Afrika-Cup: Togo sagt Teilnahme ab

SID
Samstag, 09.01.2010 | 19:47 Uhr
Togos Nationalmannschaft wird nicht am Afrika-Cup 2010 teilnehmen
© Getty
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Venlo

Nach dem Angriff auf ihren Mannschaftsbus hat das Nationalteam Togos seine Teilnahme am Afrika-Cup abgesagt. Bei dem Anschlag waren drei Menschen ums Leben gekommen.

Afrika steht unter Schock, aber die Show soll trotzdem beginnen.

Obwohl der tödliche Terroranschlag auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft drei Opfer forderte, wird die WM-Generalprobe Afrika-Cup in Angola über die Bühne gehen.

Allerdings ohne Togo - am Samstag beorderte die togolesische Regierung die Mannschaft zurück.

Drei Menschen sterben

Assistenztrainer Abolo Amelete und Pressesprecher Stanislas Ocloo von der togolesischen Delegation sowie der Busfahrer kamen bei dem Angriff der Rebellen-Organisation FLEC in der angolanischen Exklave Cabinda ums Leben.

Außerdem sollen sieben weitere Personen zum Teil schwer verletzt sein.

"Amelete und Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben", sagte Kodjo Samlan, ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF. Der Busfahrer, um dessen Schicksal es zunächst widersprüchliche Angaben gegeben hatte, war offenbar direkt tot.

"Spieler stehen unter Schock"

"Die Spieler stehen unter Schock. Deshalb hat die Regierung beschlossen, die Mannschaft zurückzurufen", sagte der togolesische Minister und Regierungssprecher Pascal Bodjona am Samstagabend: "Wir können nach diesem Drama nicht am Wettbewerb teilnehmen."

Das Staatsfernsehen Angolas zeigte Togos Starstürmer Emmanuel Adebayor völlig verschreckt und in Tränen aufgelöst.

Vor dem Krankenhaus, in dem die Verletzten behandelt werden, tröstete Afrikas Fußballer des Jahres von 2008 seine Mitspieler. Am Samstag verließ er Angola und flog nach Hause.

"Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Sie haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, dann bewusstlos wurde und das alles", sagte Adebayor: "Ich glaube, dass viele Spieler abreisen wollen. Ich bin froh, dass ich noch lebe."

Auch Adebayors Mitspieler wollen schnellstmöglich die Heimreise antreten.

"Wir wollen alle nach Hause"

"Keiner will spielen. Wir wollen alle nach Hause. Wir als Spieler haben eine Entscheidung getroffen. Unter diesen Umständen können wir nicht spielen", sagte Mittelfeldspieler Moustapha Salifou. Die angolanische Regierung und die afrikanische Fußball-Konföderation CAF hatten vergeblich versucht die Mannschaft zur Teilnahme am Afrika-Cup bewegen.

Nationaltrainer Hubert Velud erhob schwere Vorwürfe gegen das Organisationskomitee.

"Die angolanischen Organisatoren sollten sich überlegen, den Wettbewerb abzusagen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir hier eigentlich den afrikanischen Fußball feiern wollen. Das war Krieg. Die Organisatoren scheinen das nicht ernst zu nehmen", sagte der Franzose, den eine Kugel am Arm erwischte.

Mittelfeldspieler Alaixys Romao erklärte, Togo werde "versuchen, die anderen Mannschaften unserer Gruppe zum Turnierboykott zu überreden".

Sein Teamkollege Thomas Dossevi lieferte eine eindringliche Schilderung des Vorfalls an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Cabinda, einem von vier Austragungsorten des 27. Kontinentalturniers.

"Wurden beschossen wie Hunde"

"Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Alle versteckten sich 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich."

Unter den Verletzten sind anscheinend Torhüter Kodjovi Obilale vom französischen Amateurklub GSI Pontivy und Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub FC Vaslui.

Der Zustand Obilales, der von zwei Kugeln in Rücken und Bauch getroffen wurde, soll mittlerweile stabil sein.

Verschiedene Medien hatten berichtet, dass auch Obilale unter den Todesopfern sei. Dies hatte jedoch Pontivy-Klubpräsident am Samstag dementiert. Obilale wurde inzwischen nach Johannesburg in Südafrika gebracht und soll schnellstmöglich operiert werden.

Leverkusens Toure blieb unverletzt

Bayer Leverkusen konnte nach einer Nacht der Ungewissheit dagegen aufatmen, denn Abwehrspieler Assimiou Toure überstand den Angriff unversehrt.

"Er ist körperlich nicht verletzt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Pressesprecher Dirk Mesch. Verletzt wurden dagegen einige weitere Delegationsmitglieder, unter ihnen angeblich der Vizepräsident des togolesischen Verbandes und der Torwarttrainer.

Die angolanische Regierung will die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärfen.

Sportminister garantiert Sicherheit

"Wir garantieren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten", sagte Sportminister Goncalves Muandumba.

Eine Abordnung der CAF reiste nach Cabinda, um die Togolesen zum Bleiben zu bewegen. Eine Absage des Turniers hatte die CAF fast reflexartig abgelehnt.

"Das Turnier findet statt", teilte der Verband mit. Am Sonntag soll der Afrika-Cup mit dem Duell zwischen Angola und Mali eröffnet werden. Am Freitag hatte die CAF den Anschlag völlig falsch eingeschätzt: Ein Reifenplatzer habe die Spieler verängstigt, hieß es zunächst.

Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (COCAN) erhob schwere Vorwürfe gegen die Togolesen. "Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos.

"In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben." FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sprach den Opfern seine "allerhöchste Anteilnahme" aus und forderte einen ausführlichen Bericht an.

Auch Pfister schockiert

Mit Entsetzen reagierte der ehemalige togolesische Nationaltrainer Otto Pfister auf den Anschlag.

"Das war ein echter Schock für mich. Eine ganz bittere Sache, unglaublich", sagte der Afrika-Experte, der Togo während der WM 2006 in Deutschland betreute: "Das ist ein echter Schlag für Afrika."

Der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (FLEC) bekannte sich zu dem Anschlag und drohte weitere Aktionen an.

"Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben.

Cabinda sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden, aber Angola besetzte das Gebiet. Seitdem kämpfen Rebellen gewaltsam für die Unabhängigkeit.

Rebellen drohen mit weiteren Anschlägen

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