Jones: "Meine Motivation ist da"

SID
Sonntag, 30.07.2017 | 19:45 Uhr
Steffi Jones kämpft um ihren Job
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Die Stimme war brüchig, der leere Blick schweifte immer wieder aus dem Fenster. Als Steffi Jones die krachend gescheiterte Mission Titelverteidigung erklären musste, schien die Bundestrainerin das EM-Aus der deutschen Fußballerinnen immer noch nicht richtig realisiert zu haben.

Die Trainer-Novizin Jones, an der bereits bei ihrer Berufung als Nachfolgerin von Silvia Neid gezweifelt wurde, will um ihren Job kämpfen. "Die Entscheidungsträger sitzen im DFB. Die werden in den nächsten Tagen mit mir zusammensitzen und entscheiden, wie es weitergeht", sagte Jones: "Meine Motivation ist da. Ich möchte gerne weitermachen."

Ob Jones das darf, scheint offen. Reinhard Grindel vermied jedenfalls ein Bekenntnis zur Trainerin. "Natürlich sind wir beim DFB alle sehr enttäuscht über das frühzeitige Ausscheiden unserer Frauen-Nationalmannschaft und vor allem über die spielerische Leistung, die unsere Mannschaft gegen das dänische Team gezeigt hat", postete der DFB-Präsident bei Facebook: "Wir werden nunmehr in aller Ruhe, unabhängig von der aktuellen Enttäuschung über das Ausscheiden, mit allen Beteiligten analysieren und überlegen, was zu tun ist, damit unsere Frauen-Nationalmannschaft wieder an frühere Erfolge anknüpfen kann."

Wie unvorbereitet der DFB und die Delegation des zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameisters vom Aus in Rotterdam getroffen wurde, zeigte auch die fehlende Planung der Heimreise. Bei Nieselregen und mit den Kapuzen tief ins Gesicht gezogen kehrte die Mannschaft zunächst am Nachmittag in ihr EM-Quarter im 100 km entfernten Sint-Michielsgestel zurück. Von dort sollen die Spielerinnen am Montagvormittag individuell nach Hause reisen.

Jones suchte Gründe für Scheitern

Vor einem abschließenden gemeinsamen Abendessen suchte Jones immer wieder nach den Gründen für das Scheitern des Olympiasiegers. "Natürlich hinterfrage ich jetzt meine Entscheidungen. Wir werden die EM analysieren, dann werden wir sehen, ob es vom System her passte, ob wir anders entscheiden hätten müssen", gestand Jones ein: "Die Enttäuschung ist sehr groß. Man fragt sich, was schiefgelaufen ist und was wir nach den Gruppenspielen nicht verstanden haben."

Zuvor hatten die Deutschen durch die Pleite in dem mit über 15-stündiger Verspätung angepfiffenem Spiel nach zuletzt sechs EM-Triumphen in Folge zum ersten Mal seit 1987 den Einzug in eine EM-Vorschlussrunde verpasst. Dennoch stellten sich die Spielerinnen hinter Jones.

Dzsenifer Marozsan mit Tränen

Als Spielführerin Dzsenifer Marozsan auf die Zukunft der Trainerin angesprochen wurde, begann sie sogar zu weinen. "Es tut uns leid für Steffi. Sie hat so viel in das Team investiert", äußerte die deutsche und französische Spielerin des Jahres: "Ich will unbedingt mit ihr weitermachen." Ähnlich äußerten sich auch Sara Däbritz und Babett Peter - beide sind Mitglieder des Mannschaftsrates.

In der Partie hatte die DFB-Auswahl einen Blitz-Start erwischt. Doch nach dem frühen Treffer von Isabel Kerschowski (3.), bei dem die dänische Keeperin Stina Petersen kräftig mithalf, glich erst Nadia Nadim (49.) per Kopf aus. Theresa Nielsen (83.) machte ebenfalls per Kopf das deutsche Debakel perfekt.

Am Samstag war das deutsche Spiel um 21.55 Uhr, 70 Minuten nach dem geplanten Anstoß, absagt und verlegt worden. Dauerregen hatte für denkwürdige Szenen im Sparta Stadion gesorgt: Die Trainerbänke standen unter Wasser und Jones half selbst in der Eimer-Kette mit, um ihren Arbeitsplatz trocken zu legen. TV-Moderatoren standen barfuß im knöcheltiefen Wasser, während Helfer versuchten, die Lachen vom Rasen zu schieben.

Jones blieb am Sonntag dann ihrer Aufstellung vom Vorabend treu. Offensiv war die DFB-Auswahl vor 5251 Zuschauern anfangs spielbestimmend, lud den Gegner mit Fehlpässen aber immer wieder zu gefährlichen Gegenstößen ein. Mitte der ersten Hälfte ging dann fast nichts mehr. Nach dem Seitenwechsel drehte Dänemark auf und ließ den großen Favoriten immer wieder alt aussehen. Die DFB-Frauen verloren komplett den Faden und kamen nur noch selten zu konstruktiven Angriffen.

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