Montag, 27.09.2010

International: Blitzlichter aus Europa

Shearer und die verdammten No-Names

Englands Fußball-Gott Alan Shearer bekommt viel Geld als Fernsehexperte. Fragt sich nur warum? In der Serie A gab es die Gelbe Karte des Jahres und die Barca-Freunde wittern eine Verschwörung gegen David Villa.

Alan Shearer der erste in der Premier League, der 100 Tore bei zwei Vereinen schoss
© Getty
Alan Shearer der erste in der Premier League, der 100 Tore bei zwei Vereinen schoss

Dies und mehr wie immer montags in den Blitzlichtern aus Europa - zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Premier League

Von Raphael Honigstein

Premier League, 8. Spieltag

Shearers doppeltes Fettnäpfchen: Über Fußballkommentatoren wird immer und überall viel gelästert, aber nur wenige verdienen die Häme so sehr wie Alan Shearer. In der vergangenen Woche saß der ehemalige Nationalspieler und Newcastle-Trainer als Experte im "Match of the Day"-Studio der "BBC" und analysierte ein feines Tor von Hatem Ben Arfa. "Er ist ein Junge, der in die Mannschaft gekommen ist. Niemand weiß irgendetwas über ihn", sagt Shearer über den wirklich völlig unbekannten französischen Nationalspieler, der im Sommer nur mit halb Europa in Verbindung gebracht wurde. Die Tatsache, dass Als Nichtwissen mit Gebühren bezahlt wird und zwar sehr fürstlich - um die 300 000 Euro verdient er im Jahr - machte es eher nicht besser. Shearer wäre aber nicht Shearer, wenn er sich die nach diesem Lapsus folgende Kritik irgendwie zu Herzen nehmen würde. Am Samstag erzählte er im "BBC"-Radio und später bei "Match of the Day" wiederholt ausführlich über den Manchester-City-Stürmer "David Villa". Gemeint war David Silva, aber mit diesen vielen No-Name-Ausländern in der Premier League kennt sich ja bald niemand mehr aus.

Die Hochs und Tiefs eines Schiedsrichters: "A joke goal" war für Sunderland-Trainer Steve Bruce der frühe Treffer von Dirk Kuyt beim 2:2 in Liverpool, aber witzig fand er das Tor überhaupt nicht. Die Gäste wollten in der Nähe des Mittelkreises einen Freistoß ausführen, Schiedsrichter Stuart Attwell orderte den Ball jedoch weiter zurück an den Ort des Vergehens. Das Leder rollte zu Sunderland-Verteidiger Michael Turner, der den Ball mit der Ferse lasch in Richtung von Torhüter Simon Mignolet weiter kickte. Fernando Torres spritzte plötzlich dazwischen, und lief auf Mignolet zu, der verzweifelt abwinkte. Kuyt schob den Ball am verdatterten Keeper vorbei ins Netz. Atwells Problem war, dass er im Moment der Rückgabe mit dem Rücken zum Spiel stand und so nicht beurteilen konnte, ob Turner den Freistoß tatsächlich ausführte. Der 27-jährige Schiri übersah leider auch Steven Gerrards gemeingefährlichen Ellbogenschlag gegen Danny Welbeck und wird in Zukunft wieder weiter unten pfeifen müssen. Nachdem er vor zwei Jahren in der Zweiten Liga ein bizarres Phantom-Tor gegeben hatte, hatte der Pfeifenmann es gerade erst wieder in die erste Liga geschafft.

Avram Grant - powered by emotion: Die Chancen von West Ham United die Liga zu halten, sind nach dem 1:0-Sieg gegen Tottenham dagegen wieder gestiegen. Hammers-Keeper Robert Green war zur Abwechslung mal ein Matchwinner; mit feinen Paraden rettete der ehemalige Nationaltorhüter dem Team von Thomas Hitzlsperger (noch verletzt) die drei Punkte. Vor dem Spiel hatte Green noch geistigen Beistand bei Klub-Seelsorger Alan Bolding gesucht, aber nach dem Schlusspfiff wartete er mit einer äußerst unchristlichen Geste auf: "Up yours!" signalisierte er in Richtung der Pressetribüne. "Emotionen sind gut", grummelte der emotionslose West-Ham-Trainer Avram Grant, der seinem hart kritisierten Mann danach, nun ja, schon irgendwie so ein bisschen den Rücken stärkte, oder so. "Green ist meine Nummer eins und zwar so lange, bis er mir zeigt, dass er nicht mehr die Nummer eins ist". Alles klar? Mal sehen, wer wem nächste Woche den Finger beziehungsweise die Faust zeigt.

Serie A

Von Oliver Birkner

Melo und sein neuer Freund: Der Titel "Gelbe Karte des Jahres" ist seit Sonntagabend bereits vergeben: Juves Felipe Melo scheint nach einem desaströsen Jahr entdeckt zu haben, dass er im Grunde doch ganz passabel kicken kann. Und dafür überreichte ihm Referee Christian Brighi im Anschluss des Turiner 4:2-Erfolges über Cagliari den gelben Karton, auf den er eine persönliche Widmung samt Autogramm gekritzelt hatte: "Für den tüchtigen Bruder Felipe - mit Sympathie: Christian Brighi!" Der Brasilianer schenkte dem Schiri daraufhin sein Trikot. Herrlich, wenn sich Spieler und Unparteiische so herzen können, im Kindergarten hätte es dafür fraglos Lobsternchen gegeben. Brighi dürfte nun ganz weit vorne auf Melos Weihnachtskarten-Liste stehen. Dass die Telefone von Melo und Brighi deshalb demnächst abgehört werden, ist unwahrscheinlich - in den Juventus-Foren witzelten die Tifosi trotzdem: "Oha, jetzt wird uns wohl noch ein Titel aberkannt."

Die Elfmeterkönige aus Parma: Hingegen werden Parma und die Schiedsrichter in diesem Jahr wohl keine Freunde mehr. Denn in Florenz kassierte das Team am fünften Spieltag bereits den fünften Elfmeter gegen sich. Bis De Silvestri den 2:0-Endstand aus dem Spiel heraus besorgte, fielen alle Gegentreffer somit durch Strafstöße. "Das ist sicher ein Weltrekord, den uns so schnell niemand nehmen wird", kommentierte Trainer Marino. Wenigstens etwas.

Der Totti-Pilgermarsch: Am Montag feiert Francesco Totti seinen 34. Geburtstag, für ihre Ikone organisierten einige Romanisti Sonntagabend deshalb einen Pilgermarsch zum Haus des Capitano. Darauf muss man erst einmal kommen. Totti selbst war nach dem späten 1:0-Sieg über Inter, offenbar nicht in Feierlaune. Denn nach seiner dritten Auswechslung in Folge entschloss er sich nicht gerade elegant, flugs und grußlos das Stadion zu verlassen. "Ich bin kein Spieler für 15 Minuten. Wenn ich irgendwann merke, dass ich nicht mehr Totti bin, höre ich sofort auf", sagte er kürzlich. "Aber keine Sorge, ich werde noch einige Geburtstage im Roma-Dress feiern." Beim nächsten Mal vielleicht "con tutti" (mit allen), nicht nur "con Totti".

Primera Division

Von Paula Villamarin Temperan

Depor lo peor: In der letzten Saison mischten die jungen Wilden von Deportivo La Coruna lange im oberen Tabellendrittel der Primera Division mit. In dieser Saison geht bislang gar nichts. Noch kein Sieg und mickrige zwei Tore in fünf Spielen, Tabellenplatz 19. Trainer Miguel Lotina gerät unter Druck und versucht sich mit Phrasendrescherei über Wasser zu halten. Nach der 0:1-Niederlage in Villarreal unter der Woche sagte Lotina: "Jetzt konzentrieren wir uns auf Almeria. Der nächste Gegner ist der schwerste. Wir bleiben ruhig." Nach dem 0:2 gegen Almeria legte Lotina nach: "Wir wussten, dass es eine schwere Saison werden würde. Jetzt gilt es, hart weiterzuarbeiten." Lotinas Glück in stürmischen Zeiten: Depor hat praktisch null Peseten auf dem Konto und kann sich eine Abfindung für den Coach nicht leisten.

Gegenwind für los Alemanes: Mesut Özil und Sami Khedira bekommen erstmals die Gehässigkeit der spanischen Medien zu spüren. Beide Spieler erhielten von der Zeitung "AS" die Note 5 für ihren Auftritt beim 0:0 in Levante. "Khedira war von der Bildfläche verschwunden, sein Beitrag zum Spielaufbau war gleich null", schrieb die Zeitung. Konkurrenzblatt "Marca" warf Özil "zunehmend Anzeichen von Unbeständigkeit" vor. Für das Champions-League-Spiel gegen Auxerre erwägt Trainer Jose Mourinho eine Taktikänderung: 4-4-2 statt 4-2-3-1 mit Benzema als zweitem Stürmer neben Higuain. Erster Streichkandidat: Mesut Özil. Auch Khedira wird gegen Auxerre wohl durch den Rost fallen.

Verschwörung gegen Villa? David Villa flog bei Barcas 3:1-Sieg in Bilbao in der 87. Minute vom Platz. Gegenspieler Carlos Gurpegui hatte den Weltmeister so lange gezerrt und getriezt, dass dieser mehrmals um sich schlug und Gurpegui letztendlich im Vorbeigehen einen Mini-Schlag ans Kinn verpasste. Das Strafmaß in Spanien lässt eine Sperre zwischen einem und drei Spielen zu. Mitentscheidend ist der Schiedsrichter-Bericht. Dort heißt es: Villa habe "seinem Gegenspieler einen Schlag ins Gesicht versetzt" und zwar "nicht im Kampf um den Ball". Der war nämlich ganz woanders. Sollte Villa mehr als ein Spiel gesperrt worden werden, muss er in der Partie gegen seinen geliebten Ex-Klub und Tabellenführer FC Valencia zuschauen. Das Barca-nahe Blatt "El Mundo Deportivo" wittert bereits Verschwörung: "Die Kampagne der Verteufelung von David Villa hat begonnen". Die Zeitung geht fest davon aus, Villa gegen Valencia passen muss. Wer dauernd um sich schlägt, hat's vielleicht nicht anders verdient. Bei der WM in Südafrika hatte sich Villa zu einer ähnlichen Tätlichkeit gegen die Fußballriesen aus Honduras hinreißen lassen. Damals kam Villa ohne Strafe davon.

Italien: Hooligans verletzen Torwart schwer

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