Ein Kindermädchen für Ronaldinho

Von Stefan Moser / Christian Bernhard
Montag, 14.07.2008 | 13:45 Uhr
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München - Es war die Traum-Liaison im europäischen Klubfußball: Ronaldinho und der FC Barcelona. Über zwei Jahre dominierten sie zusammen die nationale und internationale Konkurrenz, nun endet die einstige Bilderbuch-Ehe in einem würdelosen Rosenkrieg.

Beide Seiten fordern öffentlich die Scheidung, doch beide wollen vorher unbedingt noch mit den Türen knallen und richtig Porzellan zerschlagen.

Zuletzt drohte Ronaldinho offen mit Vertragsbruch. Er wolle sein Arbeitspapier zerreißen, sollte Barcelona sich weiterhin weigern, ihn für die Olympischen Spiele in Peking freizustellen. Und tatsächlich erschien der 28-Jährige am Montag auch nicht zum Trainingsauftakt. Während alle anderen Nationalspieler des FC Barcelona pünktlich aus dem Urlaub zurückkehrten, blieb Ronaldinho in Brasilien, wo er versucht, sich für Olympia in Form zu bringen.

Barca füttert im Gegenzug den Boulevard mit Geschichten über das üppige Nachtleben und die ebenso üppigen Hüften des ehemaligen Weltfußballers und verschleppt zudem einen möglichen Transfer, indem die Verantwortlichen auf der immensen Ablöse von 25 Millionen Euro beharren.

Gattuso freut sich auf Ronaldinho

Fakt ist, dass Ronaldinho in Barcelona keine Zukunft mehr hat. Und angeblich hat der 28-Jährige sich bereits mit seinem Wunschverein, dem AC Mailand, auf einen Zwei-Jahres-Vertrag geeinigt. Gehalt: 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Problem: Milan will höchstens 15 Millionen nach Barcelona überweisen.

Mit Gennaro Gattuso jedenfalls hätte der Brasilianer einen prominenten Fürsprecher in Reihen der Rossoneri. "Noch ist der Vertrag nicht unterschrieben, aber es wäre fantastisch, wenn es klappen würde", sagte Milan-Star Gennaro Gattuso am Samstag am Rande des Goal4Life-Events in München.

"In acht Monaten kann man das Fußballspielen doch nicht verlernen", glaubt der Milan-Star fest an ein Comeback, "wenn er ein paar Kilo abnimmt, wird er uns sicher weiterhelfen."

Gattuso passt auf

Um Ronaldinho von den Verlockungen des Mailänder Nachtlebens fernzuhalten, würde Gattuso für eine Weile sogar den Aufpasser spielen: "Wenn gar nichts mehr hilft, dann nehme ich ihn mit in mein Heimatdorf Corigliano - dort halten sich die Versuchungen nämlich in überschaubaren Grenzen."

Ob Ronaldinho jemals wieder an seine Glanzzeiten anschließen wird, hängt in der Tat auch davon ab, ob der selbsternannte "König der Nacht" den Versuchungen von Barbecues und Caipirinhas widersteht und stattdessen wieder den Ehrgeiz und die Freude am Spiel entdeckt, die ihn in den Jahren 2004 bis 2006 zum besten Fußballer der Welt machten.  

Extra-Schicht beim Fitness-Guru

"Alles hängt von seinem Willen ab", sagt auch die brasilianische Fußballlegende Zico im Gespräch mit SPOX.com. "Wenn Ronaldinho wirklich noch mal ganz oben angreifen will, dann wird er das auch schaffen. Es hängt einzig und alleine von ihm ab", so der 55-Jährige weiter.

Glaubt man den Meldungen aus Brasilien, dann ist Ronaldinho bereits auf einem guten Weg. Unter den Fittichen von Professor Paulo Paixao, dem Fitness-Guru der Selecao, arbeitet er angeblich verbissen an seinen körperlichen Defiziten.

Paixao selbst schaltete sich bereits persönlich in die Schlammschacht zwischen seinem Schützling und dem FC Barcelona ein. Durch die systematische Demontage hätten die Katalanen Ronaldinho körperlich und mental zu Grunde gerichtet.

Der Traum von Gold

Inzwischen aber sei er wieder "glücklich und hoch motiviert. Er hat den Spaß wieder entdeckt und ist fast wieder der Ronaldinho, den wir von früher kennen."

Auch der Superstar selbst äußerste sich zuletzt zufrieden und optimistisch: "Ich konzentriere mich voll auf die Arbeit mit Professor Paixao", ließ Ronaldinho aus seiner Heimat verkünden, "ich denke im Moment nur positiv: Ich stelle mir vor, wie ich bei Olympia gute Leistungen bringe und für mein Land die Goldmedaille hole."

Genau da aber beginnt das Problem: Denn Barcelona will dem Brasilianer die Freigabe für Peking verweigern. In den Planungen für die restliche Saison spielt Ronaldinho zwar keine Rolle mehr, in der Champions-League-Quali aber soll er noch für die Blaugrana auflaufen.

"Es gibt nichts auf der Welt, was mich davon abhalten könnte, bei den Olympischen Spielen für Brasilien aufzulaufen", machte Ronaldinho bereits klar. Er würde zur Not auch ohne die Erlaubnis seines Klubs nach Peking reisen.

Gute Chancen für Manchester

Dabei geht es nicht nur um seinen Traum von der Goldmedaille. Denn sollte Ronaldinho für Barca in der Champions-League-Quali auflaufen, dürfte er für seinen neuen Verein nicht mehr international spielen.

Ein Wechsel zum UEFA-Cup-Teilnehmer AC Mailand wäre dann praktisch ausgeschlossen - zumal für eine Ablöse von 25 Millionen Euro.

Damit erhöhten sich automatisch die Chancen von Manchester City, dem zweiten ernsthaften Bewerber um Ronaldinho. Die Engländer sind im europäischen Wettbewerb nicht vertreten. Und das Angebot der Citizens liegt jetzt schon bei gut 20 Millionen.

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