Es gibt zwei WM-Ersatzkandidaten

SID
Montag, 11.08.2008 | 21:55 Uhr
Fussball, FIFA, Präsident, Blatter
© DPA
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München - FIFA-Präsident Joseph Blatter packt mal wieder einen aus. Sein engster Vertrauter, Generalsekretär Jerome Valcke, weiß nichts von einem zweiten Ersatzkandidaten für die WM 2010 in Südafrika Kandidaten - denn den kennt einzig und allein Blatter.

Im Interview spricht Blatter zudem noch über die zukünftigen Abstellungen von Spielern für die Olympischen Spiele und einer WM 2010 in Südafrika, die im Ersatzfall nicht in Europa stattfinden würde. 

Frage: Wie wird das olympische Fußball-Turnier 2012 aussehen?

Joseph Blatter: Wir wollen versuchen, dass in London 2012 nur noch U-23-Spieler dabei sind und es keine Ausnahmeregeln mit älteren Spielern mehr gibt. Und ich bin überzeugt, dass wir den FIFA-Kongress auch davon überzeugen können. Meiner Ansicht nach sollten wir das Olympia-Turnier bei der heutigen Qualität der U-23-Spieler als U 23-Turnier belassen, die Abstellung dann aber zur Pflicht machen und das Gewohnheitsrecht durch einen Entschluss ersetzen.

Frage: Heißt es, dass die Abstellung bis jetzt keine Pflicht war?

Blatter: Doch das war es, aber wenn man uns per CAS-Entscheidung sagt, dass keine eindeutige Regel vorliegt, dann werden wir diese Regel abliefern. Die vergangenen vier oder fünf Olympischen Spielen liefen ohne eine einzige Reklamation und daraus wurde ein Gewohnheitsrecht. Es ging in Peking nur um drei Spieler. Barcelona lässt Messi spielen. Mit Werder Bremen haben wir kein Problem. Herr Allofs war sehr direkt mit der FIFA und wollte nur wissen, ob die Spieler versichert seien und sie sind versichert. Der einzige Fall ist nur noch Rafinha mit der etwas harten Haltung von Schalke 04.

Frage: Was hindert Sie dran, das olympische Turnier in den FIFA-Rahmenkalender aufzunehmen?

Blatter: Das ist nicht möglich, weil in diesem Kalender nur die A-Länderspiele oder die Turniere der Konföderationen oder die FIFA-Turniere aufgeführt sind. Abgesehen davon sind die Olympischen Spiele mal im September, mal im Oktober, das letzte Mal waren wir im Juli, jetzt sind wir im August, aber in unserem Kalender gibt es nur Nischen vom 15. Juni bis 30. Juli.

Frage: Braucht Olympia Fußball mehr als Fußball Olympia braucht?

Blatter: Das ist eine gute Frage. Ich glaube schon, dass Olympia uns mehr braucht als andersrum. Bei den olympischen Fußball-Turnieren in Barcelona und Athen hatte der Fußball keinen Stellenwert, denn die europäischen Fans sind verwöhnt von großem Fußball und großen Stars und da interessiert es keinen, wenn Marokko gegen Katar gespielt hat.

Frage: Wie sehr fürchten Sie dann das Olympische Turnier als Konkurrenz für die WM?

Blatter: Das ist keine Konkurrenz für die FIFA, es war es nie, und wird es auch nie sein. Es wird nie eine zweite WM.

Frage: Aber trotzdem spielen die Besten nicht bei Olympia.

Blatter: Olympia möchte alles haben, möchte die Nationalmannschaften haben, aber das können wir nicht geben. Fußball wird von den Zuschauerzahlen her die Nummer eins bei Olympia sein. In vielen Ländern ist das Nationale Olympische Komitee eine Art Sportministerium, und eine Olympia-Teilnahme ist dort sehr wichtig. Und die möchten, dass die besten Fußballprofis bei Olympia sind. Nur, das können wir nicht machen.

Frage: Nach den Abstellungs-Querelen im Vorfeld schimpfte die ganze Fußball-Welt auf Blatter. Inwieweit fühlen Sie sich als Buhmann?

Blatter: Die Klubs schimpfen ja immer auf Blatter. Ich bin doch etwas überrascht, da wir mit dem Europäischen Klub-Forum Friedensgespräche geführt haben. Ich bin überrascht, dass der Frieden nicht greift.

Frage: Rogge sagte in einem Interview: Wenn die Vereine die U-23-Spieler nicht abstellen, können sie von der FIFA für die Dauer des Olympia-Turniers für ihre Vereine gesperrt werden. Was wusste Rogge nicht?

Blatter: Rogge ist gut informiert, und die ganze Fußball-Familie war auch gut informiert. Wir sind jetzt nur vor die Tatsache gestellt worden, dass das CAS gesagt hat, unsere Handhabe bei den Spielen 92, 96, 2000 und 2004 habe heute keine Gültigkeit mehr. Ich war genauso überzeugt wie er, dass dies stimmt. Und jetzt stelle ich fest, dass das Schiedsgericht gesagt hat, nein es gibt keine bindenden Regeln. Wir wissen nicht, warum sie so entschieden haben.

Frage: Rückblickend auf diese Probleme: Was würden Sie anders machen?

Blatter: Würden Sie die gleiche Frau noch einmal heiraten? Ich bin jetzt 33 Jahre in der FIFA. Ich habe verschiedene Situationen erlebt, aber diese hier ist eine sehr unerfreuliche Situation, denn wenn es in der Familie des Fußballs nicht sehr viel Solidarität und Respekt für die Olympischen Spiele und den Fußball geben würde, könnten ja alle Vereine nach dem CAS-Urteil ihre Spieler zurückholen. Ich bin dankbar für die Solidarität.

Frage: Stichwort Südafrika: Wieviele Ersatzkandidaten gibt es für Südafrika?

Blatter: Falls es eine Naturkatastrophe unmöglich machen sollte, eine WM in Südafrika zu spielen, gibt es Ersatzkandidaten. Es war doch historisch, dass das IOC entschieden hat, dass die IOC-Session 2011 in Durban stattfindet. Das ist das erste Mal, dass solch eine olympische Veranstaltung auf afrikanischem Boden stattfindet. Und das ist auch eine Bestätigung für das Vertrauen in unsere WM.

Frage: Nochmal: Wieviele Ersatzkandidaten gibt es für Südafrika?

Blatter: Wir haben zwei Ersatzkandidaten.

Frage: Ihr Generalsekretär Jerome Valcke sagte: Den Ersatzkandidaten kennen nur Joseph Blatter und ich. Er hat von einem Ersatzkandidaten gesprochen.

Blatter: Er kennt nur einen, aber es gibt zwei.

Frage: Gehört Deutschland zu den Ersatzkandidaten?

Blatter: Nein, es ist kein europäisches Land darunter. Wir können nicht zurück nach Europa gehen.

Frage: Gab es für die WM 2006 in Deutschland auch einen Ersatzkandidaten?

Blatter: Nein, darüber wurde nie gesprochen.

Frage: Aber die Gerüchte über einen Ersatzkandidaten halten sich hartnäckig.

Blatter: Ich habe die WM in Südafrika nie in Frage gestellt, aber es hat auch nichts geschadet, dass die Medien darüber berichten, denn jetzt ist Action reingekommen in Südafrika.

Frage: Und vorher war zu wenig Action?

Blatter: Nein, aber sie müssen Südafrika verstehen. Es gibt dort einen anderen Rhythmus, manchmal auch eine gewisse Genügsamkeit.

Frage: Joseph Blatter verteilt taktische sanfte Tritte in den Hintern?

Blatter: Nein, das sage ich nicht, aber so wurde es interpretiert, und das hat nicht geschadet.

Frage: Und was ist mit den politischen Unruhen, der Fremdenfeindlichkeiten vor ein paar Monaten, der Sicherheitsproblematik?

Blatter: Südafrika ist ein offenes Land. Im kommenden Jahr wird ein neuer Präsident gewählt. Zuma ist der große Kandidat. Er war Anfang Februar bei mir in Zürich, und auch er sagte, selbst bei einem Machtwechsel laufe die WM ganz normal weiter.

Frage: Die WM ist Ihr Baby. Wäre ein Scheitern der WM eine persönliche Niederlage?

Blatter: Wenn es eine erfolgreiche WM wird, hat die FIFA gewonnen. Wenn nicht, hat Blatter verloren. Im Fußball lernt man zu gewinnen, das ist einfach. Aber man lernt auch zu verlieren. Ich habe durch die CAS-Entscheidung verloren, aber daraus müssen wir das Beste machen. Und wenn Südafrika nichts wird, müssen andere entscheiden. Ich bin gewählt bis 2011, wenn ich überhaupt noch solange lebe. Ich weiß ja nicht, was der liebe Gott noch mit mir oder dem Fußball vorhat.

Frage: Was kann schiefgehen in Südafrika?

Blatter: Von der Organisation kann nichts schiefgehen. Es wird eine gute WM, aber es wird eine neue WM, eine neue Dimension. Es wird ein anderer Rhythmus reinkommen, eine andere Farbe.

Frage: Wird die WM besser als in Deutschland?

Blatter: Die WM wird anders. So ein Sommermärchen wie in Deutschland kann man nicht wiederholen, und ich habe sehr viele Weltmeisterschaften erlebt.

Frage: Wollen Sie sagen, dass Sicherheit in Südafrika kein Problem ist?

Blatter: Wir sind uns bewusst, dass in Südafrika die Sicherheit ein spezifisches Problem ist, das uns beschäftigt, das noch mehr die südafrikanisches Regierung beschäftigt, und dass wir zusammen Wege finden müssen, damit die Sicherheit gewährleistet wird, aber wir können diese Sicherheit nicht herstellen. Das ist eine Angelegenheit des Staates. Aber wenn man weiß, wo der Teufel sitzt, weiß man, wie man ihm zu begegnen hat.

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