International

Frisches Personal, alte Ziele

SID
Montag, 09.08.2010 | 16:35 Uhr
Cesare Prandelli übernahm 2010 den Trainerposten in der italienischen Nationalmannschaft
© Getty
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Neue Hoffnungsträger, alte Ziele: Nur wenige Wochen nach dem WM-Trauma fangen die gestrauchelten Fußball-Großmächte Brasilien und Italien am Dienstag wieder bei Null an.

In den ersten Bewährungsproben der Selecao und Squadra Azzurra stehen die neuen Coaches Mano Menezes und Cesare Prandelli im Blickpunkt.

Beide Trainer haben mit ihren Kadernominierungen bereits ein Zeichen gegeben: Etliche WM-Versager wurden aussortiert, der Weg frei gemacht für die jungen Wilden. Doch Menezes weiß um den Zeitdruck bei seiner Mission.

"In den ersten Spielen werden Schwankungen noch toleriert, aber danach hört dies schon auf", sagte der 48-Jährige, der Experimente wagen will, aber weiß, dass der fünfmalige Weltmeister "nicht erst in sechs Monaten" wieder gewinnen muss. Am Dienstag spielt Brasilien in New York gegen die USA.

"Müssen unsere verlorene Würde wiederfinden"

Italien ist am gleichen Tag in London gegen die Elfenbeinküste gefordert. Eine ganze Nation hofft auf einen erfolgreichen Neubeginn nach dem peinlichen Vorrundenaus in Südafrika. "Wir müssen unsere verlorene Würde wiederfinden", forderte die Sporttageszeitung "Corriere dello Sport".

Prandelli hat verstanden und läutete im Trainingslager im toskanischen Coverciano selbstbewusst die neue Ära ein.

"Wir müssen risikobereit sein und unsere Ängste überwinden. Wir können auf tausend Schwierigkeiten stoßen, doch mit Willen und Verantwortungsbewußtsein wollen wir unsere Ziele erreichen", sagte Prandelli, der die Politik der "Erbhöfe" unter Ex-Nationaltrainer Marcello Lippi abschaffen will.

Wie zum Beweis nominierte Prandelli den 19-jährigen Mario Balotelli von Champions League-Sieger Inter Mailand und Antonio Cassano (Sampdoria Genua). Die beiden Profis waren von Lippi wegen ihres exzentrischen Charakters nicht berücksichtigt worden.

Auch Amauri nominiert

Doch der neue Coach, der vom neuen Technischen Direktor und Ex-Stürmerstar Roberto Baggio unterstützt wird, setzt bei der Bändigung des Duos auf den Dialog.

"Balotelli und Cassano sind junge Talente. Oft betrachten wir sie als verwöhnte Jungen, doch ich will ihnen Vertrauen geben. Ich will mit ihnen reden", kündigte der im Gegensatz zum autoritären Lippi als äußerst umgänglich geltende Prandelli an.

Auch mit der Nominierung des gebürtigen Brasilianers Amauri (Juventus Turin) setzte Prandelli ein Zeichen. Der Stürmer hatte erst kürzlich die italienische Staatsbürgerschaft erhalten, weil Vorfahren seiner Ehefrau aus Italien stammen.

"Spanien ist die Inspiration"

Allerdings könnte Prandelli und seinem neuen Betreuerstab diesbezüglich gleich der erste Ärger drohen. Denn Debütant Amauri kündigte an, bei der Nationalhymne "Fratelli d'Italia" zu schweigen.

Menezes setzt im Duell gegen die USA auf international weitgehend unbekannte Spieler - und sieht im neuen Weltmeister Spanien das große Vorbild.

"Spanien ist die Inspiration", erklärte Menezes. Bei der WM habe er festgestellt, dass viele Teams sogar so spielen, "wie die Brasilianer früher." Aber ausgerechnet die Selecao habe sich von ihren kreativen Wurzeln entfernt, meinte Menezes, dessen erste Nominierung gleich wichtige Fingerzeige gab.

Nur vier WM-Spieler dabei

Er bevorzugt Profis aus der brasilianischen Liga sowie junge Spieler.

"Sie sollen den Eindruck bekommen, dass alle die Voraussetzung haben, es bis in die Auswahl zu schaffen", kommentierte der Fußball-Fachmann, der täglich Videos der Spiele aus Europas Topligen bis hinunter in die zweite brasilianische Liga studiert.

Lediglich Robinho, Dani Alves, Ramires und Thiago Silva sind aus dem Kreis der WM-Versager dabei. Große Hoffnungen setzen die Brasilianer vor allem auf Neymar und Paulo Henrique Ganso vom frisch gekürten Pokalsieger FC Santos.

Menezes: "Spanien ist die Inspiration"

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