Adrianos Niedergang

Der depressive Kaiser

Von Christian Bernhard
Freitag, 09.11.2007 | 12:23 Uhr
Adriano, Inter Mailand
© Imago
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München - Beim Confederations Cup 2005 in Deutschland spielte sich ein Brasilianer in die Herzen der Fans.

Sein Name: Adriano Leite Ribeiro, kurz Adriano. Der bullige Stürmer gewann mit fünf Treffern die Torjägerkrone, schoss im Finale Argentinien mit zwei Treffern quasi im Alleingang ab und wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt.

Die ganze Fußballwelt beneidete Inter Mailand um das Sturmjuwel mit dem linken Hammer. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spitzname: "L'imperatore" - der Kaiser.

Rund zwei Jahre später hat der Kaiser viel von seinem Glanz verloren. Nachdem der Brasilianer Anfang der Woche das Training geschwänzt hatte, warf ihn Inter-Trainer Roberto Mancini aus dem Kader.

Ausschweifendes Privatleben 

"Adriano sollte ein normales Leben führen und sich auf das Training konzentrieren. Das sollte aber immer so sein, nicht nur für zwei Wochen", sagte Mancini und spielte damit auf das ausschweifende Privatleben des 25-Jährigen an.

Immer wieder wird berichtet, dass sich Adriano so gut wie keine Party im mondänen Mailand entgehen lässt. Demnach wird eine Suite in einem Fünf-Sterne-Hotel in der Mailänder Innenstadt des Öfteren vom Brasilianer und seinen Freunden zu später Stunde aufgesucht.

Tod des Vaters stürzt Adriano in Depressionen

Partys, Diskothekenbesuche und ausschweifende Feste: Klingt alles nach dem leichtfertigen Lebenswandel eines Halodris. Doch im Inneren des Brasilianers sieht es ganz anders aus.

"Der Tod meines Vaters hat mich in Depressionen gestürzt und deswegen kann ich mich nicht auf das Training und die Spiele konzentrieren. Das alles beschäftigt mich immer noch sehr", gestand Adriano am Montag dem brasilianischen TV-Sender "O Globo".

In der Tat wirkte der Brasilianer in den letzten Monaten auf dem Platz wie ein Schatten seiner Selbst. Kaum explosive Antritte, kaum Torgefahr. In den vergangenen drei Serie-A-Spielen saß der Mittelstürmer nur auf der Tribüne und für die Champions-League-Vorrunde wurde er gar nicht erst nominiert.

Fünftes Rad am Inter-Wagen

Für Mancini ist der Brasilianer in dieser Form nur das fünfte Rad im Inter-Sturm. Zlatan Ibrahimovic, Hernan Crespo, Julio Cruz und sogar David Suazo stehen in der Hierarchie klar vor ihm. "Ich kann nicht drei Stürmer auf die Bank setzen, deshalb muss einer auf die Tribüne", unterstrich Mancini in den vergangenen Wochen immer wieder. Dieser eine war immer wieder Adriano.

Nach dem jüngsten Rauswurf steht seine Zukunft bei Inter unter keinem guten Stern. Adrianos Manager Gilmar Rinaldi arbeitet bereits kräftig an einem Transfer. Eine Idee hätte er schon: Ein Wechsel zu Milan.

Praktisch, dass dessen Präsident Silvio Berlusconi dem Brasilianer am Donnerstag alle Türen öffnete: "Ich würde Adriano mit offenen Armen bei uns empfangen." Milans Superstar Kaka legte gleich nach: "Ich weiß nicht was bei Inter vorgeht, aber ein Spieler mit seinem Talent müsste besser genützt werden."

"Milan? Sicherlich nicht"

Die sieben Brasilianer bei Milan würden sich zudem auch abseits des Trainingsplatzes um den depressiven Kaiser kümmern. Auf dem Papier also eine ideale Lösung, doch ein Verhandlungspartner spielt dieses Spiel nicht mit. Inter-Sportdirektor Marco Branca schloss einen Wechsel zum Lokalrivalen kategorisch aus: "Berlusconi kann sagen was er will. Zu Milan wechselt Adriano sicherlich nicht."

Wenn der 24-Jährige abgegeben wird, dann nur ins Ausland, so der Tenor. West Ham, Manchester City und Valencia sollen bei Inter-Präsident Massimo Moratti schon Interesse angemeldet haben.

Insgeheim hofft Moratti aber immer noch, dass sich Adriano in naher Zukunft erholt und zu alter Stärke zurückfindet: "Wenn es ihm gut geht, bleibt er bei uns." In der Zwischenzeit wird er am Sonntag gegen Lazio Rom wieder seinen Stammplatz auf der Tribüne einnehmen.

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