Montag, 15.03.2010

Blitzlichter aus Europa

"Messi alleine reicht für Stuttgart"

Lionel Messi vom FC Barcelona verschleiert ein wenig die kreative Ruhephase seiner Mannschaft. Cristiano Ronaldo ist Opfer und Täter zugleich. England feiert den Erben von Peter Shilton und den Mann, der angeblich nicht mal einen Kuh-Arsch trifft. In der Serie A geht die Schiedsrichter-Hysterie auch am Spieltag des Tor-Wahnsinns weiter.

Mit 22 Toren führt Lionel Messi vom FC Barcelona die Torjägerliste der Primera Division an
© Getty
Mit 22 Toren führt Lionel Messi vom FC Barcelona die Torjägerliste der Primera Division an

Primera Division

Von Paula Villamarin Temperan

Messi, Messi, Messi: Spektakel ist man gewohnt vom FC Barcelona. Dass die Maschine in dieser Saison nicht so geschmiert läuft wie in der 6-Titel-Spielzeit 2009/10, ist nicht weiter relevant, wenn man Lionel Messi in der Mannschaft hat. Der Argentinier erzielte beim 3:0 gegen den FC Valencia seine Saisontore 20, 21 und 22 - eine Bude hübscher als die andere (die Messi-Show im Video). "San Messi", "Der Mann aus der anderen Welt", "Messinator" - die spanischen Zeitungen verbeugen sich vor dem kleinen Argentinier. Messis nächstes Opfer soll der VfB Stuttgart werden, die beiden treffen am Mittwoch in der Champions League aufeinander. Albert Benet von "Radio Catalunya" kümmert sich wenig um Stärken, Schwächen und andere Merkmale der Schwaben. Für den Moderator steht fest: "Messi alleine reicht für den VfB Stuttgart."

Cristiano - Täter oder Opfer? Was der Barca-Argenitiner kann, kann der Real-Argentinier schon lange. Messis Landsmann Gonzalo Higuain traf am Wochenende beim 4:1 von Real Madrid in Valladolid ebenfalls drei Mal. "Hätte sich Higuain doch lieber zwei Tore für Lyon aufgespart", schrieb "Marca". Nach dem Champions-League-K.o. war Higuain für seine Fahrlässigkeit vor dem Lyon-Tor von Cristiano Ronaldo glattgebügelt worden. Die Kritik bekam CR9 nach dem Valladolid-Spiel mit aller Macht zurück - von Valladolid-Coach Onesimo Sanchez. "Was Ronaldo auf dem Platz macht, ist ein Skandal. Er hat überhaupt keinen Respekt. Er hat getreten und meinen Assistenten nach dem 2:0 beschimpft. Sein Verhalten ist nicht zu rechtfertigen", sagte Sanchez. Der Trainer sah die Tritte von Ronaldo übrigens exklusiv. Es war eher umgekehrt. Mehrere Mal wurde der Portugiese von Valladolid-Spielern umgesenst. Der Brasilianer Nivaldo verpasste Ronaldo einen fiesen Tritt. "Wir müssen analysieren, was die Gegner mit Cristiano anstellen. Er ist einer der besten Spieler der Welt und hat einen hohen Wert. Er darf nicht so angegangen werden, dass er sich verletzt", sagte Real-Direktor Jorge Valdano.

Bodenlos dem Abgrund entgegen: Espanyol Barcelona kommt der roten Zone gefährlich nahe. Gegen die Abstiegskandidaten Malaga, Xerez und Teneriffa gab es lediglich zwei Punkte. Das 1:4 auf Teneriffa war der Gipfel der Frechheit. "Ich muss zugeben, dass mir dieses Spiel sehr weh tut", sagte Trainer Mauricio Pochettino. Torhüter Carlos Kameni war der beste Espanyol-Spieler und verhinderte mit sechs Glanzparaden eine möglicherweise historische Pleite. "Bei allem Respekt vor Teneriffa, aber beim Drittletzten so einzugehen, ist bodenlos", schimpfte Abwehrspieler Nicolas Pareja. Fünf Punkte Vorsprung hat Espanyol noch auf die Abstiegsränge. Der nächste Gegner heißt Valladolid und ist Vorletzter. Für Espanyol derzeit kein Selbstläufer.

Serie A

Von Oliver Birkner

Schiri-Hysterie auch am Torhagel-Tag: Es war ein frenetischer Serie-A-Spieltag, der mit 39 Treffern den Saisonrekord aufstellte. In der Konferenz kam TV-Sender "Sky Italia" beim Umschalten zwischen Toren, Aluminiumtreffern und Elfmetern bisweilen kaum hinterher. Insbesondere die Partie zwischen Genoa und Cagliari (5:3) erinnerte bei acht Toren, zwei Strafstößen und vier Mal Holz eher an ein rasantes Videospiel. Die Sarden beschwerten sich im Anschluss über die Schiedsrichterleistung, und langsam wird diese mittlerweile alltägliche Hysterie fast aller Serie-A-Klubs unerträglich. Die passende Antwort gab Genoa-Trainer Gasperini: "Letztens habe ich in einer ruhigen Stunde analysiert, dass sich jeder Verein beklagt, durch die Referees sieben oder acht Punkte verloren zu haben. Ich fand allerdings nicht heraus, wo diese ganzen Punkte hin verschwunden sind, denn irgendjemand muss sie ja schließlich gewonnen haben." Amen.

300, 301, 3:3: Im italienischen Torhagel ging indes auch die Besonnenheit einiger Kommentatoren verloren. In Turin feierte der Reporter Alessandro Del Pieros Karrieretore 300 und 301, die Juve nach nur sieben Minuten 2:0 gegen den Tabellenletzten Siena in Führung brachten. "Damit hat Del Piero die Aufgabe Siena für Juventus früh erledigt", tönte er ins Mikrofon und widmete sich wohl erst recht anderen Dingen, als es nach zehn Minuten 3:0 stand. Vielleicht schaute er in der 73. Minute mal wieder aufs Feld und dürfte überrascht gewesen sein, dass Siena zum 3:3 ausgeglichen hatte. In der Ligageschichte von Juventus war es erst das dritte Mal, dass man ein 3:0 verspielte.

Die Unbesiegbaren: Chelsea, Barcelona, Inter, Leverkusen? Nein, Novara. Nach dem 2:0 in Perugia vom Wochenende bleiben die Norditaliener der einzige Profiklub der großen europäischen Ligen, der mit 17 Siegen und zehn Remis noch keine einzige Niederlage aufweist und ausgezeichnete Chancen besitzt, nach 33 Jahren wieder in die Serie B aufzusteigen. Shirts mit dem Aufdruck "Die Unbesiegbaren aus Europa" sind heiß begehrt und überhaupt soll demnächst der Durchmarsch in die Serie A folgen. Dort spielte der Klub zuletzt 1956.

Premier League

Von Raphael Honigstein

Shiltons Erbe heißt Gordon: Es gibt sie tatsächlich noch (oder: wieder?): gute britische Torhüter. Sunderlands Keeper Craig Gordon war beim 1:1 gegen Manchester City am Sonntag der beste Spieler des Wochenendes. Der 27-Jährige hielt alles - die Haltbaren, die haltbaren Unhaltbaren, die Unhaltbaren - und trieb die Gäste damit an den Rande der Verzweiflung. In der dritten Minute der Nachspielzeit musste sich allerdings auch Gordon geschlagen geben. Citys Rechtsaußen Adam Johnson hatte ihm einen unhaltbaren Unhaltbaren in den Giebel gezwirbelt. City ist, man mag es kaum glauben, nach dem späten Ausgleich weiter die am wenigsten besiegte Mannschaft der Liga, mit nur vier Niederlagen. Und Gordon, der 2007 für 10 Millionen Euro von den Hearts gekauft wurde, darf neben dem Prädikat "teuerster britischer Keeper" nun auch dieses tragen: "zurecht."

Premier League, 8. Spieltag

Und Bendtner trifft doch den Kuh-Arsch: Vergesst Messi, Ronaldo, Rooney. Der beste Stürmer der Welt ist: Nicklas Bendtner. Zumindest sieht das Nicklas Bendtner so. Arsenals Däne glänzte in der Vergangenheit mehr mit grenzenlosem Selbstbewusstsein als mit starken Leistungen und wurde dementsprechend oft aufgezogen. Gegen Burnley vergab er vor einer Woche sechs hundertprozentige Chancen und musste sich von Brian Laws, dem Trainer der Gäste, hinterher als "unser bester Mann" verspotten lassen. Eine "Horror-Show" ätzte die "Sun", "Bendtner hat die Arroganz von Thierry Henry, aber leider nicht seine Klasse vor dem Tor". Der 22-Jährige ließ sich davon jedoch nicht entmutigen; gegen den FC Porto erzielte er am Mittwoch einen Hattrick. Die "Sun" leistete prompt Abbitte. "Wir entschuldigen uns ohne Vorbehalt bei Nicklas Bendtner, nachdem sein großartiger Dreierpack die Gunners ins Viertelfinale geschossen hat", schrieb das Blatt. "Nach seinen Fehlschüssen gegen Burnley mögen wir versehentlich den Eindruck erweckt haben, Bendtner könne nicht mal einen Kuh-Arsch mit einem Banjo treffen, aber gestern Abend bewies der riesige Torjäger, dass er der beste Stürmer ist, der je den Rasen des Emirates geziert hat." Bendtner traf nach all dem (sarkastischen) Lob prompt auch beim 2:1-Sieg in Hull am Samstag, und zwar in der letzten Minute. Es könnte sein, dass der Treffer in der Saisonabrechnung noch einmal ganz wichtig sein wird - und die "Sun" sich dann auch noch für ihre Entschuldigung entschuldigen muss.

Mourinho schlägt Ancelotti: Das ganze Stadion an der Stamford Bridge wird am Dienstagabend den Namen des Chelsea-Trainers singen. Den Namen des alten Chelsea-Trainers, Jose Mourinho. Der Portugiese wird in West-London noch immer vergöttert, vor allem von seinen Spielern. "Jose ist der beste Manager, den Chelsea je hatte", sagte Frank Lampard nach dem 4:1-Sieg gegen West Ham, und der Mann muss es ja wissen. Lampard hat, wie ein interner Intelligenz-Test in der Mannschaft neulich ergab, tatsächlich einen IQ von 150. Welche Werte Joe Cole und Salomon Kalou erzielten, war leider nicht zu erfahren. Noch interessanter wäre aber zu wissen, was sich Ancelotti am Dienstag denken wird, wenn das Stadion dem Ex huldigt. Der Mann hat die Chance auf das Triple, wurde aber vom Publikum in acht Monaten noch nicht einmal besungen.

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