"So eine Erfahrung ist unbezahlbar"

Von Interview: Haruka Gruber
Montag, 31.05.2010 | 12:24 Uhr
National-Torwarttrainer mit Mission: Welttorhüter Lutz Pfannenstiel (l.) in Namibia
© spox
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Kurz nachdem Lutz Pfannenstiel am Sonntag die letzten Star-Gäste aus aller Welt am Windhoeker Flughafen verabschiedet hatte, dachte er bereits an sein nächstes Mega-Projekt. Der Welttorhüter, der als einziger Fußballer auf allen Kontinenten ein Profi-Spiel bestritten hat, lud vergangene Woche 30 ehemalige und aktuelle Fußball-Profis nach Namibia ein und veranstaltete zugunsten seines Projekts "Global United FC" ein Benefizspiel, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Pfannenstiels nächstes Ziel: ein Global-United-Spiel in der Antarktis.

SPOX: In der letzten Woche waren Sie nicht nur der Mastermind und Organisator von "Global United FC". Sie haben unzählige Interviews gehalten, beim Benefiz-Spiel natürlich im Tor gestanden - und sich teilweise sogar um den Transport der Fußballer in Windhoek gekümmert. Wie stressig war es?

Lutz Pfannenstiel: Es war hektisch, es war anstrengend, es war stressig. Aber es war positiver Stress. Für mich hat es etwas mit Respekt zu tun, beispielsweise um vier Uhr früh zum Flughafen zu fahren und die Fußball-Stars abzuholen, immerhin haben sich viele auch nur wegen mir auf den Weg nach Namibia gemacht. So etwas ist Ehrensache.

SPOX: Hat sich der Aufwand gelohnt?

Pfannenstiel: Definitiv. Ganz Namibia schwärmt von den letzten Tagen, das Spiel wurde live übertragen und es war schlichtweg das größte und am besten organisierte Event, das es je in dem Land gab. Und was nicht unwichtig ist: Auch die Sponsoren wie Air Namibia waren begeistert und haben ihre Unterstützung für nächstes Jahr bereits zugesagt. Von daher war alles perfekt. Ich gehe zu 99,9 Prozent davon aus, dass wir 2011 ein ähnliches Ereignis auf die Beine stellen.

SPOX: Ihnen geht es vor allem darum, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels zu schaffen. Ist Ihnen das gelungen?

Pfannenstiel: Es hat sehr geholfen, dass so viele Top-Stars nach Namibia gekommen sind. Die Leute haben gefragt, warum die Fußballer ausgerechnet hierher gekommen sind und was der Zweck des Ganzen ist. Und so hatten wir die Aufmerksamkeit und konnten der namibischen Bevölkerung im Fernsehen oder in den Zeitungen erklären, wie wichtig es ist, etwas gegen die globale Erwärmung zu machen. Einige haben vorher noch nie etwas vom Klimawandel gehört.

SPOX: Dabei hat es sicherlich geholfen, dass Sie nicht nur Stars aus Europa und Übersee, sondern auch afrikanische Legenden für sich gewonnen haben.

Pfannestiel: Das war mein Ziel. Mit Fabrice Akwa aus Angola und Simbabwes Peter Ndlovu spielten die zwei größten Fußballer ihrer Länder mit, die in Namibia extrem beliebt sind. Genauso wie Phil Masinga und Pierre Issa vom großen Bruder Südafrika. Und dass sich Frankie Fredericks, der bekannteste Namibianer aller Zeiten, auch bereit erklärt hat, war die Krönung.

SPOX: Wie haben die deutschen Fußballer die Tage in Namibia erlebt?

Pfannenstiel: Jungs wie Fredi Bobic und Jens Nowotny wussten natürlich, um was es bei "Global United FC" geht. Aber als sie die Schönheit Namibias gesehen haben, wurde es ihnen noch bewusster, wie grandios die Natur ist - und wie sehr sie geschützt werden muss. Daher werden sie sich auch in Zukunft weiter für "Global United FC" engagieren.

SPOX: Was war Ihr persönliches Highlight in den letzten Tagen?

Pfannestiel: Der schönste Moment war eigentlich gar nicht das eigentliche Benefiz-Spiel, sondern vielmehr das spontane Bolzen in Katutura, dem Armenviertel von Windhoek. Ich bin mit Fredi Bobic, Marco Rehmer und Silvio Meißner dahin gefahren und wir haben ohne großes Brimborium einfach gegen die dortige Jugend auf einem Asphaltplatz Fußball gespielt. Die Stars haben sich gefreut, die Kinder haben sich gefreut - und für mich war es der Höhepunkt schlechthin in den letzten Jahren. Das war Fußball in der reinen Form, alle waren dank des Sports auf Augenhöhe und haben sich trotz sprachlicher Barrieren verstanden. Fredi sagte mir danach: "Ein Spiel vor 75.000 Zuschauern ist geil, aber so eine Erfahrung ist unbezahlbar."

SPOX: Als nächstes Highlight planen Sie eine "Global-United"-Partie in der Antarktis, dem ersten Spiel überhaupt auf dem ewigen Eis. Wie hoch sind die Chancen, dass es klappt?

Pfannenstiel: Das dort ein Spiel stattfindet, ist nicht zu 99,9 Prozent sondern hundertprozentig sicher. Die Frage ist nur, wann der richtige Zeitpunkt ist. Wenn wir so ein einzigartiges, weltweit Aufsehen erregendes Riesen-Projekt veranstalten, muss es Hand und Fuß haben. Wir brauchen noch mehr Sponsoren und wir müssen gewährleisten, dass genug Top-Fußballer sich das einrichten können. Organisatorisch wird es eine Herausforderung, weswegen ich in den nächsten Wochen und Monaten meine Bemühungen noch einmal intensiviere.

SPOX: Einige Umweltschützer werden kritisieren, dass durch einen solchen Event mehr Schaden als Nutzen entsteht.

Pfannenstiel: Wir haben für das Windhoek-Spiel bereits ein Umweltkonzept erarbeitet. Ein Beispiel: Die Fußballer sind alle mit Linienflügen angereist, die eh geflogen wären. Zudem pflanzen wir für das CO2, das durch den Transport produziert wird, entsprechend viele neue Bäume, damit die Emissionsbilanz ausgeglichen bleibt. Ähnlich werden wir in der Antarktis vorgehen.

SPOX: Geht das konkreter?

Pfannenstiel: Der Austragungsort ist King George Island. Dorthin geht in den Sommermonaten alle zwei Tage ein normaler Linienflug aus Chile, daher brauchen wir keinen Charter. Das Spiel findet auf dem Flugplatzgelände statt und ich werde meine eigenen Aluminium-Tore und meine eigenen aufklebbaren Seitenlinien mit- und wieder zurückbringen. So ist auch das Prinzip: Wir werden eineinhalb, zwei Tage auf der Insel verbringen und diese so verlassen, wie wir gekommen sind. Die chilenische Regierung hat uns ihre Unterstützung bereits zugesichert.

SPOX: Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?

Pfannenstiel: Ich werde in Windhoek den Posten als Sportdirektor von Ramblers FC aufgeben, bleibe aber National-Torwarttrainer Namibias, daher komme ich alle paar Wochen hierher zurück. Im Sommer arbeite ich als WM-Experte für das "ZDF", danach packe ich meine Sachen, werde mich um "Global United FC" kümmern und weiter die Welt unsicher machen. (lacht)

Tagebuch aus Windhoek, Teil III: Aus Namibia ins ewige Eis

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