Fussball

"Ich habe die Hoffnung aufgegeben"

Von Interview: Frank Oschwald
Tragische Sekunden im CL-Finale 1999: Carsten Janckers Fallrückzieher trifft nur die Latte
© Getty

Carsten Jancker befindet sich derzeit in einer prekären Situation. Trotz Kapitänsbinde und eines Vertrags bis 2010 musste er seinen aktuellen Verein, den SV Mattersburg, verlassen. Im Interview mit SPOX spricht der Ex-Nationalspieler über seine nächsten Pläne, die Bayern, Louis van Gaal und Franck Ribery und seinen Masochismus in Sachen Champions-League-Finale 1999.

SPOX: Herr Jancker, wie hat Sie die Meldung erreicht, dass Ihr Verein Mattersburg nicht mehr mit Ihnen plant?

Jancker: Das kam wirklich völlig überraschend. Immerhin habe ich vor der letzten Saison noch um zwei Jahre verlängert. Und nun hat man mir erklärt, dass ich nicht mal mehr mit der Mannschaft trainieren darf.

SPOX: Sie waren Kapitän und haben sieben Tore in der aktuellen Saison geschossen. Hat der Verein Gründe genannt?

Jancker: Jedenfalls keine, die für mich nachvollziehbar sind.

SPOX: Und wie geht es nun weiter?

Jancker: Ich mache mir deshalb noch keine Hektik und keine großen Sorgen, da in einem Jahr sowieso Schluss gewesen wäre. Dass es nun aber so schnell gegangen ist, hat mich dann doch überrascht. Aber so ist nun mal der Fußball. Doch letztendlich habe ich noch ein Jahr Vertrag bei Mattersburg und entsprechend noch ein wenig Zeit - und die Transferliste ist noch eine Weile offen.

SPOX: Allerdings wollen Sie nicht mehr umziehen...

Jancker: Fakt ist: Ich will auf keinen Fall mehr umziehen, weil meine Familie schon so oft mit mir mitgezogen ist. Wir haben diese Station immer als die letzte gesehen - und so wird es auch bleiben.

SPOX: Der Routenplaner sagt, zum Trainingsgelände vom SK Slovan Bratislava wären es 31 Minuten, 47 nach Wien und 51 ins ungarische Györ...

Jancker: Mein Berater ist da gerade noch dran und schaut, ob irgendwas möglich ist. Ich lasse alles auf mich zukommen.

SPOX: Eine Rückkehr nach Deutschland ist aber ausgeschlossen?

Jancker: Absolut. Ich habe es meiner Familie versprochen, das ist einfach Fakt.

SPOX: Wie sieht es in Sachen Trainerschein aus? Sehen wir Sie dann bald in Deutschland auf einer Trainerbank?

Jancker: Ich werde den Trainerschein nun anfangen. Ob ich irgendwann in Deutschland landen werde, wird man sehen. Ich habe gerade erst erfahren, dass ich in Mattersburg als Kapitän gekündigt worden bin und hatte erst zwei Wochen Zeit, um mich darum zu kümmern. Ich werde das alles auf mich zukommen lassen und zusehen, dass ich noch einen Verein finde, bei dem ich spielen kann.

SPOX: Verfolgen Sie denn noch die Bundesliga?

Jancker: So viel es geht. Aber nachdem wir in der Regel selbst samstags spielen, leider meistens nur die Zusammenfassungen.

SPOX: Und Sie drücken weiter dem FC Bayern die Daumen?

Jancker: Ich habe sieben Jahre dort gespielt und eine tolle Zeit gehabt. Ist ja klar, dass ich immer noch ein wenig mitfiebere!

SPOX: Haben Sie noch Kontakte nach München?

Jancker: Sehr wenige. Lediglich zu Masseur Freddy Binder habe ich noch einen guten Draht. Aber das war's auch schon.

SPOX: Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung bei den Münchnern? Ist Louis van Gaal endlich der richtige Trainer?

Jancker: Das wird man sehen. Er war schon bei vielen großen Vereinen, weiß auch, wie man die Champions League gewinnt - und das ist ja schließlich das große Ziel der Bayern. Ich denke, dass der FCB einen guten Mann geholt hat. Aber nun muss die Mannschaft erst mal überzeugen.

SPOX: Werden wir Klose, Schweini, Gomez und Co. nach dem 34. Spieltag mit der Schale auf dem Marienplatz sehen?

Jancker: Die Bayern sind wieder Top-Favorit auf die Meisterschaft, so wie jedes Jahr. Aber nächste Saison wird der FC Bayern dann auch wieder Meister.

SPOX: Noch ein kleines Statement zum Ribery-Poker? Denken Sie, er wird nach Spanien gehen?

Jancker: Da bin ich wahrscheinlich nicht nahe genug dran. Mal heißt es, er ist unverkäuflich, dann wieder, dass er doch gehen kann. Das müssen die Bayern und Ribery letztendlich selber wissen. Wenn er weiter beim FCB spielen wird, weiß man allerdings nicht, ob er weiterhin seine Leistungen bringt.

SPOX: Zum 10-jährigen Jubiläum kam in den letzten Monaten immer wieder das Champions-League-Finale von 1999 im Fernsehen. Waren Sie so masochistisch und haben es sich noch mal angetan?

Jancker: Ich schau's mir immer wieder an!

SPOX: Warum? Haben Sie gehofft, dass der Fallrückzieher, der an die Latte geklatscht ist, beim zehnten Mal vielleicht doch reingeht?

Jancker: Die Hoffnung habe ich aufgegeben! Zum Glück haben wir die Champions League 2001 geholt. Das Spiel gegen Manchester war einfach ein komisches Spiel. Keiner, der es gesehen hat, konnte glauben, was da vorgeht. Es sollte einfach so sein.

SPOX: Herr Jancker, zum Schluss müssen Sie mir noch eine Frage beantworten: In der letzten Saison hat das Sturmduo Jancker/Naumoski zusammen 25 Gelbe Karten kassiert: Wie schafft man das als Stürmer?

Jancker: (lacht) Wir waren natürlich im Abstiegskampf. Da kann's schon mal passieren, dass man eine Gelbe Karte bekommt.

Carsten Jancker im Steckbrief

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