Fussball

Sara Däbritz - das Golden Girl aus der Oberpfalz: Mit Ehrgeiz und Talent in die Weltelite

Von Dennis Melzer
Sara Däbritz wechselt vom FC Bayern zu PSG.

Sara Däbritz steht für den "neuen", den technisch versierten Frauenfußball. Über ein bayrisches Top-Talent, das es mit Ehrgeiz nach ganz oben geschafft hat.

Ebermannsdorf, ein 2500-Seelen-Dorf im Osten Bayerns. Ein Schlösschen, eine Burgruine, eine Filialkirche zieren das Bild, verwandeln die kleine Gemeinde in eine malerische Szenerie. Hier, unweit von Amberg gelegen, erblickte Sara Däbritz im Februar 1995 das Licht der Welt. Oberpfälzerin sei sie deshalb, keine Fränkin oder Niederbayerin. Darauf legt die ambitionierte Fußballerin wert.

Ihre Liebe zum runden Leder entdeckte sie beim Spielen auf der Straße mit ihren Freunden. Im Alter von fünf Jahren schloss sie sich dem hiesigen Klub, der SpVgg Ebermannsdorf an. "Meine Kumpels haben mich von klein auf zum Training mitgenommen, meine Eltern haben das immer unterstützt", erklärte sie einst im Interview mit dem Portal Onetz. Vor allem, weil sich schnell herausstellte, dass ihre Tochter herausragendes Talent besaß. Veranlagungen, die es ihr via Sondergenehmigung vom Fußballverband erlaubten, bei den Jungs mitzuspielen, bis sie 16 Jahre alt war.

"Das war eine supergeile Zeit. Das hat mich absolut weitergebracht. Jungs sind nun mal körperlich besser, athletischer, schneller", erinnerte sie sich und schob nach: "Ich habe daraus gelernt, nicht nur schneller am Gegner vorbeizukommen, sondern auch spielintelligent zu sein. Und vor allem robust."

Däbritz: Puppenspielendes Mädchen? "Habe Lego bevorzugt"

Das gegenteilige Klischee, nämlich das des puppenspielenden Mädchens, bediente sie nach eigener Aussage nie. "Ich habe Playmobil und Lego bevorzugt. Als ich klein war, trug ich nur Fußballtrikots. Irgendwann mit dem Alter kam der Wandel. Da fand ich plötzlich Mädchenklamotten schön und schminkte mich. Davor wollte ich nur kurze Haare tragen - heute mag ich sie so lang wie möglich." Nach ihrer Zeit im Heimatdorf zog Däbritz weiter nach Vilstal, später nach Weiden, wo sie bereits im Leistungszentrum untergebracht war und für deutsche U-Nationalmannschaften zum Einsatz kam.

Eine räumliche Veränderung, ein Weggang aus der Heimat, trat erstmals 2012 ein, als der SC Freiburg auf die Offensivallrounderin aufmerksam wurde. "Ich war noch ziemlich jung und bin ein sehr familienbezogener Mensch. Dementsprechend haben meine Eltern, meine Familie, meine Freunde mir schon arg gefehlt", erinnerte sie sich bei fudder.de.

Obwohl alterstechnisch noch für die B-Jugend der Breisgauer infrage kommend, durfte Däbritz bereits im selben Jahr für die Profimannschaft in der Bundesliga ran. Am 13. Spieltag setzte es beim Debüt zwar eine 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern, nur einen Monat später steuerte die damalige Schülerin allerdings schon ihr erstes Tor im Damen-Oberhaus bei. In Freiburg besuchte Däbritz die Max-Weber-Schule, die sich auf die Ausbildung von Jugendleistungssportlern spezialisiert hat und sich ganz offiziell "Eliteschule des Fußballs" nennen darf. Ehemalige SCF-Schützlinge wie Ömer Toprak (mittlerweile Borussia Dortmund) oder Oliver Baumann (mittlerweile TSG Hoffenheim) drückten ebenfalls dort die Schulbank.

Mitten in den Vorbereitungen auf die Fachabiturprüfung, wenige Tage vor der letzten Klausur in Wirtschaftslehre, erhielt die damals 18-Jährige einen Anruf, der ihre Planungen gehörig durcheinanderwirbeln sollte. Die freudige Kunde, die ihr am anderen Ende der Leitung von Bundestrainerin Silvia Neid mitgeteilt wurde: Du bist dabei, Du fährst mit zur Europameisterschaft nach Schweden. Als jüngste Akteurin im Kader. Ohne bis dato jemals ein Pflichtspiel für die A-Auswahl des DFB-Teams absolviert zu haben.

Erste EM, erster Pflichtspieleinsatz, erster großer Titel

Sie habe "gar nicht damit gerechnet", verriet sie zu jener Zeit der dpa. "Natürlich hoffe ich, dass ich bei der EM ein paar Minuten Einsatzzeit bekomme." Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Beim 0:1 im letzten Vorrundenspiel gegen Norwegen wurde Däbritz für Lena Lotzen eingewechselt, nach dem Viertelfinale, das die deutsche Equipe letztlich mit 1:0 gegen Italien gewann, standen weitere 22 Minuten zu Buche. Am Ende krönte sich Deutschland dank eines Treffers von Anja Mittag und zwei gehaltener Elfmeter durch Torhüterin Nadine Angerer in Solna gegen Norwegen zum Europameister.

Bei ihrem Klub sorgte Däbritz indes weiter für Furore, empfahl sich - vor allem aufgrund ihrer herausragenden Technik und Schnelligkeit - für höhere Aufgaben. Drei Jahre nach ihrem Wechsel in den äußersten Südwesten der Republik sicherte sich der große FCB die Dienste der Jung-Nationalspielerin. Zurück nach Bayern, näher heran an ihre geliebte Heimat.

"Ich bin absolut verwurzelt mit Bayern. Ich liebe meine Heimat. Meine Family und mein Zuhause geben mir so viel Kraft", sagte sie einst. Obwohl sich die Fahrtzeit nach Ebermannsdorf im Vergleich zu Freiburg mit dem Transfer in die bayrische Landeshauptstadt halbierte, war Däbritz fortan noch eingespannter, die Zeit für die Familie wegen Champions-League-Reisen noch rarer. "Auch wenn man sich nur alle vier, fünf Monate sieht, ist es jedes Mal doch so, als hätte man sich erst gestern getroffen", sagte sie während ihrer Zeit bei den Bayern.

Däbritz mausert sich zum Aushängeschild des Frauenfußballs

Als Stammspielerin in München, in der Nationalmannschaft gesetzt, mauserte Däbritz sich mehr und mehr zu einem der Aushängeschilder des "neuen" Frauenfußballs. Dieser habe sich "in den letzten Jahren super weiterentwickelt. Er ist athletischer geworden, schneller, technisch besser." Sie stellte aber jüngst bei einem Termin mit ihrem Ausrüster Nike klar, dass dieser Fortschritt nicht von ungefähr komme, der positive Werdegang von der Straßen- zur Profi-Fußballerin mit harter Arbeit und einem Höchstmaß an Disziplin zusammenhänge. "Das Wichtigste ist, dass man ehrgeizig ist, dass man diszipliniert ist."

Ehrgeiz und Disziplin zeigten die deutschen Damen um Däbritz ganz besonders 2016: Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sicherten sie sich im legendären Maracana die Goldmedaille. Nach wie vor der größte Moment in der noch jungen Karriere der gebürtigen Ambergerin, die im Anschluss in ihrer Heimat wie ein Popstar empfangen wurde. "Das ist der Traum eines jeden Fußballers", schwärmte sie.

Apropos Traum: Im Sommer steht für Däbritz die WM in Frankreich und damit in ihrer neuen Wahlheimat an. Kurz vor dem Turnier gab Paris Saint-Germain bekannt, dass die 24-Jährige zur kommenden Saison an die Seine kommen wird. Zunächst einmal will das Golden Girl aus der Oberpfalz aber den Weltmeister-Pokal nach zwölfjähriger Abstinenz zurück nach Deutschland holen - und ihr malerisches Heimatdorf einmal mehr in Ekstase versetzen.

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