Dienstag, 30.09.2008

Polen

FIFA und UEFA erkennen PZPN-Führung nicht an

Die Entmachtung der polnischen Fußball-Spitze hat scharfen Protest der internationalen Dachverbände FIFA und UEFA ausgelöst und stellt die EM 2012 im deutschen Nachbarland erneut in Frage.

Fußball, International, Polen, Litzkiewicz
© dpa

Einen Tag nach der Absetzung von Verbandschef Michal Listkiewicz und dessen Präsidiumskollegen durch ein Schlichtungsgericht des Polnischen Olympischen Komitees (PKOL) lehnten FIFA und UEFA den sportpolitischen Umsturz strikt ab.

Als Konsequenz würde jedes nicht vom bisherigen Präsidium abgezeichnete Schriftstück als irrelevant betrachtet, teilten FIFA und UEFA in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Listkiewicz hofft auf interne Aufklärung

Die mächtigen internationalen Fußball-Organisationen wollen das Internationale Olympische Komitee IOC anrufen, um die "Verletzung der Autonomie von Sportverbänden" von höchster Stelle bewerten zu lassen.

Listkiewicz forderte eine rasche Lösung des Konflikts. "Wir müssen diesen Brand schnell löschen", sagte er im polnischen Fernsehen und drängte auf eine Klärung "im eigenen Kreis" - ohne Hilfe der internationalen Verbände.

Im Oktober werden sich aber das FIFA- Exekutivkomitee und das UEFA-Emergency Panel mit der Angelegenheit beschäftigen.

Keine Auswirkungen auf EM

Über mögliche Auswirkungen auf die Gastgeberrolle Polens für die EM 2012 äußerte sich die UEFA nicht, aber der überraschende Umsturz ist ein erneuter herber Rückschlag.

Erst vor wenigen Tagen hatte das UEFA-Exekutivkomitee Polen und Co-Gastgeber Ukraine trotz großer Organisationsprobleme das Vertrauen ausgesprochen - dieses aber an zahlreiche Auflagen geknüpft.

Ein offenbar unausweichlicher Machtkampf oder gar ein drohendes dauerhaftes Machtvakuum an der polnischen Verbandsspitze könnte eine nicht zu tolerierende weitere Verzögerung der EM-Planungen mit sich bringen.

Wahlen verschoben

Das Schlichtungsgericht des PKOL hatte die Listkiewicz-Führung auf Antrag des Sportministers Miroslaw Drzewiecki abgesetzt.

Als kommissarischer Verwalter wurde Robert Zawlocki eingesetzt. Als Begründung wurden "zahlreiche Unregelmäßigkeiten" im Verband angegeben.

Die für den 30. Oktober geplante Präsidiumswahl wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Polens Fußball wird seit Jahren von Schmiergeldskandalen erschüttert. Auch die Fan-Gewalt ist ein großes Problem im Land des WM-Dritten von 1974 und 1982.

Zustände wie in Togo

FIFA und UEFA lehnen grundsätzlich jede Einmischung von staatlichen Institutionen in Angelegenheiten der nationalen Verbände ab und haben in den vergangenen Jahren mehrfach Mitglieder deswegen suspendiert.

Listkiwicz nannte den Fall eine Blamage für Polen. Bisher seien solche Fälle "nur aus Togo oder Malaysia" bekannt gewesen.

Sportminister Drzewiecki wies den Vorwurf der Einflussnahme zurück, obwohl er den entscheidenden Antrag beim PKOL gestellt hatte. In Polen gibt es auch Stimmen, die einen Wechsel an der Spitze befürworten. J

an Tomaszewski, bei der WM 1974 in Deutschland Polens Nationaltorwart, nannte das Vorgehen von UEFA und FIFA eine Erpressung. Die internationalen Institutionen agierten wie die Mafia.


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