Fussball

Frauen-WM 2019 - DFB-Verteidigerin Sara Doorsoun: No risk, no fun

Von Falko Blöding
Sara Doorsoun will bei der WM für Furore sorgen.

Der Wechsel nach Wolfsburg war für Sara Doorsoun auch ein Risiko. Es war richtig, dieses einzugehen.

Es gibt sie, diese Entscheidungen, die einerseits total schwierig sind, die andererseits dann aber doch sehr leicht fallen. Entscheidungen, die zweifelsohne ein Risiko bergen, aber die sich am Ende auch umso mehr auszahlen können.

Vor solch einer Entscheidung stand Sara Doorsoun im vergangenen Frühjahr. Bei der SGS Essen war die Nationalspielerin unumstritten. Sie fühlte sich wohl, verspürte eigentlich nicht den unbedingten Drang, aus ihrem gewohnten Umfeld, 70 Kilometer von ihrer Heimatstadt Köln entfernt, auszubrechen.

Doch dann klopfte der deutsche Primus VfL Wolfsburg an. Doorsoun zögerte zunächst, wohlwissend, dass bei den Wölfen ein viel größerer Konkurrenzkampf herrscht. Die Teilnahme an der WM-Endrunde in diesem Sommer war ihr erklärtes Ziel. Was man da nicht gebrauchen kann, sind Eingewöhnungsschwierigkeiten und mangelnde Spielpraxis bei einem neuen Verein.

Wolfsburg warb aber hartnäckig und tief in ihrem Inneren wusste die heute 27-Jährige, dass sie diese Chance beim Schopfe packen musste. Sie gab ihr Ja-Wort und wechselte zur abgelaufenen Saison ablösefrei zum VfL.

Doorsoun: "Ich war bereit für den nächsten Schritt"

Bei einem Termin mit ihrem Ausrüster Nike gab sie nun noch einmal Einblick in ihre Überlegungen von vor gut zwölf Monaten: "Ich hatte fünf schöne Jahre in Essen. Ich war bereit für den nächsten Schritt und wollte selbst wissen: Was kann ich alles? Schaffe ich den Schritt bei einem großen Klub? Das war mein Ziel. Für mich war letztes Jahr schon klar, dass ich bei der Weltmeisterschaft dabei sein möchte. Der Wechsel nach Wolfsburg war ein Risiko für mich. Denn ich brauchte Spielzeit."

Nach einem Jahr, in dem sie 24 Partien absolvierte, weiß sie nicht nur, dass sie "den nächsten Schritt" bei einem größeren Verein geschafft hat, sondern darf sich auch Double-Siegerin nennen. "Ich bin jetzt froh, dass ich es gemacht und diesen Schritt gewagt habe", so Doorsoun.

Doorsoun: "Fußball verbindet"

Die vielseitige Defensivspielerin, die in Mittelfeld und Viererkette fast alle Positionen bekleiden kann, legt für sich nicht nur Wert auf den sportlichen Aspekt des Fußballs, sondern sie betont auch das verbindende Element. Doorsoun spielt für Deutschland, wurde in Köln geboren, ihre Wurzeln liegen im Iran und in der Türkei.

"Fußball verbindet", sagt sie. "Es ist ja so, dass in jeder Nation jedes Mädchen und jeder Junge die Chance hat, auf dem Platz zu stehen. Und dann ist es auch so, dass es egal ist, woher man kommt. Wie sagt man: Wenn man Fußball spielt, spricht man eine Sprache."

Doorsoun macht keine Kompromisse

Ihre Sprache ist dabei eine ziemlich klare. Kompromisse macht sie auf dem Rasen keine. Die 1,71 Meter große Kämpferin ist lauf- und zweikampfstark, geht keinem Duell aus dem Weg. "Terrier", so verrät sie, werde sie wegen ihrer bissigen Spielweise häufig genannt. Ein passender Vergleich. Sie erklärt: "Für mich gibt's keine Ausreden auf dem Platz. Für mich gibt's nur Vollgas."

Als Kind feuerte sie in Müngersdorf den FC an, bei Fortuna Köln bekam sie den Feinschliff für ihre Profikarriere. Über Wattenscheid, Bad Neuenahr und Turbine Potsdam landete sie schließlich in Essen und dann in Wolfsburg. Vor wenigen Wochen schloss sich für sie ein Kreis, als sie mit den Wölfinnen im RheinEnergieSTADION gegen Freiburg den DFB-Pokal gewann.

Das nächste Highlight wartet schon: Die WM in Frankreich war für Doorsoun das erklärte Ziel und sie hat es erreicht. Nun will die 25-fache Nationalspielern auch dort "den nächsten Schritt" machen.

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