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Größenwahn als Tradition

Von Stefan Moser
Freitag, 14.09.2007 | 09:10 Uhr
© Getty
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München -Real Madrid, der FC Liverpool und Juventus Turin: Wenn Fußballvereine weiblich wären, dann wären sie die Grande Dames der internationalen Topligen.

Die Rekordmeister ihrer jeweiligen Verbände verkörpern sportlichen Erfolg, Glamour und Prestige - und dennoch: Man wird das Gefühl nicht los, dass sie ihre größte Zeit bereits hinter sich haben.

Madrid tanzte in den 50er Jahren als Weißes Ballet von Sieg zu Sieg, Liverpool dominierte Europa in den 70ern und 80ern, Turin war in den 90ern auf dem Zenit. Zusammen bringen sie es auf 75 nationale und 33 internationale Titel.

Drei große Mannschaften mit großer Tradition und großen Erfolgen - die meisten allerdings in der Vergangenheit. Das ist die Crux an Traditionen. 

Zu Beginn der neuen Saison schickt sich das altehrwürdige Trio jedoch an, wieder an vergangene Zeiten anzuknüpfen: Alle drei Renommierklubs führen derzeit die Tabelle ihrer jeweiligen Liga an.

Bemerkenswert! Liverpool in bestechender Frühform

Einen halbwegs realistischen Aussagewert hat das freilich nur in England, wo bereits fünf Spieltage absolviert sind und Liverpool punktgleich mit dem FC Arsenal an der Spitze liegt.

Eine eindrucksvolle Kostprobe ihres Leistungsvermögens gaben die noch ungeschlagenen Reds am letzten Spieltag ab. Wie ein Uhrwerk funktionierte das Team um den überragenden Kapitän Steven Gerrard, als der völlig hilflose Aufsteiger Derby County mit 6:0 vom Platz gefegt wurde.

Besonders erfreulich für Trainer Rafael Benitez: Mit Alvaro Arbeloa, Fernando Torres (3 Tore) und Andrij Woronin (2 Tore) hinterließen drei Neuzugänge bereits einen überzeugenden Eindruck.

Diese beängstigende Frühform ist umso bemerkenswerter, als Liverpool in den vergangenen Jahren gerade den Saisonauftakt in schöner Regelmäßigkeit verschlafen hat - einer der Günde, weshalb die Fans an der Anfield Road seit 17 Jahren auf den Meistertitel warten.

Turin: Nach dem Desaster ist vor dem Erfolg 

In Turin dagegen mussten sich die Fans zuletzt ein ganzes Jahr lang mit Zweitliga-Fußball begnügen. Durch Manipulationsskandal und Zwangsabstieg verlor die Alte Dame zwar viel von ihrem einstigen Charme. Sportlich aber hielt sich das Desaster in Grenzen: Trotz Punktabzug schaffte Juventus den direkten Wiederaufstieg mühelos.

Ausschlaggebend dafür war vor allem, dass etliche Stars ihrem Verein die Treue hielten und der Juve in die Serie B folgten. Und so kehrten mit Gianluigi Buffon, Pavel Nedved, Alessandro Del Piero oder David Trezeguet im Sommer durchaus bekannte Gesichter ins Rampenlicht zurück.

Und dass die das Fußballspielen keineswegs verlernt haben, musste am ersten Spieltag der AS Livorno erfahren. Juve gewann 5:1, Trezeguet traf drei Mal. Nach einem 3:2-Erfolg gegen Cagliari liegt Turin nun punktgleich mit dem AS Rom an der Tabellenspitze.

Madrid: Größenwahn als Tradition 

Genau wie Madrid in der Primera Division, wo ebenfalls erst zwei Spieltage absolviert sind. Doch anders als Liverpool oder Turin ist Real der amtierende Meister. Dass Fabio Capello aufgrund seines ergebnisorientierten Fußballs vor der Saison trotzdem die Koffer packen musste, ist bei den Königlichen eine ganz eigene Tradition.

Ein Titel alleine reicht nicht aus - die Spielweise muss auch zur Legendenbildung taugen. Verantwortlich dafür ist in dieser Saison Bernd Schuster. Doch das Unternehmen "Zauberfußball 07/08" begann für den Deutschen mehr als holprig.

Nach einer durchwachsenen Vorbereitung geriet Schuster schon nach wenigen Wochen gehörig in die Schusslinie. Angeführt von Top-Neuzugang Wesley Sneijder (zwei Spiele, drei Tore) schoss sich Real aber schon am zweiten Spieltag durch ein 5:0 in Villarreal an die Tabellenspitze.

Und schon wurde der "Blonde Engel" wieder in den Himmel gelobt.

"Ich denke, dass es bislang nicht schlecht für uns gelaufen ist", resümierte Schuster denn auch recht zufrieden.

Sein Präsident Ramon Calderon teilte diese Einschätze. Nur klang sie bei ihm irgendwie anders: "Real Madrid hat im Moment die beste Mannschaft Europas", ließ er den Rest der Welt wissen.

Ein gerüttelt Maß an Größenwahn gehört in Madrid eben auch zur Tradition.

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