Montag, 29.03.2010

Blitzlichter aus Europa

Der mysteriöse og schlägt wieder zu

Für ManUtd trifft regelmäßig ein mysteriöser Spieler, der nie auf dem Spielberichtsbogen steht. Frank Lampard hat eine selbstironische Ader, Jose Mourinho schafft, woran sich etliche Bundesliga-Trainer jahrelang die Zähne ausgebissen haben, und für Lionel Messi ist Geld nur eine Randnotitz.

Dimitar Berbatov erzielte gegen Bolton seine Saisontreffer elf und zwölf
© Getty
Dimitar Berbatov erzielte gegen Bolton seine Saisontreffer elf und zwölf

Premier League

Von Raphael Honigstein

Der mysteriöse og: Dimitar Berbatov konnte mit seinem Doppelback beim 4:0 in Bolton in der internen Torjägertabelle endlich den zweiten Platz erobern, obwohl auch sein schärfster Rivale wieder erfolgreich war. Bis zum Samstagabend kam gleich nach Wayne Rooney (33 Treffer) ein Spieler, der gar nicht Teil des United-Kaders ist; auf den offiziellen Spielbögen wird der mysteriöse Star nur unter dem Kürzel og geführt. Jener og schlug auch im Reebok-Stadion wieder zu, und zwar in der Gestalt von Bolton-Verteidiger Jlloyd Samuel. Der 29-Jährige schoss den Ball in der ersten Hälfte unbehelligt ins eigene Tor. Das war schon das elfte Eigentor (Englisch: own goal oder kurz: og), das Uniteds Gegnern  unterlief. Der bisherige Rekord lag bei sechs. Auf og, Uniteds unsichtbaren zwölften Mann, ist in dieser Saison eben Verlass.

Premier League, 8. Spieltag

Der selbstironische Lampard: Mit seinen vier Toren gegen Aston Villa war Frank Lampard natürlich der Mann des Wochenendes. Das 7:1 gegen die zuvor zehn Spiele in Folge unbesiegten Gäste hat die Chancen der Blues im Titelkampf erheblich verbessert. "Wenn wir unsere restlichen Spiele gewinnen, sind wir Meister", sagte Lamps im Hinblick auf das vielleicht vorentscheidende Duell gegen Manchester United am nächsten Samstag. Der 31-Jährige stellte mit seinen Treffern auch sicher, dass er die Saison zum sechsten Mal in Folge mit mindestens 20 Toren abschließen wird. "Nicht übel für eine miese Saison", sagte der Nationalspieler mit ein wenig Selbstironie. Aston-Villa-Coach Martin O'Neill hatte dagegen natürlich wenig zu lachen. "Ich habe als Spieler und Trainer schon viel erlebt, aber noch nie so eine Lektion", sagte der Nordire. "Ich hätte nie gedacht, dass wir so auseinderfallen könnten." Das Team aus Birmingham weist nach dem Desaster schon sieben Punkte Rückstand auf Platz Vier (Tottenham, 58 Zähler) auf. "Was heißt hier Platz vier?", stöhnte O'Neill. "Wenn wir weiter so spielen, werden wir nicht einmal 44. in der Tabelle."

Werbebande gegen Delap-Einwürfe: Die Offiziellen von Abstiegskandidat West Ham United ließen sich vor dem Heimspiel gegen Stoke City etwas besonderes einfallen, um die gefürchtete Einwurfmaschine Rory Delap zu behindern: Zwei Meter hinter der Torauslinie wurde im Upton Park auf Höhe der beiden Sechzehner eine zweite Werbebande platziert. Den Sponsor dürfte das gefreut haben, leider brachte die ungewöhnliche Maßnahme nichts. Stoke gewann durch ein Tor von Einwechselspieler Ricardo Fuller mit 1:0. Für die Hammers - und ganz besonders für Trainer Gianfranco Zola - wird es nach der sechsten Niederlage in Folge sehr, sehr eng.

Primera Division

Von Paula Villamarin Temperan

This is Anfield: Eine Halbzeit lang durfte Atletico Madrid auf den ersten Derby-Sieg seit 1999 hoffen, dann fegte das weiße Ballett in 13 Minuten über den Stadtrivalen hinweg und stellte die Weichen auf Sieg. Besonders das 2:1 sorgte für Verzückung. Xabi Alonso spielte einen Pass über 40 Meter in den Lauf von Alvaro Arbeloa, der Außenverteidiger verursachte bei Alvaro Dominguez noch schnell Schwindelgefühle und wuchtete den Ball dann in die Maschen. "Xabi Alonso und Arbeloa erobern das Bernabeu mit dem Geist von Anfield", schrieb die "Marca". Vor der Saison wechselten beide vom FC Liverpool nach Madrid. Arbeloa stammt ursprünglich aus der Nachwuchsabteilung der Königlichen, schaffte aber den Durchbruch erst in England. Jetzt scheint er auch sein Glück in der Heimat gefunden zu haben.

Eine tote Mannschaft: Vergangene Woche zog der FC Sevilla die Reißleine und trennte sich von Trainer Manolo Jimenez. Nach der Absage von Ex-Nationalcoach Luis Aragones wurde Antonio Alvarez als neuer Trainer vorgestellt. Und sein erster Auftritt endete in Villarreal in einem Desaster. Gegen das aufgedrehte gelbe U-Boot waren die Andalusier völlig überfordert und laufen nun immer mehr Gefahr, den Champions-League-Platz zu verspielen. "Alvarez trainiert eine Leiche", titelte die "AS". Mal schauen, ob Alvarez seiner toten Mannschaft noch mal Leben einhauchen kann. Immerhin hat er schon mal ausgemacht, "dass die Probleme nicht im physischen Bereich liegen".

Real Madrid, Atletico Madrid, Marcelo

Messi für lau: In den vergangenen Wochen verneigten sich Spanien und auch der Rest der Welt mal wieder vor Lionel Messi. Am Samstag auf Mallorca gönnte Pep Guardiola seinem Star eine kleine Pause und wechselte ihn erst nach gut 50 Minuten ein, damit Messi im Champions-League-Viertelfinale beim FC Arsenal auch ausgeruht ist. Messi ist Barcas Aushängeschild, Barcas bester Werbeträger und Barcas Top-Verdiener. Das alles scheint den Argentinier nicht wirklich zu interessieren. "Auch wenn ich umsonst spielen müsste, würde ich es machen", sagte Messi dem "Mirror". "Das Geld erlaubt mir ein schönes Leben, aber es treibt mich nicht an. Ich lebe, um Fußball zu spielen und nicht um die finanziellen Vorteile zu bekommen. Außerdem spiele ich für die Mannschaft und nicht für mich selbst", so Messi weiter. Ein bescheidener Weltstar.

Serie A

Von Oliver Birkner

Alpen-Cup statt Hexenkessel: Die Zuschauerpräsenz bei Heimspielen von Juventus hält sich abgesehen von großen Events traditionell in Grenzen. Doch am Sonntag nahm die Sache beinahe surreale Dimensionen an. Die Partie gegen Atalanta fand vor spärlich besetzten Rängen statt, da die Ultras vor der Arena streikten. In gespenstischer Stille glich das Duell innerhalb des Stadions eher einem sommerlichem Freundschaftskick des Alpen-Cups - das sportliche Niveau ebenfalls. Zuvor hatten sich einige Tifosi in puncto Benehmen der Juve-Misere kurzentschlossen angepasst: Vor der Abfahrt zum Spiel bewarfen sie den Bus vor dem Mannschaftshotel mit Eiern und leeren Bierflaschen, Jonathan Zebina wurde ein Nackenschlag verpasst. Mit etwas Glück siegte der Rekordmeister später 2:1, den Zorn gegenüber Vorstand und großen Teilen der apathischen Elf konnten die drei Punkt eher nicht zügeln. Die meisten Juve-Fans sind wohl froh, wenn man bald tatsächlich im Alpen-Cup antritt, denn dann ist diese miserable Saison endlich vorüber.

Zwei Ex-Bayern drehen auf: Da war die Stimmung im Römer Olimpico schon eine andere Nummer. Bei der Partie zwischen der Roma und Inter drängte sich zudem (wie so oft in letzter Zeit) die Frage auf, ob es wirklich eine kluge Entscheidung von Louis van Gaal war, Luca Toni und Lucio ziehen zu lassen. Lucio spielt eine überragende Saison, José Mourinho trieb dem Brasilianer zudem binnen weniger Wochen die unkontrolliert galoppierenden Sturmläufe aus, was in München irgendwie niemandem gelang. Luca Toni schoss bereits fünf Tore in den letzten sieben Partien und beschäftigt in seinem WM-Endrunden-Hunger stets leidenschaftlich die gegnerische Defensivreihe. In dieser Form wäre Toni sicher eine Verstärkung für die Azzurri, bei denen er den Platz nach dem peinlichen Confed Cup verloren hatte.

Italien packt den Rechenschieber aus: Inter, die Roma und Milan liegen nun nur drei Punkte auseinander - der Scudetto kann also womöglich zur Mathematikaufgabe werden, da in der Serie A bei Punktgleichheit der direkte Vergleich entscheidet. Sollten nach dem letzen Spieltag alle drei gleichauf liegen, würde Inter Meister. Im direkten Vergleich zwischen Inter und der Roma hingegen, liegen die Hauptstädter vorn. So könnte der AC dem Stadtrivalen Inter den Titel auf kuriose Weise durchkreuzen, nämlich indem man am Ende nicht gewinnt...

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