangsposition in der Tabelle vor den Spitzenspielen der Großen Drei (Arsenal, Chelsea, Manchester United) und trotzdem ist bei Manchester City schon wieder der Teufel bzw der Tevez los. Der Argentinier gab am Sonntag offziell ein Transfergesuch ab, das vom Verein mit bösen Worten zurück gewiesen wurde. "Der Klub ist enttäuscht von der Situation und besonders von den Handlungen von Carlos' Repräsentanten." Damit war war der in Branchenkreisen nicht gerade unumstrittene Anglo-Iraner Kia Joorabchian gemeint, der sich schon mit Alex Ferguson verkracht hat. Tevez wiederum reagierte höchst verärgert auf die Stellungnahme und betonte, dass es ihm "nicht ums Geld" gehe. Vielmehr hätte er sich mit "bestimmten Personen und Offiziellen überworfen." Tevez will, so muss man das wohl verstehen, in der Tat nur noch weg aus den Eastlands. Am liebsten würde er ganz mit dem Fußball aufhören, hat der Apache Freunden schön öfters erzählt; ihm fehlen seine zwei Kinder, die in Buenos Aires leben. Notfalls würde er es auch ein halbes Jahr in Spanien aushalten. Man kann Tevez verstehen, aber aus Citys Sicht ist die Lage natürlich höchst peinlich. Wer so einen Kapitän hat, braucht keine Gegner mehr.

Ashley dreht durch: "Er ist nicht der Messias, er ist ein ungezogener Junge", sagt die Mutter des falschen Heilbringers im Monthy-Python-Klassiker "Das Leben des Brian". Dieses Zitat erfreute sich unter der Woche größter Beliebtheit, weil von Newcastle United zur Überraschung aller nicht wie sonst üblich ein schwarz-weißer Heiland (Keegan, Shearer), sondern der zuletzt vor drei Jahren in der ersten Liga beschäftigte Alan Pardew als Trainer verpflichtet wurde. Pards, der bei West Ham United (2003-2006) im Verdacht stand, sich allzugut mit der einen oder anderen Spielerfrau zu verstehen, drehte den Spieß auf der Pressekonferenz vor dem 3:1-Sieg gegen Liverpool einfach frech um. "Andere Trainer haben zu mir gesagt, ich muss verrückt sein, diesen Job zu übernehmen." Nicht so verrückt wie United-Eigentümer Mike Ashley jedoch, der Pardews beliebten Vorgänger Chris Hughton ohne jede Not feuerte und den neuen Mann mit einem unglaublichen Fünf-Jahresvertrag ausstattete.

Watscht den Rio: Übers Wetter reden die Briten bekanntlich am liebsten, erst recht im Winter. Unter der Woche gab es die große Kontroverse um den (hauptsächlich von verweichlichten Ausländern in die Liga getragenen) Trend zum "Snood", dem wollenen Nackenwärmer a la Gigi Buffon. "Ich sage euch Leute, ihr werdet keinen Man-Utd-Spieler mit Snood sehen", tweetete rioferdy5 (Rio Ferdinand). Aber der englische Nationalverteidiger ging noch weiter. "Wenn ihr mich jemals mit Handschuhen spielen seht, gebe ich euch die Gelegenheit, mir eine Ohrfeige (bitch slap) zu verpassen", verkündete er. Ob sich deswegen Bastian Schweinsteiger lieber für den Fc Bayern entschieden hat? Und mit Hinblick auf den Klassiker gegen Arsenal (viele Snood-Träger garantiert) ballerte Rio munter weiter. "Und wenn ihr mich jemals in so einer weißen Strumpfhose seht, wie sie (Emmanuel) Eboue trägt, könnt ihr mir die Birne eintreten. Ich hätte es verdient." Hoffentlich nimmt ihn heute Abend niemand beim Wort - und hoffentlich schaut sich niemand das Foto dieses Artikels genauer an...

 

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

21 Minuten: Was man in 21 Minuten so alles machen kann? Fünf Döner verputzen, eine Sitcom-Folge ansehen, oder Super Mario 64 durchzocken. Juan Albin von Getafe kann in 21 Minuten ein Siegtor schießen und zwei Gelbe Karten kassieren - so passiert am Sonntag gegen Villarreal, bis dato immerhin ärgster Barca/Real-Verfolger. Albin wurde in der 69. Minute eingewechselt, sah Gelb und machte in der 89. Minute das 1:0. Und weil er sich über sein erstes Ligator seit genau 364 Tagen derart freute, dass er sich das Trikot auszog (der Mann ist Stürmer!), durfte er gleich in die Kabine durchlaufen. Weil Diaz zuvor schon Rot gesehen hatte (41.), musste Getafe die Nachspielzeit mit neun Mann überstehen. "Tut mir leid, nach dem Tor bin ich irgendwie durchgedreht", bekannte Albin hinterher kleinlaut. Nächste Wochenende hat er nun Zeit, darüber nachzudenken.

Die Erben von Pedro Alvares Cabral: Nettes öffentliches Fernduell zwischen Dani Alves und Jose Mourinho. Aber der Reihe nach. Dani Alves bemerkte jüngst: "Mourinho hat den Fußball nicht erfunden." Die Retourkutsche des Real-Coaches: "Bravo, Einstein hätte es nicht besser erklären können." Alves: "Er vergleicht mich mit Einstein? Vielen Dank dafür, ich habe mir zuhause wirklich ein zweites Loch in den Arsch gefreut, als ich das gehört habe. Er ist wirklich ein Witzbold, wir lachen sehr oft über ihn." Fazit: Brasilianer und Portugiesen können sich eben nicht ganz so gut leiden. Alves' Erklärung: "Vielleicht liegt es daran, dass wir Brasilianer es nicht gut finden, dass uns einst ein Portugiese entdeckt hat." Seefahrer Cabral rotiert wahrscheinlich gerade in seinem Grab.

Apropos Mourinho: Der hatte in Saragossa weit mehr zu tun, als sich die nächste Retourkutsche für Alves zu überlegen. Beim 3:1-Sieg seiner Königlichen fuhr er einmal derart von der Trainerbank auf, dass er sich prompt das Hirnkasterl am Vordach einrannte. Das Ergebnis: Eine dicke Beule und eine kleine Behandlungspause an der Seitenlinie. Wir sind schon gespannt, was Dani Alves dazu zu sagen hat...

Blitzlichter: Darüber lacht die Welt

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