Montag, 15.02.2010

Blitzlichter aus Europa

Buffons kleines Schweinchen

Gianluigi Buffon kämpft in Italien gegen Lippenleser, Mourinho ist reif für Hollywod. In Spanien gibt's einen neuen Chilavert. Und in England sorgen Fotos von Coles kleinem Ashley für Aufregung.

Gianluigi Buffon (r.) hat mit Juventus Turin einen ersten Schritt aus der Krise gemacht
© Getty
Gianluigi Buffon (r.) hat mit Juventus Turin einen ersten Schritt aus der Krise gemacht

Serie A

von Oliver Birkner

Buffons kleines Schweinchen: In der letzten Woche kündigte der italienische Verband Großartiges an: Demnächst wird es für Gottesflüche auf dem Platz Spielsperren geben. Gotteslästereien sind in Italien im Alltag ziemlich verpönt, im Fußball allerdings eine Normalität wie Einwürfe. Es sitzen wirklich findige Leute an der Spitze des Calcio, denn die Crux der Blasphemie ist ohne Frage das absolut drängendste Problem des italienischen Fußballs. In kniffligen Fällen will man übrigens den TV-Beweis und - Achtung: Lippenleser zu Rate ziehen. Juventus-Keeper Gigi Buffon hatte am Sonntag Glück, dass die Regel erst in einigen Wochen in Kraft tritt. Nach einem kapitalen Fehler, der zu einem Gegentor führte, stieß er im Zoom der TV-Kamera die Worte "Dio" (Gott) und "porco" (Schwein) gefühlte 20 Mal aus. Buffon beschwörte hinterher allerdings, nicht "Dio" sondern "zio" (Onkel) geflucht zu haben, da er einen Onkel habe, der "wirklich ein kleines Schweinchen ist". Ob Buffons Onkel das vor dem Liga-Schiedsgericht inklusive Lippenleser unter Eid bestätigen muss, ist noch ungeklärt.

Brazzo als "Mitvorbereiter": Im Hause Juventus waren Religion und Tierwelt jedoch Nebensache, da man sich über profanere Dinge freute: Denn das 3:2 über Genua bedeutete den ersten Heimsieg seit dem 5. Dezember. In der ausgelassenen Freude wollte man auch nicht so pingelig sein und zugestehen, dass der wohlwollende Elfmeter zum Siegtor aus einem Foul deutlich vor dem Strafraum resultierte. Man honorierte eher Alessandro Del Pieros zwei Treffer in seinem 445. Ligaeinsatz (Juve-Rekord), den ehemaligen Bremer Diego, der per prächtigem Hackenpass das 2:1 eingeleitet hatte (sein allererster Assist für Juve aus dem Spiel heraus) und Hasan Salihamidzic, der eigentlich nur zehn Minuten spielte. Er bekam von den Sport-Gazetten aber gute Noten, weil er als Ballholer-Aushilfe kurz vor der Pause das Spiel schnell machte, und so das zwischenzeitliche 1:1 von der Bank "mitvorbereitete". Bisweilen sind es eben die kleinen Dinge, die den großen Unterschied ausmachen.

Mourinho reif für Hollywood: Nach dem 0:0 zwischen Napoli und Inter gab es mal wieder Neues von Jose Mourinho. Der Portugiese klagte wie gewohnt über nicht gegebene Elfmeter, zügelte sich dann aber: "Ich kann ja nicht jede Woche 25.000 Euro Strafe zahlen." Stimmt, da wäre das Jahres-Salär von elf Millionen Euro flugs aufgebraucht. Er könnte zur Abwechslung probieren, auf diese leidige Laier komplett zu verzichten. Film-Produzent und Neapel-Patron Aurelio De Laurentiis grummelte nach Spielende: "Mourinho versucht jede Woche, die Referees zu beeinflussen. Den würde ich nicht einmal geschenkt nehmen." Das letzte Wort besaß natürlich Mourinho: "Dieser De Laurentiis - ein klitzekleiner Herr, der noch nicht verstanden hat, dass Fußball nicht Hollywood ist." Mourinho ist in beiden Bereichen zweifelsohne ein exzellenter Hauptdarsteller.

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Der neue Chilavert: In Spanien sprach man am Wochenende viel über Keeper. Vorher stand Iker Casillas im Fokus, der beim 3:0-Auswärtssieg bei Deportivo Xerex sein 500. Spiel für Real absolvierte. Am Spieltag selbst stahl ihm allerdings Claudio Bravo die Show. Claudio wer? Bravo ist Keeper beim Zweitligisten Real Sociedad San Sebastian und eifert Jose Luis Chilavert insofern nach, dass er gerne Freistöße schießt. Nun war es gegen Gimnastic Tarragona so weit: Bravo netzte in der 45. Minute einen ruhenden Ball zum 1:0-Sieg ein. "Er hatte das vorher in einem Pressegespräch scherzhaft angekündigt, aber wir haben unter der Woche gespürt, dass er mehr und mehr Selbstvertrauen bekommt und deswegen haben wir ein bisschen gepokert", meinte Trainer Martin Lasarte verschmitzt. Er hatte Bravo im Spiel ermuntert, nach vorne zu gehen und das Ding rein zu hauen. Gesagt, getan.

Barca schlechter als Bayer: Pep Guardiola hatte schon so eine Ahnung. "Ich befürchte, dass ihr Triumph im Pokalhalbfinale ihr Selbstvertrauen weiter steigen lässt", sagte der Barca-Coach vor der Partie bei Atletico. Und dann lag sein Team mit einer Verlegenheitsabwehr mit Jeffren als Rechtsverteidiger nach 22 Minuten schon 0:2 hinten, am Ende stand die erste Saisonniederlage. Bayer Leverkusen ist damit das einzige Team, das in den Topligen Europas noch ungeschlagen ist.

Platzverweis-Hattrick in Villarreal: Was Villarreal den Zuschauern in dieser Saison bislang geboten hat, war wirklich nicht packend. Gegen Bilbao gab's nun allerdings mal wieder einen echten Krimi. In Durchgang eins brachte Capdevilla die Gastgeber in Führung, Gabilondo glich aus und Nilmar erzielte mit dem Pausenpfiff das 2:1 für die Submarinos. Schon ganz ordentlich, die echten Highlights folgten allerdings in der Schlussphase. In der 88. Minute hielt Villarreals Diego Lopez einen Elfmeter von Iraola, ehe Lopez' Teamkollege Diego Godin nach einem groben Foulspiel mit Rot vom Platz flog, was wiederum heftige Tumulte und ein Handgemenge auslöste. Die Folge: Für einen Ellenbogencheck zeigte Schiri Gomez auch Bilbaos Javi Martinez die Rote Karte und ließ sieben Minuten nachspielen. Genügend Zeit, um den Platzverweis-Hattrick perfekt zu machen: Bilbaos Pablo Orbaiz senste Villarreals Ruben aus den Schuhen - und flog vom Platz. Allerdings "nur" mit Gelb-Rot.

Premier League

von Raphael Honigstein

Ashley Cole steht seinen Mann: Für den Linksverteidiger vom FC Chelsea kommt es dieser Tage knüppeldick. Erst brach er sich bei der Niederlage gegen Everton den Knöchel, dann tauchten Nackfotos von ihm auf dem Handy des Oben-Ohne-Models Sonia Wild, 28, auf. Cole gibt zu, die Fotos von sich und dem kleinen Ashley in einem Hotelzimmer gemacht zu haben, will aber keine Bilder an Wild geschickt haben. "Es war ein Prepaid-Handy, das noch Kredit hatte, deswegen habe ich es einem Freund geschenkt", sagte er. Jener Freund gab das Ding angeblich an einen Kumpel weiter, der die Fotos im Speicher fand und mal eben an die wilde Sonia gesendet haben soll. Coles Gattin Cheryl nahm dem 29-Jährigen die hanebüchene Ausrede überraschenderweise nicht ab und zog vor dem Valentinstag in ein Hotel. Das Mitleid mit Ashley hält sich auf der Insel naturgemäß stark in Grenzen.

Dichtung und Wahrheit: Steven Gerrard hasst, wie alle echten englischen Fußballspieler, Schwalben. "Ich kann Schwalben nicht leiden", schreibt Stevie G in seiner Autobiografie, "wenn ich einen Mannschaftskameraden dabei sehen würde, würde ich ein ernstes Wörtchen mit ihm reden." Der Liverpool-Mittelfeldspieler muss in den letzten Tagen folglich lange Gespräche mit dem Mann im Spiegel geführt haben. Beim 0:1 gegen Arsenal am vergangenen Mittwoch fiel der Nationalspieler zwei Mal wie vom Blitz getroffen auf den Boden, beim zweiten Mal bekam er dafür jenen Freistoß, der kurz vor Schlußpfiff von Cesc Fabregas' Hand prallte. "Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Foul an Gerrard war", sagte Arsene Wenger süffisant. Das Wort "Schwalbe" aber wollte der Franzose lieber nicht in den Mund nehmen. "Die Kontroverse müsst ihr ohne mich machen", sagte der 60-Jährige. Nun, sie machten es nicht: die Zeitungen vertuschten die peinliche Aktion. Gerrard wird nämlich noch bei der WM gebraucht, wenn es wieder gegen diese betrügerischen Ausländer geht.

Playoff für Playoff? Die Premier League ist die reichste Liga der Welt, aber in gewisser Hinsicht auch die langweiligste: Seit sechs Jahren spielen jedes Jahr die gleichen vier Teams in der Gruppenphase Champions League. Selbst Liverpools schlechteste Saison seit Äonen wird daran wohl nichts ändern; Aston Villa, Tottenham und Man City sind aus unterschiedlichen Gründen einfach nicht konstant genug. Liga-Boss Richard Scudamore hat nun eine Idee: der vierte Champions-League-Platz soll in Zukunft in einem Playoff zwischen den viert- bis siebtplatzierten Teams ausgespielt werden. Das neue Format verspricht mehr Geld (juhu) und mehr Abwechslung (yippie). Die Big Four sind natürlich dagegen, alle anderen Klubs laut dem "Guardian" dafür. Das Problem ist nur, dass ja auch der Sieger dieses Playoffs die CL-Gruppenphase nicht garantiert hätte. Ob sich der Aufwand lohnt?

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