Samstag, 19.07.2008

Mission Südafrika 2010

Fanz wartet auf Castro

Hamburg - Reinhold Fanz trägt den gleichen rot-weißen Trainingsanzug wie Fidel Castro. Links das Adidas-Zeichen, rechts die kubanische Flagge, auf dem Rücken der Schriftzug "Cuba".

Fußball, Kuba, Reinhold Fanz, Lutz Pfannenstiel
© DPA

Der Ex-Trainer des Karlsruher SC soll dem kranken Maximo Lider einen großen Wunsch erfüllen: Die erste Teilnahme an einer Fußball-WM seit 1938. Damals scheiterten die Karibik-Kicker im Viertelfinale an Schweden - mit 0:8.

In Deutschland bereitet Fanz Kuba derzeit auf ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg nach Südafrika vor. Die Auslosung für die Qualifikation zur WM 2010 will es, dass im September erstmals seit 61 Jahren Erzfeind USA zu Gast sein wird. "Ich glaube nicht, dass das politisch instrumentalisiert wird", sagt Fanz.

"Sie sind noch zu verspielt"

Begleitet wird Fanz auf seiner Mission von Torwarttrainer Lutz Pfannenstiel, dem 35 Jahre alten "Welttorhüter", der bereits auf allen sechs Fußball-Kontinenten des Weltverbandes FIFA gekickt hat.

Der Niederbayer, der in seiner Karriere wegen angeblichen Wettbetrugs schon in Singapur im Gefängnis saß ("Das war brutal") und nach einem Zusammenprall in der dritten englischen Liga klinisch tot war, sagt: "Wir sind hier, damit sie von deutschen Vereinen lernen können."

Zum Auftakt der Deutschland-Tournee zahlen "ihre Jungs", aber bitteres Lehrgeld. Mit einem ähnlichen Ergebnis wie damals bei der WM vor 70 Jahren in Frankreich wurden sie am Wochenende von Zweitligist FC St. Pauli abgefertigt, 0:7 hieß es am Ende in Hamburg.

Den Kubanern habe manchmal ein Kompass gefehlt, meint St. Paulis Sportchef Helmut Schulte. Fanz bittet um eine DVD der Lehrstunde, er sieht die Klatsche als Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. "Sie sind noch zu verspielt."

"Fidel Castro habe ich noch nicht getroffen."
Reinhold Fanz

Der FC Fidel

Gerade um den Schlendrian auszutreiben, baut der 78. der FIFA-Weltrangliste auf die Dienste von zwei Deutschen. Wie es dazu kam? "Eine lange Geschichte", meint Fanz. 2005 wurde er Trainer des Bonner SC - nachdem Fanz zuvor beim Karlsruher SC für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Auf Druck des Hauptsponsors EnBW wurde er nach sieben Tagen wieder gefeuert, der damalige EnBW-Vorstandschef Utz Claassen hatte in den neunziger Jahren als Präsident von Hannover 96 mit dem damaligen 96-Coach Fanz eine Fehde ausgefochten. Fanz hatte Claassen öffentlich jeglichen Fußballverstand abgesprochen.

Abgehakt, sagt Fanz und erzählt, dass Hans-Robert Viol, Präsident des Oberligisten Bonner SC, ein ausgewiesenes Faible für Kuba hat. 1999 gelang es Viol per Sondervereinbarung die Nationalmannschaft Kubas zu verpflichten, Medien tauften den Bonner SC in "FC Fidel" um.

Zwar scheiterte das Projekt wenig später an Visa-Fragen und ausbleibendem Erfolg, aber Viol bat Fanz - nachdem er die Tätigkeit in Bonn beendet hatte - sich der Elf Kubas anzunehmen.

Warten auf Castro

Nach Beobachtung einiger Spiele entdeckte Fanz beträchtliches Potenzial. Mit Hilfe finanzieller Unterstützung aus Bonn konnte Kuba den 54-Jährigen und Pfannenstiel, den Fanz von früher kannte, unter Vertrag nehmen.

"Fidel Castro habe ich noch nicht getroffen", sagt Fanz, der bei seinen gelegentlichen Aufenthalten in Havanna Zigarren ablehnt, aber einen Cuba Libre nicht verschmäht.

"Aber ich denke, dass Raul Castro zu der Partie gegen die USA ins Stadion kommen wird." Politik und Fußball müsse man aber trennen, sowieso ändere sich unter dem neuen Präsidenten Raúl einiges.

Und Fußball werde immer beliebter: "Seit der WM 2006 werden viele Spiele übertragen, vielleicht kann Fußball dem Volkssport Baseball den Rang ablaufen."

Probleme und Vorteile

Dass seine Spieler während des Deutschlands-Aufenthalts, bei dem bis zum 15. August zur Finanzierung des Trainingslagers noch rund ein Dutzend Testspiele auf dem Programm stehen, flüchten könnten, glaubt Fanz nicht. "Die Jungs wollen sich für die WM qualifizieren, da geht keiner stiften."

Als Problem sehen er und Pfannenstiel, dass die Spieler nicht nach Europa wechseln dürfen. Für den Torwarttrainer ist das rigide politische System aber trotz aller Kritik auch ein Vorteil: "Die Fußballer sind viel disziplinierter als andere Karibik-Mannschaften."

Immerhin hat Kuba nach zwei Qualifikations-Siegen gegen Antigua und Barbuda schon Teams wie Jamaika und EM-Gastgeber Österreich in der Weltrangliste hinter sich gelassen.


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