Fussball

Frauen-WM - Deutschland vs. Schweden: WM- und Olympia-Knockout für schwaches DFB-Team

SID
Deutschland ist im WM-Viertelfinale an Schweden gescheitert.

Rien ne va plus: Die deutschen Fußballerinnen sind auf dem Weg zum dritten Stern in der Hitzeschlacht von Rennes eingebrochen und müssen Olympia im TV gucken. Der zweimalige Weltmeister unterlag trotz einer Führung im WM-Viertelfinale 1:2 (1:1) gegen Ex-Lieblingsgegner Schweden. Damit haben die Deutschen die Vorschlussrunde am Mittwoch in Lyon (21.00 Uhr LIVE auf DAZN) gegen den Europameister aus den Niederlanden verpasst.

"Wir sind sehr enttäuscht. Wir hatten uns etwas anderes vorgenommen und haben gut angefangen. Das Spiel ist nach dem Ausgleich gekippt", sagte Torhüterin Almuth Schult in der ARD: "Man lernt aus jeder Niederlage. Aber das ist nicht zu entschuldigen. Das ist einfach bitter."

Und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg meinte: "Wir sind in einem Prozess, aber es ist noch nicht so gefestigt. Wir müssen es besser verteidigen. Nach dem Rückstand mussten wir viel investieren, Schweden kann gut verteidigen. Uns hat auch etwas Spielglück gefehlt, das tut weh. Wir hatten nach vorne nicht ganz die Durchschlagskraft. In einigen Phasen haben uns die Konsequenz und der Mut gefehlt. Wir werden daran wachsen."

Sofia Jakobsson sorgte für das erste WM-Gegentor der Deutschen (22.), Stina Blackstenius (48.) legte nach. Der Treffer von Lina Magull (16.) war zu wenig für den Olympiasieger von 2016, der durch das Viertelfinal-Aus nicht bei den Spielen im kommenden Jahr in Tokio dabei ist.

Die Spielerinnen müssen sich mit einer Prämie in Höhe von 10.000 Euro pro Kopf für das Erreichen des Viertelfinals begnügen.

Marozsan zur zweiten Halbzeit eingewechselt

Voss-Tecklenburg verzichtete zunächst auf Dzsenifer Marozsan. Die Spielmacherin, die im Auftaktspiel gegen China (1:0) vor drei Wochen an gleicher Stelle einen Zehenbruch erlitten hatte, saß zunächst auf der Bank.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam die 27-Jährige, Linda Dallmann musste raus. Ansonsten hatte "MVT" ihre Startformation im Vergleich zum Achtelfinale gegen Nigeria (3:0) auf zwei Positionen verändert. Für Melanie Leupolz und Verena Schweers rückten Dallmann und Carolin Simon in die erste Elf.

Popp im defensiven Mittelfeld

Die Deutschen gingen mit einem mentalen Vorteil in die Partie. Die Schwedinnen hatten seit 1995 kein Pflichtspiel gegen den Rekord-Europameister gewonnen.

Unter anderem zogen die Skandinavierinnen im Olympia-Finale 2016, bei der WM 2015 im Achtelfinale, beim EM-Halbfinale 2013 sowie beim WM-Endspiel 2003 den Kürzeren.

Für die Partie vor 25.301 Zuschauern hatte Voss-Tecklenburg in die taktische Trickkiste gegriffen. Erstmals seit dem China-Spiel agierte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem 4-2-3-1-System.

Spielführerin Alexandra Popp agierte nicht im Sturmzentrum, sondern im defensiven Mittelfeld. Lea Schüller lief ganz vorne auf, Magull sollte als Marozsan-Ersatz das Spiel gestalten.

Hegering unterschätzt langen Ball

Die "MVT"-Strategie ging bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad Celsius zunächst auf. Die Deutschen bestimmten das Geschehen in der Anfangsphase. Die erste gute Chance vergaben allerdings die Schwedinnen. Jakobsson scheiterte an Schult (12.).

Vier Minuten machte es das DFB-Team viel besser. Nach einem Ballverlust Schwedens im Aufbauspiel schaltete Sara Däbritz am schnellsten. Die 24-Jährige spielte Magull mustergültig frei, die mit einem sehenswerten Abschluss ihr zweites WM-Tor erzielte.

Die Deutschen konnten sich aber nicht lange über die Führung freuen. Innenverteidigerin Marina Hegering unterschätze einen langen Pass, Jakobsson bedankte sich.

Schult musste zum ersten Mal bei der WM hinter sich greifen. Deutschland kassierte erstmals seit 2003 ein Gegentor im ersten Durchgang einer WM-Endrunde.

Linke Abwehrseite als Schwachstelle

Die linke Abwehrseite war spätestens nach dem Gegentor der neuralgische Punkt im deutschen Team. Simon spielte zum wiederholten Mal bei der Endrunde ganz schwach.

Stina Blackstenius hätte das fast zum zweiten schwedischen Treffer (36.) genutzt. Kurz darauf musste die offenbar angeschlagene Simon raus (43.). Leonie Maier kam als Rechtsverteidigerin in die Partie, Giulia Gwinn wechselte nach links. Dennoch bekamen die Deutschen ihre Abwehrprobleme nicht in den Griff und waren mit dem 1:1 zur Pause gut bedient.

Kaum war Marozsan in der Partie, schlug es hinten ein. Blackstenius staubte ab, nachdem Schult zunächst gut pariert hatte. Nach dem Rückstand versuchte Marozsan erfolglos, das Spiel an sich zu reißen. Die Schwedinnen machten die Räume dicht, Blackstenius und Jakobsson vergaben bei Kontern die Chance zur Vorentscheidung (71./78).

Bei Deutschland ging in der Offensive kaum etwas. Kurz vor Schluss vergaben die eingewechselte Lena Oberdorf (88.) und Hegering (90.+3) jeweils per Kopf Ausgleichschancen.

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