Fussball

Frauen-WM: Marta zieht mit 16. Tor mit Miroslav Klose gleich

SID
Marta traf gegen Australien.

Marta war sauer. Der sechsmaligen Weltfußballerin droht bei der WM mit Brasilien das frühe Aus - und dann wurde ihr auch noch eine Frage nicht gestellt.

Marta wartete und wartete. Aber es tat sich nichts. Da stach sie mit ihrem Zeigefinger fast auf den verdutzten Reporter ein. "Mein Gott, wie konntet ihr das vergessen! Ich habe jetzt 16 WM-Tore, genau wie euer Klose", sagte die sechsmalige Weltfußballerin im ZDF, sie fuchtelte ihrem Interview-Partner vor der Nase herum: "Danach hättet ihr ruhig mal fragen können!"

Die Brasilianerin zwinkerte mit den Augen, wendete sich mit einem tiefen Lachen ab und verschwand. Wahrscheinlich musste sie auf ihren Rekord verweisen, denn ansonsten gab es für die brasilianische Nationalmannschaft in Montpellier nichts Gutes zu berichten. Das bittere 2:3 gegen Australien nach 2:0-Führung gefährdet bei der WM in Frankreich sogar den Achtelfinaleinzug.

Marta spielte sicher, kunstfertig, aber auch unauffällig. Ihr Elfmetertor in der 27. Minute war ihr großer Moment - zumindest auf dem Feld. Denn erst nach ihrer schonungsbedingten Auswechslung zur Halbzeit, insbesondere aber nach dem Abpfiff durch die Schweizer Schiedsrichterin Esther Staubli drehte die 33-Jährige so richtig hoch.

Marta redete auf Staubli ein, die den Brasilianerinnen ihrer Meinung nach "am Ende einen klaren Foulelfmeter" verwehrt hatte. Videoschiedsrichter Bastian Dankert, den sie am am liebsten in der Luft zerrissen hätte, griff nicht ein. Marta sah eine Teilschuld bei ihren Mitspielerinnen: "Wir hätten alle zur Schiedsrichterin gehen, mehr Druck ausüben müssen." Aber Andressa, ihre vermeintlich gefoulte Kollegin, habe "keine Zeit verlieren" wollen.

Marta: "Wir sind enttäuscht"

So blieb Marta ihr Rekord von sagenhaften 16 Toren, mit dem sie die Bestmarke von Miroslav Klose einstellte, als erster Mensch traf sie zudem bei fünf WM-Endrunden. Wirklich freuen konnte sie sich darüber allerdings nicht: "Wir sind enttäuscht", sagte Marta, die im ersten Spiel gegen Jamaika (3:0) verletzt gefehlt und ihrer Sturmpartnerin Cristiane bei deren Dreierpack zugesehen hatte.

Kann diese WM doch noch Martas große Bühne werden? Es ist am Donnerstag in einem Spiel höchster Klasse unwahrscheinlicher geworden. Gegen Italien, das immerhin die Australierinnen besiegt hat (2:1), könnten am Dienstag in Valenciennes die Nerven flattern. "Es ist noch alles offen", sagte Marta.

Eine tiefergehende Botschaft hatte sie direkt nach ihrem Tor ausgesandt. Marta Vieira da Silva zeigte auf ihren Schuh, auf dem ein Symbol prangt: zwei Streifen, die entgegengesetzt von blau in rosa übergehen. "Es war ein Tor für Gleichberechtigung, ein Tor für alle Frauen", sagte sie stolz.

Die beste Fußballerin, die es je gab, hat seit Juli 2018 keinen Ausrüstungssponsor: Nicht, weil Angebote gefehlt hätten, sondern, weil ihr die Angebote nicht gut genug, nicht männernah genug waren. Marta kann warten. Nicht nur beim Interview.

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