Dicke Luft bei den Rossoneri

Von Christian Bernhard
Donnerstag, 27.09.2007 | 13:00 Uhr
Gennaro Gattuso
© Getty
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München - Wenn's läuft, dann läuft's. Egal was man macht, es gibt Phasen da klappt einfach alles. Das ist im Leben so und noch viel mehr im Fußball. 

Umgekehrt kann es eben auch mal nicht laufen. Dann hat man ein Problem. So eine Phase durchlebt gerade der AC Milan in der Serie A.

Nach der 1:2-Niederlage am Mittwoch in Palermo dümpeln die Rossoneri im Mittelfeld der Tabelle umher. "Meine Mannschaft hat mir sehr gut gefallen. Eine Stunde lang haben wir perfekt gespielt". Trainer Ancelottis Worte nach Spielende klingen nach heiler Welt, die Fakten sprechen aber eine andere Sprache.

Kein Sieg in den letzten vier Serie-A-Spielen

Nach dem Sieg am ersten Spieltag beim FC Genua folgten drei Unentschieden in Serie und jetzt die Niederlage in Palermo. Und das trotz der 1:0-Führung durch Clarence Seedorf. Aimo Diana und Fabrizio Miccoli aber drehten die Partie kurz vor Schluss noch zu Gunsten der Sizilianer.

Vor den Palermo-Toren verbuchten Kaka und Co. zwei Lattentreffer und zweimal retteten die Sizilianer auf der Linie. So viel zum Thema "Wenn's läuft, dann läuft's".

Kapitän Maldini greift die Fans an

Das alles hilft den Mailändern aber nicht weiter. Zu viel passt momentan nicht im und um das Team. Paolo Maldini griff nach dem Champions-League-Auftakt gegen Benfica Lissabon die eigenen Fans an und kritisierte deren Verhalten. "Im San Siro-Stadion herrschte immer eine magische Stimmung. Diese scheint jetzt verloren zu gehen." Harte Worte aus dem Mund des Kapitäns und dicke Luft im so schon stark luftverschmutzten Mailand.

Auf dem Platz gehen die Probleme weiter. Denn eines ist jetzt schon klar, auch mit Blick auf das Vorjahr: Es gibt wohl keine andere europäische Spitzenmannschaft, die so von einigen wenigen Spielern abhängig ist, wie Milan.

Kaka nicht zu ersetzen

Kaka ist schlicht und einfach unersetzlich. Was passiert, wenn der Brasilianer pausiert, sieht man stellvertretend am Spiel gegen Siena. Keine Ideen im Spiel nach vorne und Tore fehlen auch, denn der 25-Jährige ist immer für einen Treffer gut.

Was man von der Abteilung Sturm nicht behaupten kann. Alberto Gilardino ist ein Schatten seiner selbst, Pippo Inzaghi trifft am liebsten unter der Woche in der Champions League und Ronaldo ist Stammgast bei den Vereinsärzten. Der hochgepriesene Neuzugang Pato ist zudem erst im Januar spielberechtigt. Im Sturm drückt also kräftig der Schuh.

Andrea Pirlo und Alessandro Nesta sind zwei weitere Spieler, die fast nicht zu ersetzen sind. Doch auch dieses Duo wird nicht alle Spiele bestreiten können, zu viele Partien stehen auf dem Programm.

Die Champions League in der DNA

All diese Vorzeichen deuten darauf hin, dass die Mailänder ihr Hauptaugenmerk auch in dieser Saison auf die Champions League legen werden. Dass Milan ein Europacupexperte ist, belegen die drei Finalteilnahmen in den vergangenen fünf Jahren.

Das erste Spiel gegen Benfica Lissabon bestätigt diese Vermutung. Die Portugiesen wurden regelrecht auseinandergenommen und waren mit dem 2:1 mehr als gut bedient. Unter europäischem Flutlicht funktionieren die Rotschwarzen pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk.

Dass das aber ein schmaler Grat ist, wissen auch die Milan-Verantwortlichen. Denn Erfahrung hin oder her - in der Champions League kann es schnell vorbei sein. Auch für Milan. Und dann würde der Berlusconi-Club mit leeren Händen da stehen.

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