Afrika-Cup in Ghana

Bargeld auf Beinen

Von Stefan Moser
Mittwoch, 23.01.2008 | 11:28 Uhr
Elfenbeinküste, Afrika-Cup, Drogba
© Imago
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München - Cash Crops, also "Geld-Früchte", so nennen Ökonomen in der Regel landwirtschaftliche Produkte, die in Entwicklungsländern nicht zur Versorgung der regionalen Bevölkerung sondern ausschließlich für den Verkauf und den Export angebaut werden.

Typische Cash Crops aus Afrika sind zum Beispiel Baumwolle, Bananen oder Kaffee, die Volkswirtschaft im westafrikanischen Guinea-Bissau etwa hängt zu 95 Prozent von der Ausfuhr von Erdnüssen ab.

Doch seit gut zwei Jahrzehnten spielt auch der Mensch als Exportware eine immer größere Rolle - vor allem dann, wenn er überdurchschnittlich gut mit einem Fußball umgehen kann.

Welche Größenordnung das ökonomische Potential von Fußballspielern inzwischen erreicht hat, zeigt ein Blick auf zwei Zahlen: Der aktuelle Kader, mit dem etwa die Elfenbeinküste in diesen Tagen als Mitfavorit auf den Titel um den Afrika-Cup spielt, hat einen geschätzten Marktwert von knapp 200 Millionen Euro, verteilt auf 23 Köpfe.

Das Bruttoinlandprodukt von Guinea-Bissau lag 2005 bei ungefähr 300 Millionen Euro - verteilt auf circa 1,5 Millionen Köpfe.

Moderner Menschenhandel

Afrikanische Fußballer sind zweifellos profitable Investitionsprojekte. Vor allem in den späten 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Afrika-Cup daher zu einer regelrechten Transferbörse.

Alle zwei Jahre saßen dutzende von Scouts und Beratern aus Europa auf den Tribünen, beobachteten und analysierten die Spieler, pickten sich die vielversprechendsten Talente heraus und versuchten, sie in den europäischen Topligen Profit bringend zu vermitteln. Nicht ganz zu Unrecht machte das Wort vom "modernen Menschenhandel" die Runde.

Im Zuge der Globalisierung allerdings hat sich auch dieser Markt strategisch weiterentwickelt.

"So wie sich die Strukturen des modernen Fußballs in den europäischen Ligen in den letzten Jahren verändert haben, spielt der Afrika-Cup als Transferbörse heute nicht mehr die große Rolle", sagt Afrika-Experte Kurt Wachter vom Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (VIDC) im Gespräch mit SPOX.com.

"Spielerhandel gibt es weiterhin"

Denn: "Abgesehen vom Sudan, stehen annähernd 100 Prozent der Spieler, die in diesem Jahr in Ghana antreten, bereits bei europäischen Vereinen unter Vertrag."

Das bedeutet freilich nicht, dass europäische Vermittler nicht nach wie vor aus dem afrikanischen Fußball Kapital schlagen würden, im Gegenteil: "Das europäische Scouting-System greift inzwischen schon deutlich früher, also im Juniorenbereich", so Wachter. 

Viel interessant sind heute von daher etwa die U-17-Weltmeisterschaften: "Den Spielerhandel gibt es natürlich weiterhin, nur eben auf der Nachwuchsebene."

Dabei gehen die großen europäischen Vereine mittlerweile insgesamt deutlich systematischer vor. "Die setzen sich nicht einfach auf die Tribüne und picken sich per Zufall die Spieler heraus", beschreibt Wachter die gegenwärtige Strategie.

Millionäre aus dem Fußballinternat

Schon die Ausbildung  junger Talente "läuft nicht mehr über die lokalen Vereine sondern in erster Linie über Fußballschulen, die maßgeblich von Europäern finanziert und geleitet werden, um die Entwicklung der Spieler schon früh zu steuern." Dort, so Wachter, "werden Spieler wie Cash Crops für den europäischen Markt herangezüchtet."

Eine der erfolgreichsten Fußballschulen betreibt der ehemalige französische Nationalspieler Jean-Marc Guillou seit 1993 in Abijan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Knapp die Hälfte der ivorschen Nationalmannschaft, die 2006 bei der WM in Deutschland teilnahm, rekrutierte sich aus dessen Nachwuchsprojekt ASEC.

Internationale Topstars wie Kolo Toure, Aruna Dindane, Salomon Kalou, Didier Zokora, Yaya Toure oder Emmanuel Eboue wurden in Guillous Internat ausgebildet. Sie alle schafften den Sprung nach Europa - und wurden damit zu Millionären.

Ausbeutung der "Rohstoffe"

Für die Spieler unzweifelhaft ein Segen, insgesamt aber sieht Wachter im Handel mit afrikanischen Spielern noch immer "durchaus koloniale Strukturen: Man nimmt sich die besten Rohstoffe, um sie dann in Europa zu veredeln, ohne dass allerdings wirklich ein Geldfluss zurück stattfinden würde."

Der Transfermarkt liegt fast ausschließlich in den Händen von Europäern, in Afrika selbst profitiert bestenfalls eine kleine Oberschicht. Doch in die Infrastruktur und die Entwicklung des afrikanischen Fußballs fließt praktisch kein Geld zurück.

"Selbst in großen Fußballländern, wie etwa in Ghana, haben die Ligen extrem wenige Ressourcen. Weil kaum Geld zurückfließt, hält die Entwicklung vor Ort mit Europa in keiner Weise Schritt", beschreibt Wachter die Situation.

Abgesehen von Südafrika und einigen nordafrikanischen Ländern wie Ägypten und Marokko gibt es in der Tat auch kaum einen professionellen Ligabetrieb. " Zwar leben auch Spieler in Ghana, Nigeria und Kamerun vom Fußballspielen, aber mit Erstliganiveau in Europa hat das nichts zu tun", sagt Wachter, ein gebürtiger Österreicher, und seufzt: "Auch nicht mit Ländern wie Österreich."

Kurt Wachter, geboren 1968 im österreichischen Dornbirn, ist seit 1999 Projektkoordinator des pan-europäischen Netzwerks "Football Against Racism in Europe" (FARE). Er studierte Ethologie und Afrikanistik in Wien und Cape Coast (Ghana). 1997 gründete er am Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (VIDC) die antirassistische Fußballkampagne "FairPlay. Viele Farben Ein Spiel". Wachter veröffentlichte diverse journalistische Arbeiten zu Fußball in Afrika und Antidiskriminierung im Sport. Wie schon in den vergangenen Jahren ist er auch 2008 beim Afrika-Cup in Ghana vor Ort.

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