Roy Makaay im SPOX-Interview, Teil 1

"Podolski muss Leistung bringen"

Von Interview: Thomas Gaber
Dienstag, 16.10.2007 | 11:38 Uhr
Makaay, Podolski, Van Bommel
© Getty
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München - Vier Jahre lang wurde Rudolphus Anton alias Roy Makaay bei Bayern München gefeiert. 78 Tore erzielte er in der Bundesliga, darunter viele entscheidende. Dennoch setzten die Verantwortlichen des FC Bayern im Sommer nicht mehr auf ihn, es wurden stattdessen Miroslav Klose und Luca Toni verpflichtet.

Eine Tatsache, die bei Makaay jedoch keinen Groll auslöst. Der 32-Jährige, mittlerweile erfolgreich für Feyenoord Rotterdam auf Torejagd, hat sogar Verständnis für die Entscheidung von Uli Hoeneß und Co.

"Nach der letzten schlechten Saison hat sich der Vorstand für einen Umbruch entschlossen und unter anderem zwei neue Stürmer geholt. Und es ist doch klar, wenn zwei solche Topstürmer für viel Geld geholt werden, dass die dann auch spielen", so Makaay gegenüber SPOX.com.

Im Gegensatz zu ihm ist Lukas Podolski in München geblieben. Auf ihn sieht Makaay schwere Zeiten zukommen.

Es habe sich gezeigt, "dass man nicht spielt, weil einen die Presse in die Mannschaft schreiben will", erklärt der Holländer. "Jetzt muss er zeigen, ob er die Qualitäten hat, sich bei Bayern durchzusetzen."

Im ersten Teil des SPOX.com-Interviews spricht Makaay auch über ein Angebot aus Bremen, Franck Ribery und Bayerns Titelchancen.

SPOX: Herr Makaay, vermissen Sie die Abende im Europapokal?

Roy Makaay: Nein, das wusste ich ja schon, als ich die Entscheidung getroffen habe, nach Rotterdam zu wechseln. Vielleicht ist es nach neun Jahren Doppelbelastung für meinen Körper auch gar nicht mal so schlecht, eine Saison etwas ruhiger zu verbringen. Wenn ich jetzt die Champions League im Fernsehen schaue, würde man natürlich auch gerne auf dem Platz stehen, aber dann hätte ich zu einem anderen Verein wechseln müssen.

SPOX: Was waren die Alternativen zu Rotterdam?

Makaay: Ich habe immer gesagt, dass wenn ich Bayern verlasse, nur Spanien und Holland in Betracht kommen. In Spanien ist das Problem, dass die meisten Klubs die Personalplanungen erst ziemlich spät angehen. In Holland hatte ich mehrere Anfragen, von Eindhoven, auch von Alkmaar, aber mein Gefühl hat mir gesagt, zu Feyenoord zu wechseln, zumal ich wusste, wer außer mir noch alles kommen würde. Ohne die anderen Neuzugänge wäre ich sicherlich nicht gekommen.

SPOX: Stimmt es, dass Sie auch eine Anfrage aus Bremen hatten?

Makaay: Ja. Klaus Allofs hat mich angerufen und gefragt, ob ich mir einen Wechsel zu Werder vorstellen könnte. Ich habe ihm aber gesagt, dass ich vom Gefühl her in Deutschland nicht für einen anderen Klub spielen könnte als für Bayern.

SPOX: Warum? Schließlich hat man Ihnen in München mit Toni und Klose zwei neue Stürmer vor die Nase gesetzt.

Makaay: Weil ich trotz des Wechsels immer noch ein sehr gutes Verhältnis zu den Verantwortlichen, Trainern und ehemaligen Mitspielern habe. Ich war ja sogar zuletzt beim Wiesn-Besuch der Mannschaft dabei. Uli Hoeneß hat gesagt, dass ich immer willkommen sein werde.

SPOX: Sie hegen also überhaupt keinen Groll? Schließlich hatten Sie noch ein Jahr Vertrag beim FCB.

Makaay: Nein. Ich bin sogar froh, dass die Bayern mir keine Steine in den Weg gelegt haben, als ich das Angebot von Feyenoord vorgelegt habe. Von anderen Vereinen hätten sie vielleicht mehr Geld für mich bekommen. Nach der letzten schlechten Saison hat sich der Vorstand für einen Umbruch entschlossen und unter anderem zwei neue Stürmer geholt. Und es ist doch klar, wenn zwei solche Topstürmer für viel Geld geholt werden, dass die dann auch spielen. Damit habe ich auch kein Problem. Als ich nach München kam, musste Elber gehen, obwohl er in der Saison zuvor Torschützenkönig war.

SPOX: Als Klose und Toni zuletzt immer wieder mal verletzt ausfielen, gab es da Augenblicke, in denen Sie den Weggang von Bayern bereut haben?

Makaay: Ein klares Nein. Es war die richtige Entscheidung. Ich war vier Jahre lang die Nummer eins im Bayern-Sturm und hatte mit den beiden Doubeln eine erfolgreiche Zeit, da wollte ich mich jetzt nicht hinten anstellen und nur dann mal spielen, wenn einer der beiden verletzt ist oder geschont wird. Ich bin auch kein Typ, der einen Vertrag aussitzt, nur des Geldes wegen. Ich wollte dauerhaft zum Einsatz kommen, deswegen bin ich gegangen.

SPOX: Was halten Sie von Ihren beiden Nachfolgern?

Makaay: Ich habe schon immer gesagt, dass Klose der beste deutsche Angreifer ist. Er ist bei Bremen überragend gewesen und zeigt das jetzt auch in München. Toni kannte ich bis dahin noch nicht so sehr. Ich habe ihn bisher auch noch nicht live spielen gesehen, aber er macht jede Woche sein Tor. Und wenn er nicht trifft, macht Klose ein Tor.

SPOX: Wie beurteilen Sie die anderen Neuzugänge wie zum Beispiel Ribery, Altintop oder Rückkehrer Ze Roberto?

Makaay: Ich kann Uli Hoeneß nur zur Verpflichtung von Ribery gratulieren. Das ist ein genialer Spieler, mit dem jeder gerne in einer Mannschaft stehen würde. Die Bayern haben jetzt im offensiven Mittelfeld ganz andere Möglichkeiten als noch im letzten Jahr.

SPOX: Sie hatten einen guten Draht zu Schweinsteiger. Er stand zuletzt in der Kritik der Klub-Oberen. Wird er auf Dauer gegen diese große Konkurrenz ankommen können?

Makaay: Ich halte Bastian für einen herausragenden Spieler. Wenn er in Topverfassung ist, gehört er in die erste Elf. Er hat natürlich jetzt in diesem Kader mehr Druck als im letzten Jahr. Wenn er aber das spielt, was er kann, ist er für mich gesetzt.

SPOX: Mit Kritik musste in den letzten Wochen auch Lukas Podolski leben. Hat er gegen Klose und Toni eine realistische Chance?

Makaay: Es wird nicht einfach für ihn. Solange die anderen beiden treffen, gibt es für Ottmar Hitzfeld doch keinen Grund, etwas zu ändern. Wenn Lukas eingewechselt wird, muss er natürlich Leistung bringen und sich so für mehr Einsatzzeiten empfehlen. In dieser Saison hat er noch kein Tor gemacht.

SPOX: Das klingt nicht unbedingt optimistisch.

Makaay: Ich kann natürlich nicht mehr beurteilen, wie er jetzt tagtäglich trainiert. Eines ist aber klar: Ob man bei Bayern spielt, entscheidet sich nicht durch das, was man in der Nationalmannschaft zeigt, sondern was man im Bayern-Trikot leistet. Und da ist seine bisherige Bilanz nicht gerade großartig. Auch hat sich im letzten Jahr gezeigt, dass man nicht spielt, weil einen die Presse in die Mannschaft schreiben will. Er hatte nach der WM und dem Wechsel aus Köln ein Jahr Schonfrist, jetzt muss er zeigen, ob er die Qualitäten hat, sich bei Bayern durchzusetzen.

SPOX: Ob mit oder ohne Poldi: Was werden die Bayern in diesem Jahr alles gewinnen?

Makaay: Erstmal freue ich mich, dass es bei ihnen so gut läuft. Ich gehe davon aus, dass sie in dieser Saison nicht mal eine kleine Negativserie bekommen und ziemlich locker Meister werden. Was die Pokalwettbewerbe angeht, hängt das auch vom Losglück ab. Wer weiß zum Beispiel, welche Mannschaften aus der Champions League in den UEFA-Cup kommen?

SPOX: Karl-Heinz Rummenigge hat gegenüber SPOX.com gesagt, dass in den nächsten zehn Jahren keine deutsche Mannschaft das Champions-League-Finale erreichen wird.

Makaay: Es gab in den letzten Jahren immer wieder mal Überraschungen. Wenn es eine deutsche Mannschaft schaffen kann, dann aber nur Bayern.

Teil 2 des Interviews: Makaay über Feyernoord, seine Zukunft und die Nummer neun

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