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Frauen-WM 2015, Halbfinale

Deutschland scheitert an den USA

Mittwoch, 01.07.2015 | 02:52 Uhr
Celia Sasic vergab die beste Chance für das deutsche Team
© getty
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Die deutschen Frauen sind bei der Weltmeisterschaft 2015 in Kanada im Halbfinale an den USA mit 0:2 (0:0) gescheitert. Celia Sasic vergab einen Foulelfmeter, Carli Lloyd machte es auf der anderen Seite besser.

Vor knapp 51.176 Zuschauern im fast ausverkauften Stade Olympique in Montreal vergab Celia Sasic in der zweiten Halbzeit einen Foulelfmeter (59.). Bis dahin waren die USA die dominierende Mannschaft gewesen, scheiterten aber wiederholt an Nadine Angerer.

Carli Lloyd (69.) machte es zehn Minuten später auf der anderen Seite besser und erzielte die Führung für die USA per Foulelfmeter, dem allerdings eine Fehlentscheidung vorangegangen war. Kelley O'Hara (86.) machte spät den Deckel drauf.

Damit bleiben die Vereinigten Staaten weiterhin Angstgegner, seit 12 Jahren gab es keinen Sieg mehr für Deutschland im direkten Duell. Hope Solo bastelt weiter an ihrem Ohne-Gegentor-Rekord und baut diesen um weitere 90 Minuten aus.

Das Finale der Weltmeisterschaft findet in der Nacht von Sonntag auf Montag (6. Juli) um 1 Uhr statt. Das Spiel um Platz drei wird am Samstag um 22 Uhr ausgetragen.

Reaktionen:

Silvia Neid (Trainerin Deutschland): "Überrannt finde ich übertrieben. Nach vorne haben wir nicht gut gespielt, wir hatten wenig Chancen. Die Abschlüsse waren nicht gut genug, die gingen drüber oder am Tor vorbei. Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben."

Nadine Angerer (Kapitänin Deutschland): "Wir haben gerade ein Halbfinale verloren, klar ist man da enttäuscht. Die zweite Halbzeit war wesentlich besser, aber 45 Minuten sind nunmal nicht genug. Wir sind alle traurig, aber so ist der Sport. Jetzt zählt ein gutes Spiel um Platz drei."

Carli Lloyd (Kapitänin USA): "Das war ein schwieriges Spiel, ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie haben das toll gemacht. Wir mussten dran bleiben, fokussiert bleiben und einfach so weiterspielen. Das Finale ist ein Traum, der wahr wird. Die Fans waren toll."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die USA tauschen im Vergleich zum knappen 1:0-Sieg über China auf zwei Positionen. Jill Ellis bringt mit Lauren Holiday und Megan Rapinoe ihre beiden gelbgesperrten Spielerinnen zurück, dafür müssen Kelley O'Hara und Amy Rodriguez zusehen.

Auch Silvia Neid vertraut bekannten Gesichtern. In der Innenverteidigung beginnt die zuletzt gelbgesperrte Saskia Bartusiak anstatt Babett Peter. Dzsenifer Marozsan ist fit geworden, steht aber nicht in der Startaufstellung.

3.: Eine Ecke von der linken Seite bringt Goeßling Richtung Strafraumrand. Leupolz ist relativ frei, der Versuch landet aber auf dem Netz.

7.: Auch die nächste Ecke sorgt für Gefahr, diesmal auf der anderen Seite. Rapinoe findet Johnston, die allerdings an Angerer scheitert. Das war eng.

14.: Genialer Pass von Heath auf Morgan, die zwischen Krahn und Bartusiak durchgehen kann. Angerer bleibt lange stehen und pariert überragend im Eins gegen Eins.

29.: Nach einem Freistoß von Goeßling rauschen Brian und Popp mit den Köpfen zusammen. Beide bleiben benommen und mit Platzwunden liegen, nach knapp vier Minuten kann es für beide weitergehen.

36.: Klingenburg versucht es aus der zweiten Reihe, Bartusiak fälscht ab und hätte Angerer beinahe auf dem falschen Fuß erwischt. Es folgen mehrere Ecken für die USA und jedes Mal wird es gefährlich. Morgan und Heath bekommen den Ball aber nicht rein.

43.: Morgan kocht Krahn mit dem First-Touch ab und geht aus spitzem Winkel auf Angerer zu. Was auch immer sie im Abschluss versucht, es endet in einem Einwurf auf der gegenüberliegenden Seite.

47.: Lloyd köpft Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Angerer staucht anschließend die Abwehr zusammen, denn die Ecken von Rapinoe bleiben brandgefährlich.

59.: Oh Sasic! Ein krasser Patzer von Johnston lässt Mittag alleine aufs Tor zulaufen. Die US-Innenverteidigerin zögert nicht lange, zupft am Trikot und verursacht einen Foulelfmeter. Sasic, sonst so sicher, tritt an und schießt den Ball am linken Pfosten vorbei.

67.: Morgan bekommt nach einem tollen Ball von Brian halblinks im deutschen Strafraum an den Ball und wackelt Krahn aus. Ihr Schuss geht aber am langen Pfosten vorbei.

69., 1:0, Lloyd (FE): Morgan geht mit Tempo Richtung Strafraum, Krahn kreuzt ihren Weg zu ungestüm. Foul, aber nicht im Strafraum. Iugulescu zeigt dennoch auf den Punkt und US-Kapitänin Lloyd bleibt cool. Angerer fliegt nach rechts, die Amerikanerin schießt nach links.

86., 2:0, O'Hara: Die Entscheidung ist gefallen. Wambach zu Klingenburg, die auf auf Lloyd durchsteckt. Die Kapitänin lässt die vorbelastete Krahn erneut schlecht aussehen und legt in die Mitte. Die eingewechselte O'Hara lässt das Stadion beben.

Fazit: Insgesamt ein verdienter Sieg für ein einmal mehr defensivstarkes US-Team. Deutschland vergab seine größte Chance vom Punkt und verpasste damit den Knackpunkt.

Star des Spiels: Alex Morgan war von der deutschen Verteidigung nicht zu halten. Die Amerikanerin zeigte sich dribbelstark, ballsicher und spritzig wie kaum eine andere Spielerin auf dem Feld. Zusammen mit Rapinoe und Lloyd eine ständige Gefahr und fast immer involviert, wenn es gefährlich wurde. Herausragend bei Deutschland war natürlich Nadine Angerer.

Flop des Spiels: Celia Sasic fand überhaupt keine Bindung zum Spiel. Zwar arbeitete die Stürmerin viel und klärte mehrfach selbst im Strafraum, nach vorne ging aber wenig bis gar nichts. Sinnbildlich der verschossene Elfmeter.

Die Schiedsrichterin: Petruta Iugulescu (Rumänien) machte sich eine starke Leistung mit einem spielentscheidenden Fehler kaputt. Das Foul von Krahn an Morgan war außerhalb des Strafraums, es hätte keinen Elfmeter für die USA geben müssen. Sonst lag die Unparteiische aber in nahezu allen Belangen richtig und leitete das Spiel angenehm. Fraglich, ob sie Johnston für das Elfmeter-Foul nicht hätte Rot zeigen müssen.

Das fiel auf:

  • Deutschland agierte im bekannten 4-4-2 mit weit nach innen tendierender Popp vom linken Flügel aus. Der Spielaufbau der Amerikanerinnen wurde früh gestört, landete der Ball auf einer Seite, schalteten sich die Außenverteidiger schon weit vorne ins Pressing mit ein.
  • Die Spielweise brachte einige Balleroberungen ein, allerdings eher ungefährlicherer Art. Gleichzeitig sah sich Neid zwei Problemen ausgesetzt: Die hohen Außenverteidigerinnen wurden durch hohe Bälle und Ablagen von Stürmerin Morgan in den Rücken von Kemme und Maier ausgenutzt, dazu entstand zwischen den Innenverteidigerinnen und dem Mittelfeld bisweilen viel zu viel Platz.
  • Die USA probierten es auf dem Papier in einer 4-2-3-1-Grundordnung, in der sich Lloyd als bewegliche Spielerin hinter Morgan einbrachte. Offensiv sah dies gefällig aus, defensiv fehlte aber oft eine klare Linie. Das gegen China noch so starke Gegenpressing brauchte einige Zeit, um zu greifen, dann war Deutschlands Offensive aber stillgelegt.
  • Weil sich Deutschland auf die rechte und die USA auf ihre linke Seite konzentrierten, spielte sich das Spiel fast ausschließlich auf einer Außenbahn ab. Insgesamt also durchaus Parallelen in der Spielanlage, auch wenn Deutschland sich auf kürzere, flache Pässe verließ, während die Amerikanerinnen nicht davor zurückschreckten, das Mittelfeld lang und hoch zu überbrücken.
  • Popp durfte mit zunehmender Spieldauer immer freier agieren. Mal auf der rechten Seite, mal links, mal hinter Kemme. Ging sie nach rechts, orientierten sich Mittag und Sasic schnell ins Zentrum. Wirklich gute Gelegenheiten nach Flanken sprangen allerdings nicht heraus.

USA- Deutschland: Daten zum Spiel

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