Frauen-Fußball: Königsweg noch nicht gefunden

SID
Freitag, 31.08.2012 | 15:06 Uhr
Wolfgang Niersbach (l.) und Theo Zwanziger wollen den Frauen-Fußball stärken
© Getty
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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt der Frauen-Fußball-Bundesliga vor dem Start der 40. Saison verbalen und moralischen Rückhalt, das Schattendasein in der öffentlichen Aufmerksamkeit wird er auch im Jahr nach der WM im eigenen Land nicht verhindern können.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und sein Vorgänger Theo Zwanziger plädieren für eigenständige Frauenfußball-Klubs, um einen weiteren Aufschwung zu erreichen. Dem widersprechen einige Vereinsvertreter.

"Es gibt Anlass zu Optimismus", stellte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei einer opulenten Auftaktveranstaltung am Donnerstagabend zunächst einmal fest.

Der Stellenwert im wirtschaftlichen Bereich steige, die Zuschauerzahlen würden sich ebenfalls positiv entwickeln. Die Steigerung der durchschnittlichen Besucherzahlen im Vorjahr um 34 Prozent auf 1.130 Besucher pro Spiel nannte Niersbach "nicht gewaltig, aber beachtlich."

Verärgerung über HSV-Rückzug

Niersbach bezeichnete sich als "Anhänger der Eigenständigkeit" der Vereine. Diese helfe dabei, "eine unabhängige Identität aufzubauen." Man müsse aber immer den Einzelfall betrachten. Zwanziger sprach sich weit weniger diplomatisch für eigenständige Klubs aus.

Der 67-Jährige redete sich als Ehrengast bei einer Pressekonferenz des Champions-League-Finalisten 1. FFC Frankfurt am gleichen Tag in Rage, ihn ärgerte der Rückzug des Hamburger SV aus der höchsten Spielklasse der Frauen maßlos.

Diesen nannte er einen Skandal. "Ein Männerklub verbrät Millionen und die Frauen müssen dafür büßen", schimpfte Zwanziger.

Die Klubs sollten nach Zwanzigers Meinung "Mut zur Eigenständigkeit" entwickeln, dem Beispiel der Frankfurter oder auch des 1. FFC Turbine Potsdam folgen und eigene Vereine gründen. Die Chance dazu sei größer denn je. "Themen wie Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit sind für die Wirtschaft immer wichtiger geworden", begründete Zwanziger.

Wörle stolz auf Bayern-Familie

Thomas Wörle, Cheftrainer bei Bundesligist FC Bayern München, sieht das freilich ganz anders. Der Coach des Überraschungssiegers im DFB-Pokal der vergangenen Saison betont den Nutzen, der sich aus der Angliederung der Frauenabteilung an eine erfolgreiche Männer-Abteilung ergibt.

"Unser gesamter Etat wird von der Fußball-AG bereitgestellt und wir können die professionellen Strukturen des Vereins nutzen", sagte der ehemalige Zweitliga-Fußballer der Nachrichtenagentur "dapd". Auch die Frage nach fehlender eigener Identität stelle sich für ihn nicht: "Wir sind einfach nur stolz, Teil des größten Fußballvereins in Deutschland zu sein."

Diese Meinung teilt Nadine Kessler, Nationalspielerin und Kapitänin des Vizemeisters VfL Wolfsburg, einer der Titelaspiranten in der am Sonntag beginnenden Saison.

Neid pragmatisch

"Wir erhalten große Unterstützung, sowohl bei der Organisation als auch beim Sponsoring und Marketing", sagt die 24-Jährige. Auch in Freiburg genießen die Frauen die Unterstützung des anderen Geschlechts.

Bundestrainerin Silvia Neid sieht die Sache pragmatisch. "Mir ist wichtig, dass sich die Spielerinnen wohl fühlen und gut trainieren," sagte Neid gegenüber "dapd". Wenn die Frauenabteilungen die Strukturen der Männervereine nutzen könnten, umso besser. Einen Königsweg sieht sieht in gemeinsamen Klubs aber auch nicht, denn sie weiß: "Es gibt immer noch Männervereine, die Frauenabteilungen gar nicht haben wollen."

Frauen-Fußball: Die Bundesliga im Überblick

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