Trainerlehrling mit Wiener Schmäh

SID
Montag, 04.02.2008 | 14:09 Uhr
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Wien/München - Beim Wiener Opernball stand Österreichs Rekordkicker Andreas Herzog vergangene Woche kurz im Rampenlicht, nach dem Länderspiel gegen Deutschland und erst recht nach der EM würde er mit seinem Team gerne langen Beifall genießen.

"Die Deutschen sind Mitfavorit auf den Europameistertitel und wir sind ganz klarer Außenseiter, was aber nicht heißt, dass wir im eigenen Land nicht auch einmal eine bessere Mannschaft schlagen können", sagte der 103-malige Nationalspieler vor der Partie in Wien.

Seit Januar 2006 ist der 264-malige Bundesliga-Profi von Werder Bremen und Bayern München Assistent von Teamchef Josef Hickersberger. Nicht nur in der Mannschaft des deutschen EM-Gruppengegners ist der Stellenwert des Mannes mit dem Wiener Schmäh groß.

Kaiser adelt Herzog 

"Herzog war ein Weltklassespieler. Er wurde von den besten Trainern ausgebildet. Die Spieler glauben ihm, weil er selbst alles erlebt hat. Das ist ein großer Vorteil für ihn", sagte Kaiser Franz Beckenbauer.

Gegen die frühere Wahlheimat, in der er zwischen 1992 und 2001 UEFA-Cup-Sieger, deutscher Meister und DFB-Pokalsieger wurde, ist der heute 39-Jährige natürlich hochmotiviert.

"Wir wollten gegen die besten Mannschaften spielen vor der Europameisterschaft. Dadurch können wir sehen, wo wir stehen und was uns noch fehlt", fordert Herzog die aktuelle Bestandsaufnahme und verbat sich schon nach der Auslosung zu viel Nostalgie. "Es ist an der Zeit, dass wir der jetzigen Generation ein neues Cordoba geben."

Platz 90 nicht repräsentativ

Doch anders als vor 30 Jahren ist der Abstand zwischen den beiden Rivalen um ein Vielfaches größer. Deutschland ist aussichtsreicher EM-Titelanwärter, Österreich dümpelt zwischen Kongo und Äthiopien auf Rang 90 der FIFA-Weltrangliste herum.

"Der Platz 90 in der Weltrangliste ist vollkommener Schwachsinn. Wir sind eine Mannschaft, die sicherlich nicht zur absoluten Klasse gehört, keine Frage, aber so Mannschaften wie Polen können wir an einem guten Tag jederzeit schlagen", erklärte der frühere österreichische Fußballer des Jahres.

Herzog gilt auch als ein möglicher Nachfolger von Hickersberger, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft. Zwar dürfte der frühere Alpen-Maradona bessere Karten haben als erfahrene Trainer wie Walter Schachner oder Kurt Jara, aber ein klassischer Kronprinz ist der gebürtige Wiener nicht.

Österreichs Klinsi

Zumal er wie sein früherer Mitspieler Jürgen Klinsmann vor der Station Nationalteam keine Erfahrung als Vereinstrainer sammelte - auch er selbst sieht sich noch im Lernprozess.

Die eigene Karriere ist für Herzog, der im Oktober zum ersten Mal Vater wurde, ohnehin noch Zukunftsmusik, vielmehr muss er sich ganz auf die EM konzentrieren. Auch das Ansehen des populären Kickers und damit auch seine Chancen auf einen guten Trainerposten werden mit dem Erfolg beim Heim-Turnier fallen oder sinken.

"Wir müssen jedes Spiel dazu lernen und bei der Europameisterschaft auf den Punkt Hundertprozent fit und körperlich gut in Schuss sein. Mit der Leidenschaft sowie den Fans im Rücken müssen wir über uns hinaus wachsen", forderte der ehemalige Mitspieler von Tim Borowski sowie Torsten Frings und hofft am Mittwoch gegen Deutschland auf den Startschuss zur EM-Euphorie in seiner Heimat.

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