Der weibliche Beckham

Von Tiny Peter
Freitag, 27.03.2009 | 11:00 Uhr
Marta (l.) und die Schwedin Johanna Frisk präsentieren die neuen Outfits der WPS
© Imago
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Jetzt heißt es Brust raus und Pobacken zusammenkneifen. Noch etwas steif um die Hüfte trottet Marta Viera da Silva mit strengem Pferdeschwanz und winkender Handbewegung auf einem grasgrünen Laufsteg mitten ins Blitzlichtgewitter.

Die momentan wohl beste Fußballerin der Welt hat einen verdammt schwierigen Auftrag erhalten: die neue Frauenfußball-Profiliga in den USA salonfähig zu machen.

Die USA sind eine der sportbegeistertsten Nationen der Welt. Doch ausgerechnet der Fußball gehört nicht zur Startformation der populärsten Sportarten in diesem Land.

Während American Football, Baseball und Basketball hoch in der Gunst des US-Publikums stehen, fristet Soccer in den USA weiter ein tristes Dasein auf der Ersatzbank.

Daran konnten weder Pele und Franz Beckenbauer in 70er Jahren noch David Beckham, der seit Sommer 2007 der Major League Soccer Glanz, Glamour und Ballgefühl verleihen sollte, nichts ändern. Mittlerweile hat auch er wieder seine sieben Sachen gepackt und ist mit seinem Spice-Girl an der Hand zum AC Milan ins fußballverrückte Italien entflohen.

Damit Fußball nun endlich auch auf der anderen Seite des großen Teichs in Mode kommt, haben sich die Organisatoren der am 29. März startenden Frauenfußball-Profiliga WPS (Women's Professionell Soccer) im Vorfeld etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Mit Mini-Rock auf Zuschauerfang

Jetzt sollen also tatsächlich die Frauen den amerikanischen Männern Fußball schmackhaft machen. Doch da Fußball in den Staaten ohnehin immer noch in erster Linie als Frauen- und Freizeitsport angesehen wird und American Football, Eishockey und Baseball dagegen stets die Sportarten der harten Jungs repräsentieren, stehen die Chancen für die Damen vielleicht gar nicht so schlecht.

Damit die WPS gleich zu Saisonbeginn genug Aufmerksamkeit erfährt und das Interesse des US-Publikums geweckt wird, wurden der Öffentlichkeit bei der offiziellen Vorstellung der zukünftigen Mannschafts-Outfits schon einmal ein paar verführerische Appetithäppchen serviert.

Vor allem die knappen und der weiblichen Figur besonders schmeichelnden Spieler-Röckchen sollen offenbar Hunger auf mehr machen. Denn anstelle ausgebeulter Shorts, dürfen die WPS-Girls nun auch mit einem femininen Sportrock zur Grätsche ansetzen. Mit welcher Variante unter der Gürtellinie letztendlich eine Spielerin aufläuft, soll jedoch immer noch ihr selbst überlassen bleiben.

Sex und Marta als Erfolgsrezept

Dennoch wird bei dieser Modenschau zumindest schon mal deutlich, mit welcher Strategie die WPS an den Mann gebracht werden soll. Die Devise "Sex Sells" hat schon ganz andere Branchen erobert - wieso also nicht auch den Frauenfußball? Die Spielerinnen zumindest haben schon mal bewiesen, dass sie nicht nur in sportlicher Hinsicht Reizpunkte setzen können.

Doch nicht nur allein der Sexfaktor soll die Amerikaner in die Stadien locken. Natürlich soll dem Zuschauer auch athletisch-dynamischer und sehenswerter Fußball geboten werden. Und da kommt Marta Viera da Silva ins Spiel.

Während Martas WPS-Kolleginnen in erster Linie mit ihren Dr.-Best-Zahnweiß-Lächeln auf dem Laufsteg glänzen, soll die amtierende Weltfußballerin mit ihrem fußballerischen Talent dem Publikum im Stadion den Kopf verdrehen.

Womöglich könnte sie sogar Erfolg bei den Amerikanern haben, schließlich ist ihr Antritt fast so explosiv, wie ein actiongeladener Hollywoodstreifen - und den Ball behandelt sie mindestens genauso liebevoll und fürsorglich, wie eine Vorzeige-Mom aus einer typisch amerikanischen Vorstadtsiedlung ihre Kinder.

Erster Versuch einer Frauen-Liga gescheitert

Doch auch wenn die WPS aller Voraussicht nach einige der weltbesten Spielerinnen beherbergen wird, heißt das noch lange nicht, dass die Liga sich nachhaltig in den amerikanischen Sportraum integriert. Schon einmal ist der Versuch, Frauenfußball in den USA auf professionelles Niveau hoch zu hieven, gescheitert.

Die WUSA (Women's United Soccer Association), die 2001 nach dem grandiosen medialen und sportlichen Erfolg der Frauenfußball-WM 1999 in den USA ins Leben gerufen wurde, musste schon drei Jahre später aufgrund von finanziellen Engpässen den Spielbetrieb wieder einstellen.

Damals war es die Amerikanerin Mia Hamm, die als Zugpferd der WUSA fungierte und die Zuschauer ins Stadion locken sollte. Während jedoch zu jener Zeit das Mia-Hamm-Barbie-Püppchen mit Pferdeschwänzchen und schwarz-weißer Fußballmurmel am Fuß auf dem Spielzeugmarkt zum absoluten Renner avancierte, konnte die echte Mia Hamm nur selten für volle Stadionränge bei den WUSA-Spielen sorgen.

Regelmäßige TV-Berichterstattung

Auch die Medien zeigten zu geringes Interesse an der Profiliga. Komisch eigentlich, denn Fußball, insbesondere der weibliche Kick, hatte sich Anfang des 21. Jahrhunderts zumindest auf Freizeitsportebene zum neuen Trendsport der US-Bevölkerung entwickelt und lief gar dem Volkssport Baseball allmählich den Rang ab.

Mittlerweile streicheln auch in den Vereinigten Staaten mehr Jugendliche und Kinder den Lederball mit dem Fuß, anstatt ihn mit einem splitternden Holzschläger durch die Lüfte zu dreschen. Dennoch schaltet der normale Ami nur selten bei Fußballübertragungen den Fernseher ein.

Nichtsdestotrotz will sich die WPS auf dem Sportmarkt etablieren. Für insgesamt sieben Mannschaften (Boston Breakers, Chicago Red Stars, FC Gold Pride, Los Angeles Sol, Saint Louis Athletica, Sky Blue FC und Washington Freedom) konnten dafür im Vorfeld Investoren gefunden werden.

Auch für eine regelmäßige Fernsehberichterstattung ist gesorgt. So sicherte sich "Fox Soccer Channel" beziehungsweise "Fox Sports Net's" für drei Jahre die Übertragungsrechte der WPS.

Darüber hinaus sollen die Begegnungen nun nicht mehr auf einem mit Yard-Linien voll gekleisterten Spielfeld  ausgetragen werden, sondern in neu errichteten reinen Fußballstadien.

Stoff für einen Kinokassen-Schlager

Wer schon einmal bei einem Frauenfußball-Bundesligaspiel in Deutschland war, wird festgestellt haben, dass sich außer ein paar kreischenden Schulmädchen, einer Handvoll Rentnerpaaren, die sich verlaufen haben, und bierbäuchigen Bratwurstverkäufern hierzulande in der Regel nur wenige für einen Stadionbesuch eines Frauenfußballspiels begeistern können.

Ob es in den USA anders aussehen wird? Sicher ist eigentlich nur, dass anstatt Bratwürstchen Hot Dogs in Pappbrötchen auf den Rängen vertilgt werden.

Dennoch sind die WPS-Funktionäre von ihrem Erfolgsrezept überzeugt: Marta wird mit ihrer fintenreichen Ballführung für das Überraschungsmoment sorgen, ein paar hübsche Schwedinnen zeigen etwas Haut - und Bälle sind ohnehin immer im Spiel. Hört sich doch eigentlich an wie ein klassischer Kinokassenfüller.

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