Fussball

Will denn keiner sein wie Messi?

Von Stefan Moser/Thomas Gaber
Eden Hazard (OSC Lille) gilt als eines der größten Talente im belgischen Fußball
© Imago

Wer 160 Millionen Euro im Säckel oder sonst wo hat, der kauft sich eben Cristiano Ronaldo und Kaka und baut sich eine Weltauswahl zusammen. Alle anderen müssen ihre Scouts in alle Himmelsrichtungen schicken, um nach neuen Wunderkindern zu suchen.

Doch auch für eher unbekannte Jungstars schnellten die Transfersummen in fast absurde Dimensionen - schließlich sind Europas Topklubs hinter ihnen her. SPOX stellt sechs der derzeit begehrtesten Talente vor. Fast alle werden dabei schon mit großen Namen verglichen:  Der neue Zidane, der neue Ronaldo, der neue Ballack, der neue Scifo. Nur einer fehlt: Der neue Messi.

Keirrison (20/Palmeiras Sao Paulo)

Das kann er: Den Namen sollte man sich merken. Wer eine Eselbrücke braucht, kann sich mit den speziellen Vorlieben seines Vaters behelfen: Der steht nämlich auf Rocksänger Jim Morrison und, warum auch immer, auch den Buchstaben "K". Ergibt zusammen: Keirrison - und der gilt aktuell als wertvollster Rohdiamant im brasilianischen Fußball. Der 20-Jährige wurde 2008 mit 21 Treffern Torschützenkönig der brasilianischen Serie A - als jüngster Spieler in der Geschichte. Keirrison ist ein echter Strafraumspieler: beidfüssig, dribbelstark, schnell, clever im Abschluss. Außerdem ist er ein ausgesprochenes Bewegungstalent und findet in schwierigen Situationen kreative Lösungen.

Sein unbedingter Wille und Zug zum Tor erinnert ein wenig an Liverpools Fernando Torres. Entsprechend ließ auch der FC Bayern Keirrison bereits beobachten. Münchens Südamerika-Scout Giovane Elber erklärt bei SPOX, warum: "Er ist im und am Strafraum unglaublich stark. Er ist sehr groß, aber trotzdem stark am Ball. Er wird den Sprung zu einem großen Verein schaffen." Allerdings: "Er hat auch eine große Schwäche: Er arbeitet noch zu wenig für die Mannschaft, bleibt gerne am Sechzehner stehen und wartet. Daran muss er arbeiten."

Dort ist er im Gespräch: Keirrison selbst träumt vom FC Barcelona - und nach Lage der Dinge wird er dorthin auch für rund 16 Millionen Euro wechseln. Angedacht ist dann möglicherweise ein Leihgeschäft: Der Brasilianer geht vorerst nach Valencia, dafür soll David Villa doch noch nach Barcelona kommen - und Keirrison Spielpraxis sammeln. Barcas größter Konkurrent ist wohl der AC Mailand. Trainer Leonardo sagte bereits im Frühjahr: "Er beeindruckt mich. Die Zeit ist reif, ihn nach Mailand zu holen."

Highlights von Keirrison im Video

Douglas Costa (18/Gremio Porto Alegre)

Das kann er: Als Teenager ist Douglas Costa naturgemäß noch in der Entwicklung, er absolvierte bislang erst 16 Spiele für die erste Mannschaft von Gremio. Vor allem nach seinen Auftritten in den Jugendnationalmannschaften wurde er wegen seiner präzisen Diagonalpässe in Brasilien aber schon als "neuer Ronaldinho" gefeiert. Seit Manchester United allerdings sein Interesse öffentlich machte, gilt er in England eher als "Next Cristiano Ronaldo". Tatsächlich erinnert Douglas (abgesehen von seiner Kopfballschwäche) in seiner Spielweise auch mehr an den Weltfußballer: Ein Flügelspieler, der bevorzugt aus dem Mittelfeld kommt, aber auch den direkten Weg zum Tor sucht; ein Freistoßexperte mit sehr spezieller Schusstechnik. Dazu ist er extrem schnell, sucht häufig mit Tempo das Eins-gegen-Eins.

Allerdings erinnert er auch in seinen vermeintlichen Schwächen an den jungen Ronaldo: Seine Ego überschreitet bisweilen die Grenze zur Arroganz, eine Orgie an Übersteigern ist ihm allemal lieber als ein trivialer Querpass. "Der Vergleich liegt nahe", sagt auch Elber, "er ist aber noch jung und muss lernen, dass er nicht alleine spielen kann. Er ist oft ziemlich ballverliebt." Wie die Entwicklung von CR7 allerdings beweist, wäre Alex Ferguson für Douglas sicher der optimale Lehrer.

Dort ist er im Gespräch: Topkandidat ist United, auch Juventus Turin, Real Madrid und Barcelona sind interessiert. Problem: Gremio will bislang knapp 25 Millionen Euro Ablöse. "Das ist zu viel und unrealistisch", sagt Elber, "obwohl er ein wirklich guter Junge ist, würde ich bei diesem Preis von einem Kauf abraten."

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Eden Hazard (18/OSC Lille)

Das kann er: Hazard ist ein offensiver Mittelfeldspieler. Er ist bekannt für seine Tempodribblings und seinen knallharten Rechtsschuss. Der 1,70 Meter große Belgier erinnert in seiner Spielweise an Mehmet Scholl. Die (übertriebene) Übersteigerqualität hat er sich von Cristiano Ronaldo abgeschaut. "Hazard ist ein Fußballer, in den du dich sofort verliebst, wenn du ihn nur fünf Minuten am Ball gesehen hast", sagt Barca-Sportdirektor Trixi Beguiristain. Mit 17 gab Hazard bereits sein Debüt für die belgische Nationalelf. Er gilt als Nachfolger des legendären Enzo Scifo. Hazards Verein Lille hat bereits Stars wie Eric Abidal oder Kader Keita ausgebildet.

Dort ist er im Gespräch: Real Madrid, FC Barcelona, Inter Mailand, FC Chelsea, FC Arsenal. "Ich würde Hazard für Madrid mit geschlossenen Augen verpflichten", sagt Zinedine Zidane. Hazard hat allen Interessenten eine Absage erteilt. "Ich habe in Lille noch einen Vertrag über drei Spielzeiten. Ich muss noch viel lernen. Ich möchte, dass alle Interessenten meine Entscheidung akzeptieren."

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Diego Buonanotte (21/Club Atletico River Plate)

Das kann er: Der nur 1,57 Meter große Argentinier ist extrem wendig, beidfüßig und mit einem harten und sehr platzierten Schuss ausgestattet. Buonanotte kann im offensiven Mittelfeld, überwiegend auf der linken Seite, oder im Sturm spielen. Seine Spielweise ähnelt der von Pablo Aimar. "Er ist kein Messi, aber er kann ein großer Spieler werden, wenn er weiter so unbekümmert bleibt", sagt Daniel Passarella, Weltmeister von 1982 und Bounanottes Ex-Trainer bei River Plate. 2007 wurde er vom "World Soccer Magazine" zu einem der 50 aufregendsten Fußballer der Welt im Teenager-Alter gewählt. 2008 gewann El Enano (der Zwerg) in Peking Olympia-Gold mit Argentinien und erzielte in der Vorrunde beim 2:0-Sieg der Albiceleste gegen Serbien einen Treffer. Außerdem holte er sich beim renommierten U-23-Festival in Toulon mit vier Treffern die Torjägerkrone.

Dort ist er im Gespräch: Benfica Lissabon, Galatasaray, Spartak Moskau, Juventus Turin, FC Porto. Bislang kursieren jedoch lediglich Gerüchte.

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Rasmus Elm (21/Kalmar FF)

Das kann er: Weil jeder der "Next irgendwas" ist, ist Elm eben der "nächste Ballack". Er kommt eher aus dem zentralen Mittelfeld, bevorzugt aus der Tiefe, sucht aber immer wieder den Weg in den Strafraum. Er ist stark in der Balleroberung, hat einen guten Instinkt und viel Übersicht, eine sehr reife Technik - und vor allem: eine richtig fiese rechte Klebe, mit der er auch aus allen Lagen draufhält. In Sachen Kopfballstärke kann er Ballack zwar nicht das Wasser reichen, dafür wirkt er koordinativ begabter als der deutsche Kapitän. Kein Wunder: Elm kommt aus einer echten Fußballer-Familie, auch seine älteren Brüder David und Viktor sind Profis. Rasmus ist der jüngste der drei schwedischen Talente - bringt es aber dennoch schon auf sechs Spiele und ein Tor in der A-Nationalmannschaft.

Dort ist er im Gespräch: Der FC Fulham hat bereits im Februar ein konkretes Angebot abgegeben, Kalmar wollte aber noch die U-21-EM abwarten. Zurecht: Obwohl Elm etwas im Schatten von Torschützenkönig Marcus Berg stand, verdoppelte er seinen Marktwert während des Turniers auf knapp acht Millionen Euro. Für die Engländer möglicherweise zu viel. Interessiert waren auch mal Hoffenheim, Heerenveen (wo sein Bruder Viktor spielt) sowie Ajax Amsterdam.

Highlights von Rasmus Elm im Video

Sofiane Feghouli (19/Grenoble Foot 38)

Das kann er: Feghouli ist ein schneller, robuster und technisch starker Offensiv-Allrounder, der sich im rechten Mittelfeld am wohlsten fühlt. Er hat sich in Frankreich einen Namen durch seine Dribblings und seine messerscharf geschlagenen Flanken gemacht. Aufgrund seiner Spielweise und seiner algerischen Herkunft wird er gerne als "neuer Zidane" bezeichnet. Grenobles Trainer Mehmed Bazdarevic ließ Feghouli in der letzten Saison bewusst öfters draußen. "Er hat so viel Talent. Und er hat auch die körperlichen Voraussetzungen, ein großer Spieler zu werden. Er ist besser als die meisten Spieler in seinem Alter. Ich will seine Entwicklung nicht bremsen, aber wir dürfen ihn nicht verheizen", sagte Bazdarevic.

Dort ist er im Gespräch: Olympique Marseille und Olympique Lyon sind die heißesten Kandidaten. Gut möglich aber auch, dass Feghouli noch ein Jahr in Grenoble bleibt.

Highlights von Sofian Feghouli im Video

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