Symbol für das neue Ghana

Von Haruka Gruber
Montag, 11.01.2010 | 16:38 Uhr
Sind beide beim Africa-Cup dabei: Isaac Vorsah (l.) und der Kameruner Mo Idrissou (Freiburg)
© Getty
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Beim Afrika-Cup fehlen etliche ghanaische Stars, daher setzt Deutschlands WM-Gegner auf die nächste Generation. Einer der neuen Anführer: Hoffenheims Isaac Vorsah. Sein Weg könnte bald nach England führen...

Es sind überraschend schüchterne Aussagen eines jungen Mannes, der sich als Fußballer über seine Aggressivität und physische Präsenz definiert.

"Ich bin ein Niemand. Ein Nobody", sagt Isaac Vorsah zu seinem Standing in der Öffentlichkeit. "Vielleicht werde ich es nach oben schaffen, so dass mich irgendwann jeder kennt. Aber das wird erst die Zeit zeigen."

Auf dem Platz lebt der Hoffenheimer von seiner Athletik und seiner Durchsetzungsfähigkeit, doch im Gespräch mit SPOX wirkt er eher zurückhaltend, fast schon demütig. Dabei könnte sein endgültiger Durchbruch früher kommen als von ihm selbst erwartet.

Vorsah als Symbol für Ghana

In Hoffenheim bereits eine feste Größe im erweiterten Stamm, wurde der 21-Jährige von der ghanaischen Nationalmannschaft für den Afrika-Cup nominiert und gilt dort in der ersten Elf als eingeplant.

"Isaac hat in Hoffenheim einen großen Schritt nach vorne gemacht. Er saugt die deutsche Mentalität auf und ist damit ein Symbol für den neuen ghanaischen Fußball", sagt Ex-Bundesliga-Profi Anthony Baffoe, derzeit Berater des ghanaischen Verbands, zu SPOX.

Baffoe weiter: "Früher war das größte Problem der Nationalmannschaft die fehlende Disziplin. Jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, dass mehr Wert auf Organisation und Effektivität gelegt wird. Isaac repräsentiert diese Eigenschaften."

Appiah,  Mensah & Muntari fehlen

Ghana, das bei der WM im dritten Vorrundenspiel auf Deutschland trifft, tritt mit etlichen Sorgen beim Afrika-Cup in Angola an. Michael Essien (FC Chelsea) ist angeschlagen, auf Kapitän Stephen Appiah (Bologna) und Abwehrchef John Mensah (Sunderland) muss Nationaltrainer Milovan Rajevac wegen Verletzungen komplett verzichten. Zudem fehlt Inter Mailands Mittelfeld-Star Sulley Muntari aus disziplinarischen Gründen.

Stattdessen wurden acht Spieler nominiert, die im Sommer mit der ghanaischen U 20 die Junioren-WM gewannen. Unter anderem auch Milans Neuerwerbung Dominic Adiyiah, MVP und Torschützenkönig des Turniers. "Wegen der vielen Ausfälle ist das Ziel, Afrika-Meister zu werden, zu hoch gegriffen. Es geht vor allem darum zu sehen, wie gut die jungen mit den älteren Spielern harmonieren", sagt Baffoe.

Eine entscheidende Rolle nimmt dabei Vorsah ein. Mit seinen 21 Jahren und der Erfahrung von zweieinhalb Spielzeiten im deutschen Profi-Fußball gehört er gemeinsam mit Udines gleichaltrigem Offensiv-Juwel Kwadwo Asamoah zu den Spielern, die Verantwortung übernehmen sollen.

Dank seiner Vielseitigkeit wird Vorsah im defensiven Mittelfeld (für Appiah) oder wie zu erwarten in der Innenverteidigung als Vertreter von Mensah (Vorsah: "Er ist mein Idol") zum Einsatz kommen.

Vielseitigkeit: Fluch oder Segen?

Eine Flexibilität, die in Hoffenheim jedoch dazu führt, dass Vorsah je nach Bedarf zwischen beiden Positionen hin- und hergeschoben wird, ohne eine feste Rolle zugewiesen zu bekommen. In Hamburg musste er sogar als Rechtsverteidiger aushelfen. Die Tatsache könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, dass Vorsah im taktischen Bereich hin und wieder Schwächen offenbart.

Dennoch sagt er: "Ich muss neben meinem Passspiel auch an meinem taktischen Verständnis arbeiten. Aber ich habe keine Probleme damit, zwischen dem Mittelfeld und der Abwehr zu pendeln." Ähnlich sieht es Baffoe: "Im modernen Fußball gehört es dazu, dass ein Spieler mehrere Positionen ausfüllen kann. Isaac ist dabei auf einem sehr guten Weg."

Die klassische Karriere

Geboren und aufgewachsen ist er in der Hauptstadt Accra. Vorsah durchlief die typischen Stationen eines Nachwuchsfußballers in Schwarzafrika. "Es ist die klassische Karriere. Am Anfang habe ich barfuss auf den Straßen gespielt, dann bin ich über kleinere Klubs 2007 beim Spitzenklub Asante Kotoko gelandet, wo ich gleich zum besten Verteidiger der ghanaischen Liga gewählt wurde", erinnert er sich.

Bereits in Ghana wurde Hoffenheim auf Vorsah aufmerksam, später scoutete ihn der Verein intensiver, als er in Österreich bei Red Bull Salzburg und Rapid Wien vorspielte. "Ehrlich gesagt kannte ich Hoffenheim vorher nicht, aber mein Agent hat mir zu dem Wechsel geraten und ich bereue nichts. Es war die absolut richtige Entscheidung", sagt Vorsah, der sich schnell an das Leben in der Provinz gewöhnte.

"Ich habe mich gleich wie zuhause gefühlt. Zufällig wohnen viele Leute, die ich aus Ghana gekannt habe, ebenfalls in der Region. In Heidelberg oder Mannheim. Das half enorm."

Angebot über fünf Millionen Euro aus England

Mittlerweile ist Vorsah bei Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick gesetzt. In dieser Saison stand er in neun der 17 Vorrunden-Spiele in der Startelf und zeigte durchweg gute bis solide Leistungen. Sollte sich seine Entwicklung fortsetzen, traut ihm Baffoe ohne Weiteres zu, eine zumindest ähnliche Laufbahn einzuschlagen wie Essien, Appiah oder Muntari und einer der nächsten ghanaischen Mittelfeldspieler zu sein, der bei einem großen europäischen Verein unter Vertrag steht.

Bereits im letzten Sommer gab der FC Everton ein Angebot über fünf Millionen Euro ab, das Hoffenheim ablehnte. Im Gegenteil: Hoffenheim ist darauf erpicht, den bis 2011 laufenden Vertrag mit Vorsah vorzeitig zu verlängern.

Nur: Es ist ein offenes Geheimnis, dass weitere Premier-League-Klubs um ihn mitbieten - und dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht. Immerhin würde er mit seiner imposanten Statur und dem robusten Spielstil perfekt in die englische Liga passen.

Doch kein Nobody?

"Ich fühle mich in Hoffenheim pudelwohl und habe viele Freunde. Aber schon als Kind habe ich die Premier League verfolgt und daher freut es einen, wenn man mitbekommt, dass englische Klubs Kontakt mit meinem Berater aufnehmen und Berichte über mich zu lesen sind", sagt Vorsah.

Nach einer kurzen Pause fügt er an: "Es zeigt, dass ich in der Fußball-Welt vielleicht doch registriert werde."

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